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Vorhofflimmern: Wenn das Herz aus dem Takt kommt

1,8 Millionen Patienten leiden unter Vorhofflimmern. Unbehandelt kann die häufigste Herzrhythmusstörung lebensbedrohlich werden, informiert die Deutsche Herzstiftung zum heutigen Start der Herzwochen. Auch das Thema gesetzliche Pflicht einer Reanimationsausbildung für Laien rückt immer mehr in den Fokus.

Ist das Herz krank, dann wirkt sich das bei vielen Patienten auf die Seele aus.Patienten mit unbemerktem Vorhofflimmern können laut Deutscher Herzstiftung eine Herzschwäche ausbilden oder einen Schlaganfall erleiden. Typische Symptome eines Vorhofflimmeranfalls seien Herzrasen, Angst, Luftnot, Schwindelattacken, Schwächeanfälle, Brustschmerzen bis hin zur kurzzeitigen Bewusstlosigkeit, erklären die Herzspezialisten Prof. Dietrich Andresen, Dr. Leif-Hendrik Boldt sowie Dr. Michael Laule vom Evangelischen Krankenhaus Hubertus in Berlin. Bei heftigen Beschwerden solle unbedingt die Notaufnahme aufgesucht werden.

60 Prozent haben Bluthochdruck

„Sollte sich im Ruhe-EKG kein Vorhofflimmern zeigen, kann ein 24-Stunden-EKG hilfreich sein“, so die Kardiologen. 60 Prozent aller Patienten mit Vorhofflimmern haben Bluthochdruck, 20 Prozent leiden an einer koronaren Herzerkrankung – diese wird durch Engstellen in den Herzkranzgefäßen (Koronararterien) verursacht. Wenn es nicht gelingt, durch ein 24-Stunden-EKG das Vorhofflimmern zu dokumentieren, können längere EKG-Aufzeichnungen bis zu einer Woche hilfreich sein, erklären die Mediziner. Therapiemöglichkeiten bei festgestelltem Vorhofflimmern sind zunächst Medikamente gegen die Blutgerinnung, um vor einem Schlaganfall zu schützen. Weitere Behandlungsoptionen gegen das Flimmern werden mit dem Arzt besprochen.

Pflicht einer Reanimationsausbildung für Laien

Beim Thema Herz geht es manchmal um Sekunden. Wenn das lebenswichtige Organ stillsteht, ist schnelles Handeln gefragt. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) fordert deshalb eine gesetzliche Pflicht einer Reanimationsausbildung für Laien. Einen plötzlichen Herzstillstand erleiden in Deutschland jährlich mehr als 50.000 Menschen – und das außerhalb des Krankenhauses, informiert die DIVI. Nur zehn Prozent der Betroffenen überleben. Schon im Oktober hatte die DIVI den ersten „World Restart a Heart Day“ ins Leben gerufen, um das Thema Laien-Reanimation voranzutreiben. Unter anderem sollen Schulen unterstützt werden, die ihre Schüler zur Lebensrettung ausbilden wollen. So möchte man zeigen, wie „kinderleicht Reanimation geht“, sagt Prof. Bernd Böttiger, Präsidiumsmitglied der DIVI.

Tipps für ein gesundes Herz

„Dauerhaftes Sitzen wird zum Risiko für Herz und Gefäße, wenn kein Ausgleich durch ausdauernde Bewegung gelingt“, informiert die Deutsche Herzstiftung. Schätzungen zufolge seien 80 Prozent der vorzeitigen Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter von 30 bis 70 Jahren vermeidbar, wenn die Risikofaktoren wirksam kontrolliert würden. Vor allem der Einfluss von regelmäßiger Bewegung sei nicht zu unterschätzen: Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) können so gebremst werden und Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindern. Generell sollte jeder im Alter von 35 Jahren regelmäßig die Herzinfarkt-Risikofaktoren checken lassen. Das sind: Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.

Ein Notfallausweis für Herzpatienten, ein Blutdruck-Pass sowie eine Pulskarte zur Pulsmessung können bei der Deutschen Herzstiftung unter https://www.herzstiftung.de/ angefordert werden. Eine Übersicht über die bundesweit mehr als 1.000 Veranstaltungen während der Herzwochen ist dort ebenfalls zu finden.