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Was Sie über Malaria wissen sollten

Die gute Nachricht: Die Zahl der Malaria-Erkrankungen ist seit dem Jahr 2000 weltweit um mehr als ein Drittel gesunken. Doch Klimawandel, politische Krisen und Resistenzen gegen die verfügbaren Medikamente gefährden den Erfolg der globalen Malariabekämpfung.

„In den vergangenen Jahren ist es gelungen, Malaria in vielen Regionen der Erde stark zurückzudrängen“, sagt Prof. Dr. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, einem unabhängigen Fachinstitut, das zur Thieme Verlagsgruppe gehört. „Einige Regionen Afrikas, wie die Insel Sansibar, aber auch viele Regionen Asiens, sind inzwischen weitgehend malariafrei.“ Der am stärksten betroffene Teil der Erde ist heute die Sub-Sahara Region Afrikas, wo 2015 rund 90 Prozent aller Malaria-Fälle auftraten. Weltweit erkrankten nach Schätzungen der WHO 2015 immer noch rund mehr als 210 Millionen Menschen an Malaria, ca. 430.000 starben an der Infektion.

Malaria kann – je nach Erregertyp – einen unterschiedlich schweren Verlauf nehmen. In der Regel kommt es zehn bis 15 Tage nach der Infektion durch eine Anopheles-Mücke zu Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Die Betroffenen klagen über Kopf- und Gliederschmerzen, manchmal auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Die Beschwerden erinnern oft an eine Grippe oder einen harmlosen grippalen Infekt – werden deshalb leicht fehlgedeutet. Ohne rechtzeitige Therapie kann die Erkrankung zu Organschäden führen oder sogar tödlich enden. Sind Schwangere infiziert, ist auch das ungeborene Kind in Gefahr. Tritt nach einem Aufenthalt in einem Malaria-Risikogebiet Fieber auf, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Malaria: Erfolgreiche Zurückdrängung gefährdet

Große Bekämpfungsprogramme, die vom Globalen Fonds gegen HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria unterstützt werden, haben zu einer Verringerung der Malariaverbreitung geführt. Je früher Malaria erkannt wird, desto erfolgreicher kann sie behandelt werden. Mittel der Wahl sind Kombinationspräparate mit dem Wirkstoff Artemisinin, die in der Regel innerhalb weniger Tage zum Abklingen der Krankheit führen. Wichtig ist, die Medikamente in endemischen Ländern nur von sicheren Abgabestellen zu kaufen, um die Gefahr, gefälschte oder minderwertige Arzneimittel zu erwerben, zu vermindern.

Prof. Dr. Tomas JelinekWährend zahlreiche Institutionen wie die WHO sowie private Initiativen erfolgreich gegen Malaria vorgehen, wirken verschiedene Entwicklungen in die entgegengesetzte Richtung: „So sorgt der Klimawandel dafür, dass Malaria zunehmend in höhere Regionen ‚wandert‘ und inzwischen beispielsweise am Fuß des Kilimandscharo auftritt“, erklärt Jelinek. Auch der internationale Reiseverkehr und Migrationsströme führen dazu, dass es in neuen Regionen zu Infektionsherden kommt. In politisch instabilen Ländern gefährden Kriege und überforderte Gesundheitssysteme die Zurückdrängung der Krankheit. „Große Sorgen bereitet außerdem die zunehmende Verbreitung von Resistenzen gegen die derzeit eingesetzten Anti-Malaria-Mittel“, so Jelinek. Das betrifft auch das wichtigste Therapiemittel Artemisinin und davon abgeleitete Wirkstoffe. In Südostasien, vor allem in Kambodscha und Thailand, seien Resistenzen gegen Artemisinin bereits so verbreitet, dass es zunehmend schwieriger wird, Malaria zu behandeln. Reisende sollten im Zuge einer sorgfältigen Beratung deshalb unbedingt abklären, welche Resistenzen lokal vorherrschen und welche Mittel eingesetzt werden können, rät der Fachmann.

