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„Das Wichtigste ist jetzt die Minderung des persönlichen Risikos“

Im Interview spricht Prof. Claudia Schmidtke (CDU), Beauftragte der Bundesregierung für Patientenbelange, darüber, wie sich Patienten vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen können und erläutert die Situation für Betroffene in Wartestellung auf eine Operation sowie Krebspatienten und chronische Kranke.

Prof. Dr. Claudia Schmidtke, Patientenbeauftragte der Bundesregierung.Angesichts der anrollenden Corona-bedingten Patientenzahlen werden alle Betten benötigt. Planbare Operationen müssen verschoben werden. Was raten Sie Betroffenen jetzt?

Ich rate allen betroffenen Patientinnen und Patienten, die Ruhe zu bewahren. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte werden auf sie zukommen – wenn sie es nicht schon getan haben – und die Situation mit ihnen besprechen. Wichtig ist zu wissen, dass nur dann Behandlungen und Operationen verschoben werden, wenn dies medizinisch vertretbar ist. Damit Krankenhäuser bestmöglich auf die Behandlung von Patienten mit dem Corona-Virus vorbereitet sind, benötigen sie möglichst viele Kapazitäten und Ressourcen. Ich bin überzeugt davon, dass die Patientinnen und Patienten für diese Entscheidung Verständnis haben und auch längere Wartezeiten akzeptieren werden.

Wie lange wird der Zustand nach allem, was wir bisher wissen, dauern? Auf was müssen Patienten in Wartestellung für eine Operation sich einstellen?

Derzeit wird mit massiven – zum Teil drastischen – Maßnahmen auf allen Ebenen versucht, die Infektionen in Deutschland so früh wie möglich zu erkennen, die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen oder zumindest zu verlangsamen und Patienten mit einem erhöhten Risiko eines schweren Behandlungsverlaufs vor einer möglichen Infektion zu schützen. Vom Erfolg dieser Maßnahmen wird es abhängen, wie lange wir uns in dieser Ausnahmesituation befinden werden. Zudem werden in allen Krankenhäusern zusätzliche Intensivkapazitäten aufgebaut, um zu verhindern, dass unser Gesundheitssystem über seine Belastungsgrenzen hinaus gefordert wird.

Wie läuft die Versorgung von Krebspatienten und chronisch Kranken?

Medizinisch notwendige Behandlungen werden weiterhin stattfinden. Die Entscheidung, was medizinisch notwendig ist, treffen die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, die ihre Patientinnen und Patienten kennen und die jeweilige Situation am besten beurteilen können.

Wie können diese sich am besten schützen?

Das Wichtigste ist jetzt die Minderung des persönlichen Risikos, an einer Infektion zu erkranken. Dazu gehört das Einhalten der allgemeinen Verhaltensregeln zur Hygiene, wie z. B. regelmäßiges Händewaschen, Abstand halten und richtiges Hygieneverhalten beim Husten und Niesen. Darüber hinaus sollte der Kontakt zu anderen Menschen so weit wie möglich vermieden werden. Das heißt: Zu Hause bleiben, wann immer es geht. Hier ist die Solidarität aller Bürgerinnen und Bürger gefordert. Wir alle müssen die sozialen Kontakte auf das Notwendigste reduzieren, um die Ausbreitung des Virus in Deutschland zu verlangsamen und besonders gefährdete Risikogruppen zu schützen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt zudem, dass sich Risikopatienten aktiv über das Krankheitsbild informieren sollen, um möglichst frühzeitig Symptome selbst erkennen zu können. Mit Fragen zum Coronavirus können sich alle Bürgerinnen und Bürger unter anderem an die Unabhängige Patientenberatung Deutschlands (UPD), an Beratungs-Hotlines der Gesundheitsämter oder der Krankenkassen wenden. Die Telefonnummern sind unter anderem auf den Internetseiten der jeweiligen Landesregierungen nachzulesen. Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 sollte dagegen nur kontaktiert werden, wenn Symptome vorhanden sind und die Befürchtung besteht, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben.

Ist die Notfallversorgung für akute Fälle wie Herzinfarkt, Unfälle und Schlaganfälle gesichert?

Für Patientinnen und Patienten besteht kein Grund zur Befürchtung, in akuten Fällen nicht versorgt zu werden. Die Versorgung von medizinischen Notfällen durch Rettungsdienste und Krankenhäuser ist weiterhin gewährleistet.

Wenn es zu Knappheit kommt, treten medizinethische Fragen in den Vordergrund. Wie entscheiden Ärzte, für welche Patienten eine Therapie (Beatmung) angezeigt ist. Nach Alter? Nach Gesundheitszustand?

Ziel all unserer Anstrengungen wie zum Beispiel der Ausbau der Behandlungskapazitäten und der personellen Ressourcen in den Krankenhäusern ist es ja gerade, jetzt die Vorsorge für steigende Fallzahlen zu treffen. Deutschland ist im internationalen Vergleich bei den Intensivkapazitäten gut aufgestellt. Durch die bereits getroffenen, aber auch die derzeit noch diskutierten Maßnahmen wird sich die Versorgungssituation weiter dem potentiellen Bedarf anpassen. Es wird jedenfalls von allen Beteiligten alles dafür getan, dass unser Gesundheitssystem bestmöglich vorbereitet ist.