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Tropenkrankheiten: Pharma-Unternehmen verstärken ihr Engagement

Vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs) gehören zu den schmerzvollsten Krankheitsbildern und betreffen vor allem die Ärmsten der Armen. Staats- und Regierungschefs sowie große Pharma-Unternehmen haben jetzt ihre Verpflichtung zur Eindämmung der NTDs bekräftigt.

Zu den NTDs gehört beispielsweise das Trachom, eine bakterielle Erkrankung des Auges, oder die chronische Infektionskrankheit Lepra. Viele der Betroffenen leben in großer Armut und können sich entsprechende ärztliche Behandlungen nicht leisten.

Im April 2017 trafen sich Regierungsvertreter, Pharmaunternehmen sowie gemeinnützige Organisationen auf einem mehrtägigen Gipfel in Genf, um das weitere Vorgehen und die Finanzierung von Projekten im Bereich NTDs zu besprechen. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet, sei es das Ziel, NTDs unter Kontrolle zu bringen oder ganz auszurotten. Ein aktueller Bericht der WHO zeigt zudem auf, dass es deutliche Fortschritte bei der Behandlung und Eliminierung von NTDs gibt.

Fünf Jahre ist es her, dass sich öffentliche Sektoren gegenüber der WHO verpflichtet haben, innerhalb der „Londoner Erklärung“ Ziele zur Kontrolle, Beseitigung und gänzlichen Ausrottung von zehn NTDs festzusetzen – in dieser Zeit haben Pharmaunternehmen Milliarden von Medikamenten gespendet, die in fast 150 Länder geliefert wurden, so dass im Jahr 2015 fast eine Milliarde Menschen von den Spenden profitieren konnten.

Erkrankungen weit verbreitet

Wie Zahlen der WHO belegen, sind NTDs ein weit verbreitetes und gravierendes Problem: Einer von sechs Menschen weltweit leidet an einer NTD. Betroffen sind mehr als eine halbe Milliarde Kinder. „NTDs führen zu schweren Einschränkungen und Behinderungen, schwächen die Betroffenen und sind Mitursache für den ewigen Teufelskreis der Armut. Sie sind letztendlich ein Grund, dass Kinder nicht zur Schule gehen und Erwachsene nicht arbeiten können und verringern die Hoffnung auf jede Chance für wirtschaftliches Wachstum“, zählt die WHO auf.

Wie nun der WHO-Bericht „Integrating Neglected Tropical Diseases in Global Health and Development“ aufzeigt, konnte von 2011 bis 2015 die Zahl derjenigen, die von einer gespendeten Behandlung profitieren konnten, um 36 Prozent gesteigert werden: „Da mehr Regionen, Länder und Gebiete NTDs ausrotten, ist die Anzahl der Menschen, die behandelt werden müssen, von zwei Milliarden im Jahr 2010 auf 1,6 Milliarden im Jahr 2015 gesunken“, sagt die WHO.

Krankheiten effektiv bekämpfen

Die WHO nennt die Krankheiten und die bislang erreichten Erfolge im Einzelnen: So haben im vergangenen Jahr acht Länder die lymphatische Filariose (LF), die auf eine Infektion mit parasitischen Fadenwürmern zurückgeht, eliminiert – zehn weitere Länder warten auf die Ergebnisse der Überwachung, um die Ausrottung der Krankheit zu bestätigen. Bei der afrikanischen Trypanosomiasis, auch bekannt als Schlafkrankheit, gab es im Jahr 2015 mit 3.000 die geringste Zahl berichteter Fälle: Das entspricht einer Abnahme um 89 Prozent seit 2000. Bei der Infektionskrankheit viszerale Leishmaniose (VL) gab es in Indien, Nepal und Bangladesch seit 2008 einen Rückgang um 82 Prozent. Die Dracontiasis – Medinawurmerkrankung – steht laut WHO kurz vor der Ausrottung: Im Jahr 1986 gab es schätzungsweise noch 3,5 Millionen Fälle weltweit, 2016 konnte diese Zahl auf nur noch 25 Fälle in drei Ländern reduziert werden – das waren Tschad, Äthiopien und Südsudan.

Spendenbereitschaft ist groß

Die Spendenbereitschaft, um NTDs in den Griff zu bekommen, scheint indes hoch. So sagte die Bill & Melinda Gates Stiftung für die nächsten vier Jahre 335 Millionen US-Dollar zu, um verschiedene NTD-Programme zu unterstützen. Diese Initiativen kümmern sich um die Entwicklung und Versorgung mit Arzneimitteln oder die Überwachung der Krankheiten. Weiterhin versprach die belgische Regierung eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 27 Millionen US-Dollar. Diese Summe soll über die nächsten neun Jahre verteilt für die Ausrottung der Schlafkrankheit in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) verwendet werden. Weiterhin will die Firma Vestergaard eine erhebliche Anzahl mit Insektiziden behandelte Fliegenfallen spenden. Zugpferd für diese Spendenbereitschaft ist die britische Regierung, die sich verpflichtet hat, fast 450 Millionen US-Dollar über die nächsten fünf Jahre für die Kontrolle und Bekämpfung von NTDs zu spenden.

Die Spenden von zehn Pharma-Unternehmen werden in den Jahren 2012 bis 2020 auf einen Betrag von etwa 19 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Unternehmen spenden aber nicht nur Medikamente, sondern arbeiten auch mit Forschungsinstituten zusammen, um neue Wege zu entwickeln, NTDs zu verhindern, zu diagnostizieren und zu behandeln.

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