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Welthepatitistag: Leberhilfe plädiert für Screening

Berlin (pag) – Der 28. Juli ist der Welthepatitistag. Zum dritten und letzten Mal lautet das Motto der ausrichtenden World Hepatitis Alliance in diesem Jahr: „Findet die fehlenden Millionen“. Anders als in den vergangenen Jahren findet diesmal kein Aktionstag statt. Die Deutsche Leberhilfe informiert auf der Website welthepatitistag.info dennoch umfassend über die Krankheit.

Hepatitis-B-ErregerHepatitis bedeutet Leberentzündung und kann laut Deutscher Leberhilfe unterschiedliche Ursachen haben. Oft seien die Hepatitis-Viren A, B, C, D oder E für die Entzündung verantwortlich. Es gebe jedoch auch Leberentzündungen, die auf Alkohol, Fettleber oder eine Fehlsteuerung des Immunsystems zurückgehen. Bei einer Entzündung werden die Leberzellen zerstört, erläutert die Deutsche Leberhilfe. Das wird vor allem dann zum Problem, wenn die Erkrankung von Dauer, also chronisch ist. Denn dann kann die Leber vernarben, wodurch sie irgendwann versteift. In diesem Fall spricht man von einer Leberzirrhose. Und die kann lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen, denn bei Menschen mit einer Leberzirrhose sind die Funktionen der Leber wie Entgiftung und Stoffwechsel stark eingeschränkt. Auch ein Leberzellkrebs kann entstehen.

Mit einer rechtzeitigen Diagnose und Behandlung lassen sich solche Spätfolgen in den meisten Fällen verhindern. Doch „viele Menschen merken erst im Endstadium ihrer Erkrankung, dass mit ihrer Leber etwas nicht stimmt“, erklärt die Deutsche Leberhilfe. Besonders tückisch: Die Leber hat kein Schmerzempfinden. Oft gibt es keine oder nur unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Gelenkbeschwerden. Viele Hepatitis-Infektionen verlaufen somit stumm und unbemerkt. Ein typisches Symptom ist beispielsweise die Gelbfärbung der Haut oder der Augen, doch das entwickelt nicht jeder Mensch mit Hepatitis. Auch erhöhte Leberwerte können ein erster Hinweis sein. Wie die Deutsche Leberhilfe mitteilt, handelt es sich bei positiven Hepatitis-Tests mitunter um „Zufallsfunde“, die zum Beispiel auftreten, wenn Menschen Blut spenden wollen.

Am Welthepatitistag gilt die Aufmerksamkeit vor allem den chronischen Virushepatitiden B und C. Weltweit sind davon nach WHO-Schätzungen 328 Millionen Menschen betroffen. 90 Prozent von ihnen wissen es jedoch nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nutzt den diesjährigen Welthepatitistag daher für einen Aufruf. In einem offenen Brief richtet sie sich an die Regierungschefs der Länder. Die hatten sich 2016 bei der Weltgesundheitsversammlung in Genf zum Ziel gesetzt, die chronische Hepatitis B und C bis 2030 als globale Gesundheitsbedrohung zu beseitigen. Laut WHO ließen sich dadurch schon bis 2030 sieben Millionen Todesfälle verhindern.

Mit den Fortschritten ist die WHO jedoch nicht zufrieden. In dem Brief heißt es unter anderem: „Weniger als 10 Jahre vor dem Zeitpunkt, an dem dies erreicht werden soll, ist nur eine Handvoll Länder auf einem guten Weg, die Hepatitis C zu eliminieren; Fortschritte im Hinblick auf die Elimination der Hepatitis B sind ebenfalls im Verzug.“

Dabei sind die Mittel bereits verfügbar. Gegen Hepatitis B existiert eine Impfung, die Erkrankung ist zudem kontrollierbar und sogar Hepatitis C lässt sich mittlerweile sehr effektiv behandeln. 95 Prozent der Hepatitis-C-Patienten sind bereits nach dem ersten Therapieversuch endgültig virenfrei. Noch in diesem Jahr könne außerdem erstmals eine antivirale Therapie gegen das Hepatitis-D-Virus verfügbar werden, erläutert die Deutsche Leberhilfe.
Die WHO bleibt daher ehrgeizig: „Die Elimination kann erreicht werden“. Prävention, Impfung, Testung und Behandlung der Virushepatitis müssten „Teil von Präventionsangeboten in der allgemeinen Gesundheitsversorgung und allen zugänglich gemacht werden“.

Für Deutschland fällt das Urteil der Leberhilfe gespalten aus. Zwar sei der Zugang zur Therapie hierzulande bereits gut, für die frühzeitige Diagnose werde jedoch noch immer relativ wenig getan. Empfohlen ist das Screening für Risikogruppen, doch „Hepatitis B und C können jeden treffen“, mahnt die Deutsche Leberhilfe, die sich daher für ein umfassenderes Screening-Konzept starkmacht. Eine regelmäßige Untersuchung auf Hepatitis B und C etwa im Rahmen der Check-up-Untersuchungen für Menschen ab 35 Jahre, wie es derzeit von Experten diskutiert wird, wäre aus Sicht der Leberhilfe „ein deutlicher Fortschritt“ in Sachen Früherkennung. Noch besser sei es, allen Menschen bereits ab 18 Jahren zumindest einmal einen Test anzubieten.