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Bist du Chris? Aufklärungskampagne zu Hepatitis C

Deutschland ohne Hepatitis C? Dieses Szenario war bis vor kurzem noch undenkbar. Doch dank einer neuen Generation von direkt antiviral wirkenden Kombinationstherapien lässt sich die Erkrankung inzwischen fast immer heilen. Eine Aufklärungskampagne will für das eigene Risiko sensibilisieren.

Die neu entwickelten Medikamente eröffnen die Chance, Hepatitis C massiv einzudämmen oder sogar zu eliminieren, wie es sich die Bundesregierung und auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis 2030 zum Ziel gesetzt haben. Ein neues Projekt will das Vorhaben unterstützen: Die Deutsche Leberstiftung, die Deutsche Leberhilfe und das Arzneimittelunternehmen Gilead Sciences haben die „Initiative pro Leber“ gegründet und eine bundesweite Aufklärungskampagne unter dem Titel „Bist du Chris?“ gestartet. Sie wollen die Öffentlichkeit über Hepatitis C informieren. Denn das Wissen in der Bevölkerung über Risiken und Behandlungsmöglichkeiten ist gering.

Was ist Hepatitis C?

Hepatitis C ist eine chronische Infektionskrankheit der Leber, die schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen und lebensbedrohlich verlaufen kann. Die WHO schätzt, dass weltweit rund 71 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert sind. Etwa 399.000 sterben jährlich an den Folgen, so die Initiative pro Leber. Für Deutschland gehen Experten von etwa 250.000 infizierten Menschen aus, genaue Zahlen gibt es nicht. Prof. Michael Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, Klinik-Direktor an der Medizinischen Hochschule Hannover sowie Vorsitzender der Initiative pro Leber, schätzt, dass 40 Prozent der HCV-infizierten Menschen in Deutschland nichts von ihrer Erkrankung wissen. Wesentliches Ziel der neu gegründeten Initiative ist daher, dass sich möglichst viele Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko testen lassen. „Nur wer weiß, dass er krank ist, kann auch behandelt werden. Und nur wer behandelt wird, hat eine Chance auf Heilung. Ein einfacher Bluttest kann Klarheit schaffen“, so der Leberexperte. Manns betont, dass die Therapie mit den neuen direkt wirkenden antiviralen Substanzen einen Paradigmenwechsel in der Hepatitis-C-Behandlung herbeigeführt hat. „Mit den neuen Medikamenten lassen sich in der Regel innerhalb von 8 bis 24 Wochen Heilungsraten von 95 Prozent und mehr erzielen – bei guter Verträglichkeit und unabhängig vom Genotyp der infizierenden Viren.“

HCV: zehnmal so ansteckend wie HIV

Das Hepatitis-C-Virus wird in erster Linie durch Blut-zu-Blut-Kontakt übertragen und ist dabei etwa zehnmal so ansteckend wie das Humane Immunschwäche-Virus (HIV). Bis vor gut 20 Jahren war einer der wesentlichen Übertragungswege die Transfusion von kontaminiertem Blut, doch seit 1992 werden in Deutschland Blutprodukte auf HCV-Antikörper getestet, bevor sie zum Einsatz kommen. Heute infizieren sich immer noch Menschen durch unzureichend sterilisierte Medizingeräte, durch Sexualpraktiken mit Blutkontakt, durch Tätowierungen und Piercings, die mit nicht sterilisierten Instrumenten oder Materialien durchgeführt wurden. Das Virus kann in seltenen Fällen auch durch eine Schwangerschaft auf das Baby übertragen werden. Häufig bleibt der Übertragungsweg jedoch unbekannt.

Die Krankheit ist heilbar

„Heilung braucht Erkenntnis“, fasst Prof. Claus Niederau, Vorstandsmitglied der Deutschen Leberhilfe und Direktor der Klinik für Innere Medizin am St. Joseph-Hospital in Oberhausen, die Ausgangsbasis der Kampagne „Bist du Chris?“ zusammen. „Wir sehen gewaltige Fortschritte in der Behandlung der Hepatitis C mit in der Regel 95-prozentiger Heilungschance für die meisten Patienten. Wir haben damit die Möglichkeit, die Krankheit zu eliminieren. Die Initiative pro Leber tritt an, um diese Fortschritte und Chancen bestmöglich zu erschließen.“

Hepatitis C: das unbekannte Leiden

Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Initiative kennt aber nur eine Minderheit der Befragten diese Chancen. Lediglich 32 Prozent haben davon gehört, dass die meisten Patienten komplett geheilt werden können. Ein weiteres Problem: viele unterschätzen die Erkrankung. „Obwohl 78 Prozent wissen, dass sich jeder anstecken kann, denken nur 7 Prozent, dass sie jemals Kontakt zu dem Virus gehabt haben könnten.“ Viele Menschen erkennen offenbar nicht, wie relevant die Erkrankung für sie sein kann. Und die Umfrage enthüllt weitere Wissenslücken. Nur ein Drittel (34 Prozent) weiß, dass man sich gegen Hepatitis C nicht impfen lassen kann und nur jeder zweite (50 Prozent) hat Kenntnis davon, dass die Krankheit oft asymptomatisch verläuft, die Infektion also lange unbemerkt bleiben kann.

Kampagne will ermutigen

Die Kampagne „Bist du Chris?“ will dazu ermutigen, auf mögliche Ansteckungsquellen in der Vergangenheit zurückzublicken und das persönliche Hepatitis-C-Risiko zu bewerten. Auf der Homepage www.bist-du-chris.de findet sich eine Checkliste mit Fragen, die bei einer ersten Selbsteinschätzung helfen können. Gefährdete sollten einen Arzt konsultieren und einen Hepatitis-C-Test machen. Die Webseite bietet zudem weitere Informationen zum Krankheitsbild, zur Testung sowie zur Kampagne selbst.

Warum der Name „Chris“?

Chris sei eine international gebräuchliche, häufige und populäre Form eines weiblichen oder männlichen Vornamens, erklären die Akteure. Mit dem Kampagnen-Motto möchte die Initiative dem Irrglauben entgegentreten, dass Hepatitis C eine Infektion ist, die nur „andere“ betrifft, und die Lebererkrankung von ihrem Stigma befreien. Über Medienarbeit, TV-Spots, Anzeigen und Online-Plattformen wird auf Risikokonstellationen für eine Infektion aufmerksam gemacht. Darüber hinaus hofft Niederau auf rege Unterstützung durch die Hausärzte: „Sie sind die erste Anlaufstelle für gesundheitliche Probleme, kennen ihre Patienten meist gut, können sie beraten und einen Bluttest in die Wege leiten.“

Weitere Informationen unter:

  • http://www.bist-du-chris.de/

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