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5. Juli 2018

Krebshilfe: Förderung vom Familienhaus bis zu Forschungszentren

 
Egal ob Millionen-Hauptstadt oder tiefste Provinz: 2017 hat die Stiftung Deutsche Krebshilfe zahlreiche Projekte und Initiativen unterstützt. Auch 2018 gibt es viel zu tun. Und das ist bei ca. 500.000 Krebsneuerkrankungen pro Jahr bitter nötig. Deswegen spielt für die Organisation die Prävention eine große Rolle.

Gerd Nettekoven (© pag/Fiolka)
Der Schock sitzt tief. Die Tochter oder der Sohn kann vielleicht noch gar nicht richtig begreifen, was die Diagnose Krebs für sie oder ihn bedeutet. Doch für die Eltern und Angehörigen ändert sich das Leben von einem Moment auf den anderen. Trotz guter Heilungschancen ist der Weg zurück in den Alltag nicht immer einfach. „Vereine wie die Elterninitiative für krebskranke Kinder in Jena leisten hier Beistand. Ihre Mitarbeiter nehmen Anteil an den Nöten und Ängsten der betroffenen Familien und stehen ihnen auch mit fachlichem Rat zur Seite. Die direkte und fußläufige Nähe zur Jenaer Universitätskinderklinik ist ein wichtiges Fundament dieses Angebots“, weiß Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Krebshilfe, die 2017 erneut viele Projekte und Vereine unterstützt hat. Die Engagierten aus Jena gehören dazu. Den Neubau des Familienhauses hat die Krebshilfe mit 250.000 Euro unterstützt, wie Nettekoven mitteilt.

Kampf gegen Lungenkrebs

Es handelt sich dabei um nur eins von insgesamt 136 Projekten in ganz Deutschland, die im vergangenen Jahr gefördert wurden. Egal, ob in Metropolen wie der Millionen-Hauptstadt Berlin oder in ländlichen Gebieten wie im niedersächsischen Barnstorf. Der Vorstandsvorsitzende geht auf ein weiteres, bundesweites Projekt ein: das Nationale Netzwerk Genomische Medizin Lungenkrebs, das mit einem Geldsegen von 2,9 Millionen Euro bedacht wurde. „Über dieses bundesweite Netzwerk sollen in Deutschland künftig möglichst alle Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs Zugang zu modernster Diagnostik und innovativen Therapien erhalten“, kündigt Nettekoven an. „Kernstrukturen dieses Netzwerks sind 15 universitäre Krebszentren, darunter alle 14 von uns geförderten Onkologischen Spitzenzentren.“ Auf der Internetseite des Netzwerkes www.ngm-cancer.com finden Interessierte Ansprechpartner in ihrer Region sowie weitere Informationen.

Prävention ist ein Muss

Fritz Pleitgen (© pag/Maybaum)
Der Krebshilfe liegt auch die Prävention am Herzen. Rauchen, Alkohol, schlechtes Essen, keine Bewegung – viel zu große Probleme in Deutschland, wie Dr. Fritz Pleitgen, seit acht Jahren Präsident der Stiftung, findet. „Experten schätzen, dass in Deutschland rund die Hälfte aller Krebserkrankungen auf Lebensstilfaktoren zurückzuführen sind“, teilt die Organisation mit. Dagegen müsse etwas unternommen werden. Pleitgen: „Wir sollten das ändern, um unsere Gesundheit zu stärken und um unser Gesundheitssystem auf lange Zeit von vermeidbaren Kosten zu entlasten.“ Er plädiert deswegen, „für eine in unserem Land breit angelegte Präventionsoffensive. Diese muss von der Kita über Schule, Betriebe und Sportvereine das Leben umspannen“. Alle gesellschaftlichen Akteure seien gefragt – von der Politik über die Krankenkassen bis hin zu Ärzten, Arbeitgebern, Lehrkräften und Erziehern. „Denn Prävention ist nach unserem Dafürhalten keine Privatsache, die nur den Einzelnen in die Pflicht nimmt, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Leuchtturmprojekte für die Zukunft

Eine große Menge Geld der Krebshilfe fließt künftig in die Forschung. So werden fünf Uni-Kliniken in Deutschland für fünf Jahre mit 50 Millionen Euro gefördert. In Dresden, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln/Bonn und Würzburg sollen sogenannte Mildred-Scheel-Nachwuchszentren – benannt nach der Gründerin der Stiftung – entstehen. Prof. Anja Katrin Boßerhoff, Vorsitzende des Fachausschusses medizinische/wissenschaftliche Nachwuchsförderung bei der Krebshilfe, schwärmt bereits jetzt von diesen „Leuchtturm“-Projekten.

Prof. Carsten Bokemeyer (© pag/Fiolka)
Einen Vorgeschmack, was beispielsweise in der Hansestadt passieren soll, kann Prof. Carsten Bokemeyer, Direktor am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, jetzt schon verraten: „Wir wollen Partnerlabore zwischen Wissenschaftlern und klinisch tätigen Ärzten einrichten.“ Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der translationalen Onkologie. „Dieser Begriff bezeichnet die Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und ihrer praktischen Anwendung. Das bedeutet: Die im Labor gewonnenen Erkenntnisse sollen rasch den Patienten in Form verbesserter Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zugutekommen“, informiert die Krebshilfe.

Mit ihren Nachwuchszentren will die Stiftung besonders die jungen Krebsforscher fördern. „Wir haben hierzulande einen eklatanten Mangel an jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern“, stellt Boßerhoff fest. „Die Hauptleidtragenden einer solchen Entwicklung werden die Patienten sein – denn eine Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung ist unter diesen Bedingungen nur schwer möglich.“

Nationaler Krebsplan: Eine gute Grundlage

Die Deutsche Krebshilfe ist Mitinitiator des Nationalen Krebsplans, der vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde und als eine Art freiwilliges Kooperations- und Koordinierungsprogramm zu verstehen ist. Gerd Nettekoven zieht eine positive Zwischenbilanz. „Es ist eine ganz wichtige Plattform. Am Anfang waren alle etwas skeptisch, aber es ist sehr viel umgesetzt worden.“ Als Beispiel nennt er die Patientenorientierung, die erheblich nach vorne gebracht worden sei. Und die Onkologischen Spitzenzentren seien mittlerweile ein festes Strukturmodell in der Versorgung. Gleichwohl: „Es fehlt noch eine ausreichende Finanzierung in den Zentren“, räumt er ein.

Mit dem Geschäftsjahr 2017 zeigt sich die Organisation sehr zufrieden. Insgesamt verbucht sie nach eigenen Angaben Einnahmen von 122,4 Millionen Euro. Alles aus Spenden und freiwilligen Zuwendungen. Nettekoven: „Das Vertrauen der Bevölkerung in unsere Arbeit ist weiterhin groß und ungebrochen.“
Und so können auch in Zukunft Initiativen und Projekte – ähnlich wie das Familienhaus in Jena – unterstützt werden.

Stiftung Deutsche Krebshilfe
Auszug aus der Mittelverwendung 2017 für Projekte/Information und Aufklärung (in Millionen Euro):
  • Klinische/wissenschaftliche Strukturmaßnahmen: 26,6
  • Forschungsförderung (einschließlich Versorgungsforschung): 25,3
  • Kinderkrebsprojekte: 7,9
  • Krebsnachsorge/Psychosoziale Maßnahmen: 6,1
  • Präventionsmaßnahmen: 5,2
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: BKK-Selbsthilfetag 2018 am 27.09.2018 in Düsseldorf
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Digitorial

Literaturtipps
Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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