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Neue Initiativen im Kampf gegen den Krebs

In den nächsten Jahrzehnten wird es laut Deutschem Krebsforschungszentrum eine erhebliche Zunahme an Krebserkrankungen geben. Vor einem Jahr startete deshalb die Nationale Dekade gegen Krebs auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Eine Zwischenbilanz.

Bundesforschungsministerin Antja Karliczek.Schon in den ersten zwölf Monaten der Dekade sei es gelungen, wichtige Maßnahmen auf den Weg zu bringen, sagt Bundesforschungsministerin Antja Karliczek. Unter anderem werden mit bis zu 62 Millionen Euro Vergleichs- und Optimierungsstudien Studien gefördert, die Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen verbessern sollen. Die Nationale Dekade gegen Krebs unterstützt derzeit 13 Projekte: Dabei geht es unter anderem um die Erforschung krebsbedingter Erschöpfung, optimierte Früherkennung bei Brustkrebs oder individuell angepasste Bestrahlung bei Prostatakrebs.

NCT soll erweitert werden

„Insbesondere die zentrale Einbindung von Patienten zeichnet die Nationale Dekade gegen Krebs aus, auch im internationalen Umfeld“, sagt Karliczek. Die Dekade sei einzigartig auf dem Feld der Krebsforschung in Deutschland und weltweit: „Zum ersten Mal werden zentrale Akteure aus Krebsforschung, Gesundheitswesen, Forschungsförderung, Wirtschaft und Gesellschaft in einem Bündnis vereint.“ Neu ist, dass das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) um vier neue Standorte erweitert werden soll. Die Ausschreibung läuft derzeit und im Sommer wird der Auswahlprozess stattfinden. Weiterhin wurde unter dem Motto „Jeder ist Xperte“ ein großer Online-Dialog durchgeführt: Rund 3.000 Bürger, Ärzte, Forscher und Interessierte haben ihre Meinungen und Anregungen zum Thema Krebsforschung mitgeteilt. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet und fließen in die Arbeit der Dekade ein. In Zukunft sollen die Aktivitäten der Nationalen Dekade gegen Krebs auf europäischer Ebene ausgedehnt werden. Karliczek resümiert: „Innovation ist eine Frage von fortschrittlicher Medizin.“

Todesfälle durch Prävention verhindern

Prof. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).In den nächsten zehn Jahren werde es in Deutschland eine Zunahme von 500.000 auf 600.000 jährliche Krebs-Neuerkrankungen geben, sagt Prof. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Gründe seien eine immer älter werdende Gesellschaft und Lebensstilfaktoren. Nach heutigem Wissensstand könnten 40 Prozent der Todesfälle durch Krebs mittels Prävention verhindert werden, bei optimierter Früherkennung zukünftig sogar bis zu 70 Prozent. Durch Forschung wolle man mehr herausfinden über die biologische Variation von Tumoren oder Gründe von Metastasierung. Baumann ist überzeugt davon, dass die neuen NCT-Standorte es nachhaltig ermöglichen, „deutlich mehr Ergebnisse aus der Krebsforschung schnell und sicher in die klinische Entwicklung zu bringen“. Darüber hinaus bekomme die Krebsprävention „endlich den Stellenwert in der Forschung, der notwendig ist, um langfristig die Zahl an Neuerkrankungen zu senken.“ Man müsse sich darauf einstellen, Daten im Sinne der Patienten auszutauschen – datenschutzkonform.

Gut vernetzte Kooperationen

Prof. Michael Hallek, Mitglied des Beirats der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO).Um gezieltere Therapien zu entwickeln, brauche es eine neue Generation von Wissenschaftlern und Ärzten, ist sich Prof. Michael Hallek, Mitglied des Beirats der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), sicher. „Nur durch Vernetzung erzielt man Fortschritt. Wissen ist so komplex geworden“, erklärt er. „Die Patienten sollen möglichst rasch von den medizinischen Innovationen profitieren können. Dies kann gelingen, wenn alle gut vernetzt miteinander kooperieren, die Hausärzte, die niedergelassenen Onkologen, das wohnortnahe Krankenhaus und die Universitätsmedizin“, sagt Hallek. Ziel sei die Etablierung einer wohnortnahen, Wissen-generierenden Versorgung von Krebspatienten. Doch was kann der Einzelne tun, um sich zu schützen? Nicht rauchen, gesund essen, kein Übergewicht haben und wenig Alkohol trinken, sind sich die Wissenschaftler einig.