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Diabetes: Sporttraining bald auf Rezept?

Berlin (pag) – Die Zahl der diabetesassoziierten Sterbefälle ist in Deutschland höher als bisher angenommen, heißt es auf dem fünften Zukunftstag Diabetologie. Dort gibt sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt kämpferisch: Bei der Nationalen Diabetesstrategie will er den Druck aufrecht erhalten.

CDU-Bundestagsabgeordneter Dietrich Monstadt

Die nationale Diabetesstrategie sei „noch nicht tot“, betont Monstadt. „Ich gebe so ohne weiteres nicht auf. Ohne ernährungspolitische Ansätze sollte eine nationale Diabetesstrategie nicht abgeschlossen werden“, sagt er. Er sei zuversichtlich, dass diese vor der Sommerpause abgeschlossen werden könne und wolle sicherstellen, „dass der Druck aufrecht erhalten bleibt“. Die Abschaffung von verstecktem Zucker in Fertigprodukten und eine Zuckersteuer sind ihm ein zentrales Anliegen. Zudem müsse es ein nationales Gesundheitsziel sein, Bewegungsmangel zu reduzieren. Der Politiker schlägt „Sport oder Muskeltraining auf Rezept“ vor. Weiterhin fordert er, dass Telemedizin in der Diabetes-Versorgung ausgebaut und Prävention stärker in den Fokus gerückt wird. „Das Bohren dicker Bretter erfordert viel Kraft und Ausdauer. Wir kommen ohne regulatorischen Rahmen nicht weiter“, sagt er. Ein weiteres Anliegen sind ihm mehr stationäre Einrichtungen in der diabetologischen Versorgungslandschaft. Darüber hinaus sieht er die „Diabetesbekämpfung“ als ressortübergreifende Aufgabe an.

Diabetesassoziierte Sterbefälle höher als bisher angenommen

Der Diabetologe Dr. Michael Jecht.
Der Diabetologe Dr. Michael Jecht kritisiert, dass es bisher noch kein zuverlässiges Diabetes-Register gebe: „Die DDG und das Robert Koch-Institut bauen es auf, aber noch haben wir diese Daten nicht.“ Aktuell haben in Deutschland etwa 6,9 Millionen Menschen Typ-2-Diabetes und 32.000 Kinder- und Jugendliche sowie 340.000 Erwachsene einen Typ-1-Diabetes. Die Zahl der diabetesassoziierten Sterbefälle in Deutschland sei höher als bisher angenommen. Im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes verursachen Menschen mit Diabetes etwa doppelt so hohe Gesundheitskosten. Jeder zehnte Euro der deutschen Gesundheitsausgaben werde für direkte medizinische Kosten des Typ-2-Diabetes verwendet. In Deutschland liegt das mittlere Alter bei der Typ-2-Diabetes-Diagnose derzeit bei 61 Jahren bei Männern und 63 Jahren bei Frauen. Im Osten Deutschlands wird die Prävalenz aktuell auf 11,6 Prozent geschätzt und liegt deutlich über der Schätzung in Westdeutschland mit 8,9 Prozent.

Diabetes fordert alle Akteure heraus

„Die rasante Zunahme der Patienten mit Diabetes stellt eine enorme Herausforderung für das Gesundheitssystem dar“ und fordere alle Akteure heraus, erklärt Dr. Gerhard Klausmann, niedergelassener Diabetologe in Aschaffenburg. Zunehmender Ärztemangel in ländlichen Gebieten und ein Nachwuchsproblem verschärfe das Problem zusätzlich. Der Zukunftstag wird von der Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Diabetologen für Fort- und Weiterbildung in der Diabetologie und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) veranstaltet.