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13. März 2019

Krebs-Früherkennung: Zu wenig Aufklärung

 
Versicherte wissen zu wenig über Nutzen und Nachteile verschiedener Krebs-Früherkennungsverfahren. Das belegt eine Befragung für den „Versorgungs-Report Früherkennung“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Nur etwa 55 Prozent der befragten Frauen wurden nach eigenen Angaben über die Vorteile dieser Früherkennung informiert. (© iStock/monkeybusinessimages)
„Menschen haben einen Anspruch darauf, über Nutzen und Schaden der Früherkennung informiert zu werden“, fordert der Mitherausgeber des Reports Prof. Norbert Schmacke (Bremer Institut für Public Health und Pflegeforschung). Die Befragungsergebnisse würden zeigen, dass die Voraussetzungen für eine informierte Entscheidung der Versicherten oft fehlen. Dabei habe der Nationale Krebsplan schon 2010 das Ziel formuliert, die Versicherten zu einer Entscheidung unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile zu befähigen. „Ärzte dürfen Fragen oder Bedenken ihrer Patienten, zum Beispiel zu möglichen Fehlalarmen durch falsche Befunde, nicht einfach wegwischen“, erklärt Schmacke. Er betont, dass bei Früherkennungs-Untersuchungen kein unmittelbarer Zeitdruck bestehe: „Ratsuchende sollten sich Zeit lassen und in Ruhe entscheiden, wenn sie sich unsicher sind, ob ihnen eine Untersuchung nutzt."

Schmacke lobt IQWiG-Entscheidungshilfe Mammografie

Beispiel Gebärmutterhalskrebs: Nur etwa 55 Prozent der Frauen wurden nach eigenen Angaben über die Vorteile dieser Früherkennung informiert. Noch geringer war mit 25 Prozent der Anteil der Frauen, die Informationen über mögliche Nachteile der Untersuchung wie falsch positive Befunde erhielten. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Darmkrebs-Vorsorge: Die Information über die Nachteile der Darmspiegelung erfolgt wesentlich seltener als die Aufklärung über den Nutzen der Untersuchung. Nur bei der Brustkrebs-Früherkennung war das Verhältnis ausgewogen: Jeweils etwa die Hälfte der teilnehmenden Frauen berichtete, dass sie über Nutzen beziehungsweise Nachteile aufgeklärt worden seien. Hier lobt Schmacke die Entscheidungshilfe des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) für die Mammografie, die das Pro und Contra aufgearbeitet habe.

Darmkrebs-Vorsorge: 78 Prozent nahmen teil

Neben Defiziten bei der Aufklärung zeigt der Report auch, wie viele AOK-Versicherte die Früherkennungs-Untersuchungen wirklich regelmäßig nutzen. So nahmen 78 Prozent der Versicherten über 60 zwischen 2007 und 2016 entweder den Stuhltest, die Darmspiegelung (Koloskopie) oder die Beratung zur Darmkrebs-Früherkennung in Anspruch. „Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass jeder Fünfte ältere Anspruchsberechtigte im Zeitraum von zehn Jahren überhaupt nicht vom Darmkrebs-Screening erreicht wurde", sagt Christian Günster, Leiter des Bereichs Qualitäts- und Versorgungsforschung beim WIdO. An der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs beteiligten sich im gleichen Zeitraum 85 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen zwischen 30 und 49 Jahren regelmäßig. Bei der Brustkrebs-Früherkennung per Mammografie belegt die Auswertung, dass 22 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen von 60 bis 69 Jahren zwischen 2007 und 2016 gar nicht an der Mammografie teilnahmen.

Beschwerdefreiheit als Ablehnungsgrund

„Die Versichertenbefragung zeigt, dass dies oft mit grundsätzlicher Ablehnung zu tun hat – öfter als bei den anderen betrachteten Untersuchungen", erläutert Günster. Im Falle der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs und der Darmkrebs-Vorsorge nennen die Befragten sehr viel häufiger die Beschwerdefreiheit als Begründung für die Nicht-Teilnahme. Versicherte informieren sich vor allem per Internet über das Thema Früherkennung, zeigt der Bericht weiter. Dies geben 51 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer an. Eine fast ebenso große Rolle spielt der Hausarzt: 40 Prozent der befragten Frauen und 50 Prozent der Männer nennen ihn als Informationsquelle.

Die Entscheidungshilfe des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) für die Mammografie finden Sie hier: https://www.iqwig.de/de/presse/pressemitteilungen/2016/entscheidungshilfe-mammografie-screening-iqwig-legt-finale-fassung-vor.7638.html
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