Neue Medikamente werden entwickelt

Gegenwärtig arbeiten Pharma-Unternehmen intensiv an der Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe, eine ganze Reihe an neuen Wirkstoffen befindet sich in der Testphase. Einen kleinen Teil der entsprechenden Projekte betreiben die Firmen im Alleingang, die meisten hingegen im Rahmen von Produktentwicklungspartnerschaften (Product Development Partnerships, PDPs) – also im Verbund mit Partnern wie Stiftungen, Forschungseinrichtungen, regierungsnahen und anderen Organisationen und anderen Unternehmen. Beispiele für große PDPs sind das Medicines for Malaria Venture (MMV) und die PATH – Malaria Vaccine Initiative (PATH-MVI). Im Rahmen der PDPs wird der finanzielle Aufwand für die Entwicklung auf mehrere Partner verteilt; im Gegenzug müssen sich beteiligte Unternehmen verpflichten, jedes aus der gemeinsamen Arbeit hervorgehende Medikament an betroffene ärmere Länder später zu Sonderkonditionen zu liefern. Bis die neuen Medikamente verfügbar sind, werden allerdings noch einige Jahre vergehen.

Vor Mückenstichen schützen

Aufgrund der zunehmenden Resistenzen wird eine sorgfältige Expositionsprophylaxe, also der Schutz vor Mückenstichen, immer bedeutsamer. In vielen Regionen ist die Verwendung von Moskitonetzen, das Auftragen von Repellentien auf die Haut und das Tragen langer Kleidung zum Schutz vor einer Infektion ausreichend. Ob zusätzlich eine Chemoprophylaxe, also die vorsorgliche Dauer-Einnahme von Medikamenten oder die Mitnahme von Mitteln zur notfallmäßigen Selbstbehandlung erforderlich sind, sollte ein Reisemediziner entscheiden, auch weil dabei Nebenwirkungen auftreten können. „Die auch im Internet veröffentlichten Malaria-Verbreitungskarten bieten dabei nur eine erste Orientierungshilfe“, so Jelinek. Entscheidend seien viele andere Faktoren, etwa ob der Reisende an Grundkrankheiten leide und wie lange und auf welche Art er unterwegs sei. „Gefährdet ist beispielsweise, wer als Rucksacktourist viel herumreist oder sich abends und nachts oft im Freien aufhält“, sagt der Infektiologe. „Auch lange Aufenthalte und Berufsreisen sowie Reisen in der Regenzeit gehen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher.“

Fieber immer abklären lassen

Untersuchung auf Malaria in AfrikaJedes unklare Fieber, das bei Reisen in die Tropen und Subtropen auftritt, sollte möglichst noch vor Ort durch einen Arzt abgeklärt werden. „Malariamittel zur Selbstbehandlung sollten nur im Notfall eingenommen werden, wenn vor Ort kein Arzt erreichbar ist“, klärt Jelinek auf. In den betroffenen Ländern sollten jedoch keinesfalls Malariamedikamente aus unkontrollierten Quellen gekauft werden, weil diese häufig gefälscht sind.

Oft erkrankten Betroffene jedoch erst nach ihrer Rückkehr. Symptome können ab dem sechsten Tag nach dem Mückenstich auftreten. „Nicht selten äußert sich eine Malaria sogar erst Wochen oder Monate nach der Rückkehr“, sagt Jelinek „Viele Betroffene denken dann zunächst an einen grippalen Infekt. Wer aber einen Aufenthalt in den Tropen oder Subtropen hinter sich hat, sollte bei Fieber immer auch an die Möglichkeit einer Malaria denken und einen Arzt aufsuchen, auch wenn die Reise schon länger her ist.“

In Deutschland wurden in den letzten Jahren jährlich zwischen 500 und 600 Malaria-Erkrankungen erfasst. 2014 und 2015 waren es – laut Centrum für Reisemedizin vermutlich bedingt durch Erkrankungen von Asylsuchenden aus Malariaregionen – jeweils mehr als 1.000 Fälle.

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