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1. Februar 2018

Patienten trainieren Ärzte

 
Medizinstudierende und angehende Ärzte lernen von Rheumapatienten – das ist die Idee des Patient-Partners-Programms, das die Deutsche Rheuma-Liga zusammen mit der Firma Pfizer im Jahr 2007 gestartet hat und seitdem erfolgreich durchführt.

(© fotolia / wildworx)
Geschulte Patienten stellen nicht nur ihre Hände zum Abtasten zur Verfügung, sie zeigen Ärzten und Medizinstudierenden auch, wie man eine rheumatische Hand richtig untersucht, worauf der Arzt zu achten hat und was er über einen Betroffenen und dessen Leben mit Rheuma wissen sollte. In Kleingruppen von rund fünf Ärzten übernehmen die geschulten Patienten die Rolle eines Trainers. Sie schildern ihre persönliche Geschichte mit der rheumatischen Erkrankung: Wie die Krankheit ausgebrochen ist, wie sie bisher behandelt wurden, welche Medikamente sie einnehmen und welchen Einschränkungen sie unterworfen sind. Danach fordern sie die Ärzte in einem Rollenspiel auf, sie zu untersuchen und eine Anamnese zu stellen. Sie geben den Teilnehmern Rückmeldungen, was gut gemacht wurde, was verbessert werden könnte und welche Fragen zum Beispiel noch wichtig wären. Für die Nachwuchsmediziner ist das eine Gelegenheit, im kleinen persönlichen Rahmen das Abtasten auszuprobieren und einem Betroffenen Fragen zu stellen, die man als Arzt dem eigenen Patienten vielleicht nicht stellen würde. Im Jahr 2008 wurde das Programm auf die Diagnose „Morbus Bechterew“ erweitert.

Unis bieten Workshops an

Nach einem Pilotprojekt an der Universität Düsseldorf nehmen inzwischen Medizinstudierende der Charité in Berlin und an den Universitäten in Heidelberg, Münster und Köln an einem Workshop mit den Patient Partners teil. Insgesamt sind rund 130 Patienten in Deutschland geschult und im Einsatz. Für die Betroffenen bietet sich die Chance, mit ihrer Erkrankung und ihren persönlichen Fähigkeiten eine positive Rolle zu übernehmen und die rheumatologische Versorgung zu verbessern. Einmal jährlich kommen sie zu Fortbildungstagen zusammen und können dort – betreut von einer Psychologin – ihre Erfahrungen austauschen. Fachvorträge unterstützen die Patient Partners dabei, auf dem neuesten Stand der medizinischen Entwicklung zu bleiben.

Ansatz hat sich als „richtiger Weg“ bestätigt

Die Firma Pfizer fördert das Programm von Beginn an. „Mit der Einbindung der Patient Partners als eigenständige Referenten in die Fortbildung von Hausärzten hat Pfizer 2006 Neuland betreten“, sagt Peter Albiez, Deutschland-Chef von Pfizer. „Wir konnten nicht sicher sein, dass das Konzept von den Ärzten wirklich angenommen werden würde.“ Aber sie wären davon überzeugt gewesen, dass Patienten als Experten aus eigener Betroffenheit viele neue Aspekte und Blickweisen auf die Erkrankung einbringen könnten. Nach jahrelanger Erfahrung und Evaluation der Workshops sehen die Experten bei Pfizer diesen neuen Ansatz in der ärztlichen Fortbildung als richtigen Weg bestätigt.

Wer mehr wissen möchte:

Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Termine für alle – die Wirkmöglichkeiten des TSVG", am 31.01.2019 in Berlin
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Digitorial

Literaturtipps
Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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