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Innovativer Druckmessstrumpf soll Diabetiker schützen

Mit dem SilverStar-Förderpreis würdigt die Berlin-Chemie AG praxisorientierte Projekte und Ideen, die speziell älteren Menschen mit Diabetes im Alltag helfen. Zuletzt prämiert wurde ein neuartiger Messstrumpf, der mit integrierten Sensoren Diabetiker vor zu hoher Druckbelastung am Fuß warnt.

Im Strumpf verarbeitete Sensoren warnen vor einer zu hohen Druckbelastung.Da Diabetiker oftmals ein geringeres Schmerzempfinden haben als Gesunde, spüren sie nicht, wenn ihre Schuhe zu eng sind oder sie ihre Füße zu stark belasten. Schon kleine unebene Stellen oder der Druck des Schuhs auf den Fuß können so unbemerkt zu Druckgeschwüren, offenen Wunden oder Schädigungen am Gewebe führen. Vielen Diabetes-Patienten müssen deshalb Zehen oder Füße amputiert werden.

Der Messstrumpf, den das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung (ISC) gemeinsam mit Industriepartnern und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) entwickelt hat, soll dies verhindern. 40 sehr dünne Sensoren messen die Druckbelastung am Fuß an medizinisch relevanten Stellen und übernehmen so die Funktion der Nerven. Die Sensoren bestehen aus einer stark dehnbaren, weichen Elastomerfolie aus Silikon. Steht der Patient beispielsweise längere Zeit auf einer Stelle, erhöht sich die Druckbelastung. Dies erkennen die Sensoren und schicken das Messsignal über leitfähige Fäden an ein Gerät, das die Daten auswertet. Das kann wiederum drahtlos mit einem Smartphone oder Tablet verbunden werden und die Daten speichern und an die Betroffenen oder an die behandelnden Ärzte übermitteln. Die Sensoren werden in die Textilien geklebt und schränken den Tragekomfort nicht ein. Zudem ist Silikon sehr gut hautverträglich und beständig gegen Wasch- und Desinfektionsmittel.

Weiterer Preis für interdisziplinäre stationäre Versorgung

Neben dem Druckmessstrumpf hat Berlin-Chemie 2017 eine weitere Initiative ausgezeichnet: Prämiert wurde auch Prof. Dr. Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ) in Düsseldorf, für sein interdisziplinäres Versorgungskonzept für Menschen mit Diabetes, die stationär behandelt werden müssen. Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus stellen für behandelnde Ärzte im Krankenhaus eine besondere Herausforderung dar. Um eine optimale Behandlung zu ermöglichen, ist eine ganzheitliche Versorgung notwendig, die den Patienten mit seiner gesamten Krankengeschichte im Blick hat.

SilverStar-Förderpreis 2017: v.l. Laudator Dr. Martin Lederle, Johannes Ziegler und Dr. Bernhard Brunner vom Fraunhofer ISC, Moderator Joe BauschDie Basis des Düsseldorfer Versorgungskonzepts bildet die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Verantwortlich für den Austausch und die Koordination aller beteiligten Behandlungspartner sind sogenannte Diabetesmanager: Eigens trainierte Krankenschwestern und -pfleger kümmern sich ausschließlich um stationär aufgenommene Diabetespatienten. Das Team steht in engem Austausch mit den behandelnden Stationsärzten, den Pflegekräften, aber auch mit Diabetologen und den zuständigen Hausärzten. „Dadurch können wir gewährleisten, dass einzelne Behandlungsschritte und Therapiemaßnahmen bestmöglich aufeinander abgestimmt sind und mögliche Komplikationen zum Beispiel durch eine Komedikation verhindert werden“, sagt Projektleiter Martin. Für einen reibungslosen Ablauf und ein unkompliziertes Zusammenarbeiten aller Akteure wurde ein telediabetologisches System (TeDia) in das Versorgungskonzept integriert. TeDia ist eine Art elektronische Fallakte, die für jeden Patienten mit bereits erkanntem oder vermutetem Diabetes angelegt wird.


Weitere Informationen:

  • Weitere Informationen zum Preis und den Preisträgern der letzten Jahre gibt es unter: www.silverstar-preis.de
  • Wie der Druckmessstrumpf funktioniert, wird auch in einem YouTube-Video erklärt: https://youtu.be/FNkWb4wuvmw

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