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Bedürfnisse von Demenzkranken in der Klinik besser berücksichtigen

Immer mehr Patienten im Krankenhaus haben neben ihrer akuten Erkrankung auch die Nebendiagnose Demenz. Ihre Versorgung stellt die Mitarbeiter in den Häusern vor neue Herausforderungen, denn der Klinikalltag ist nicht auf Menschen mit Demenz eingestellt. Einige Krankenhäuser möchten diese Situation jetzt verändern.

Cornelia Prüfer-Storcks, Gesundheitssenatorin von HamburgZu ihnen gehören das Albertinen-Krankenhaus und das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf in Hamburg. Sie zählen bundesweit zu den ersten fünf Kliniken, die im Rahmen des Programms „Menschen mit Demenz im Akut-Krankenhaus“ von der Robert Bosch Stiftung gefördert wurden. „In Hamburg werden jährlich mehr als 200.000 über 65-Jährige im Krankenhaus behandelt. Fast 20 Prozent leiden an einer Demenz oder anderen kognitiven Einschränkungen“, erklärt Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Die Krankenhäuser im Norden haben der Senatorin zufolge in der Versorgung von Menschen mit demenziellen Erkrankungen schon sehr viel erreicht, etwa mit einer Demenzdiagnostik bei der Aufnahme oder durch die Behandlung in spezialisierten Abteilungen. Mit den Projekten könne die Versorgung der Betroffenen und ihrer Angehörigen noch besser werden. „Ich freue mich, dass Hamburg und seine Krankenhäuser mit gutem Beispiel vorangehen und hoffe, dass diese Projekte über unsere Stadtgrenzen hinaus Nachahmer finden“, sagt Prüfer-Storcks.

Demenz: Kliniken stehen vor besonderen Herausforderungen

Die Robert Bosch Stiftung fördert seit 2012 Vorhaben, die gezielt auf die Bedürfnisse dieser Patientengruppe eingehen, um ihre Versorgung in Akutkrankenhäusern zu verbessern, erklärt Dr. Bernadette Klapper, Bereichsleiterin Gesundheit bei der Robert Bosch Stiftung. Das sei in den geförderten Krankenhäusern gut gelungen: Die Bedürfnisse der Demenz-Patienten und auch ihrer Angehörigen würden besser berücksichtigt – das mache einen Krankenhausaufenthalt für sie sicherer und trage zum Erfolg der Behandlung bei, so Klapper.

„Patienten mit Demenz sind eine Aufgabe für alle Fachbereiche der Erwachsenenmedizin. Durch eigens entwickelte Schulungen für alle Berufsgruppen in der Klinik konnten wir wertvolles Wissen vermitteln und unsere Abläufe den Bedürfnissen dieser Patienten anpassen. Das Ergebnis sind zufriedenere Patienten, Angehörige und auch Mitarbeitende“, erklärt Dr. Georg Poppele, Leiter des Projekts im Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf.

„Starke Angehörige, starke Patienten“

Immer mehr Kliniken berücksichtigen für ihren Krankenhausalltag, dass die steigende Zahl von Demenzkranken eine leichter zu bewältigende Herausforderung für die Mitarbeiter wird.Das Albertinen-Krankenhaus beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit besonderen Behandlungskonzepten für Patienten mit demenziellen Erkrankungen. So bestehe schon seit den 1990er Jahren eine Memory-Clinic zur Demenzdiagnostik. 2009 wurde eine spezielle Station für „Kognitive Geriatrie“ in Betrieb genommen und im Jahr 2011 wurden im Rahmen des Projekts „Demenzsensibles Albertinen-Krankenhaus“ etwa hauptsächlich in der Pflege tätige Mitarbeiter im Umgang mit Betroffenen geschult, Räumlichkeiten neu gestaltet sowie die räumliche Orientierung in stark frequentierten Bereichen verbessert.

„Mit dem Projekt ‚Starke Angehörige, starke Patienten!‘ hat das Albertinen-Krankenhaus nun die An- und Zugehörigen von demenzerkrankten Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Denn diese sind in erheblichem Maße ‚Mit-Betroffene’, sie sind verunsichert und häufig in extremem Maße körperlich und psychisch belastet. Darüber hinaus werden sie nicht selten im Krankenhaus erstmalig mit der Diagnose Demenz ihres Angehörigen konfrontiert“, erklärt Karin Schroeder-Hartwig, ehemalige stellvertretende Pflegedirektorin und Projektleiterin.

Förderung von Akutkrankenhäusern

Die Robert Bosch Stiftung unterstützt Kliniken bei der Entwicklung und Umsetzung von Konzepten, die gezielt auf die Bedürfnisse von Patienten mit Demenz im Akutkrankenhaus eingehen. Im Rahmen der Ausschreibungen des Programms „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“ seit 2012 wurden 17 Projekte in die Förderung aufgenommen (Stand Juni 2017). Weitere Informationen und eine Übersicht über die geförderten Projekte sind hier abrufbar: http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/37166.asp

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