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14. November 2018

Nationale Diabetes-Strategie: Fokus auf Früherkennung

 
Bei immer mehr Menschen in Deutschland wird die Zuckerkrankheit diagnostiziert: Binnen fünf Jahren ist die Anzahl der Betroffenen um 600.000 gestiegen, teilt die Krankenkasse Barmer in ihrem Diabetes-Atlas zum Weltzuckertag am 14. November mit. Um eine Epidemie zu verhindern, hat Schwarz-Rot im Koalitionsvertrag eine Nationale Diabetes-Strategie vereinbart. Mit der richtigen Vorsorge soll die Manifestation der Erkrankung verhindert werden.

Mit der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung verbessern sich die Möglichkeiten des Selbstmanagements von Diabetes. (© Pixabay)
Im Jahr 2017 litten 7,6 Millionen Deutsche an der Krankheit, deren Ausbruch sich schleichend ankündigt. Das geht aus dem Diabetes-Atlas der Barmer Krankenkasse hervor. Mehr als 90 Prozent der Betroffenen leiden unter Diabetes Typ 2. Ursache ist eine Insulinresistenz der Körperzellen. „Dass immer mehr Menschen Diabetiker sind, liegt nicht nur am demographischen Wandel“, sagt Prof. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer. Ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel spielten auch eine Rolle. „Deshalb ist es Zeit, dass die im Koalitionsvertrag verankerte Nationale Diabetes-Strategie ausgestaltet und umgesetzt wird“, sagt Straub.
Laut Diabetes-Atlas gab es im Jahr 2017 die höchsten Diabetesraten in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 11,5 Prozent, Brandenburg (11,3 Prozent), Thüringen (11,1 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (elf Prozent). Die geringsten Quoten verzeichneten Schleswig-Holstein (acht Prozent) und Hamburg (8,2 Prozent).

Nationale Diabetes-Strategie kommt endlich in Gang

Um eine Diabetes-Epidemie einzudämmen, hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag die Entwicklung einer Nationalen Diabetes-Strategie vereinbart. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) kritisierte noch Mitte Oktober, dass diese Strategie nicht in Gang komme. Jetzt hat die Krankenkasse DAK in Zusammenarbeit mit dem IGES Institut konkrete Vorschläge dazu in einem „Versorgungsreport Diabetes mellitus“ veröffentlicht. Wichtigste Erkenntnis: Durch das frühe Erkennen von Prädiabetikern und Maßnahmen zur Veränderung des Lebensstils sowie die eventuelle prophylaktische Gabe von Metformin soll die Manifestation der Stoffwechselkrankheit verhindert werden. Die vorgeschlagene Früherkennung setzt beim „Check-up 35“ an, mit jährlichen Nüchternblutzucker-Kontrollen soll analysiert werden, ob das Diabetes-Risiko steigt. „Die DAK setzt sich dafür ein, dass das Programm verbindlich für alle Kassen in der Nationalen Diabetes-Strategie festgeschrieben wird“, erklärt DAK-Vorstandsvorsitzender Andreas Storm.

Chancen der Digitalisierung für Diabetes-Patienten

Mit der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung verbessern sich die Möglichkeiten des Selbstmanagements der Erkrankung. Neue Geräte erlauben ein detaillierteres Monitoring und Langzeitbetrachtungen, informiert das Infozentrum für Prävention und Früherkennung (IPF). Inzwischen nutzen viele Patienten in ihrem Alltag digitale Unterstützung in Form spezieller Diabetes-Apps sowie technischer Innovationen wie Insulinpumpen und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung, wie die DDG informiert. Mit der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und dem Flash Glucose Monitoring (FGM) stehen zwei Verfahren zur Verfügung, die den Glukosewert direkt und dauerhaft unter der Haut messen.

„Hybrid Closed Loop“-System für mehr Unabhängigkeit

Noch in diesem Jahr soll in Europa das erste „Hybrid Closed Loop“-System, das Blutzuckermessungen und notwendige Insulingaben weitestgehend automatisch steuert, verfügbar sein, informiert die DDG. Durch die Verwendung eines „Closed Loop“-Systems würden Diabetespatienten mehr Unabhängigkeit in der Therapie gewinnen. „Das Zusammenwirken aller Technologien ermöglicht eine automatisierte Insulinabgabe. Den Patienten bleibt damit die Berechnung der benötigten Insulindosis erspart“, sagt Professor Jens Aberle, Tagungspräsident der 12. Diabetes Herbsttagung. „Außerdem wird die Stoffwechsellage der Patienten verbessert und die Gefahr von Über- und Unterzuckerungen vermindert“, sagt der Leiter der Sektion Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Vorsorge ist wichtiger als Nachsorge

Experten schätzen, dass von den rund sieben Millionen Diabetes-Erkrankten in Deutschland etwa zwei Millionen noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. Da Diabetes Typ 2 jeden treffen kann, sei es wichtig, das Risiko zu testen, Diabetes früh zu erkennen und professionell zu behandeln, informiert der Bundesverband Medizintechnologie. Zu den sinnvollen Maßnahmen, um Diabetes früher zu erkennen, gehören der Schnelltest – abrufbar unter www.2mio.de – oder der Risikotest der Deutschen Diabeteshilfe unter www.diabetesde.org/risikotest.

Die häufigste Folgeerkrankungen einer diagnostizierten Diabetes sind laut IPF Gefäß- und Nierenerkrankungen. Auch das Herz leide. Labortests würden dabei helfen, Langzeitfolgen der Zuckerkrankheit früh zu erkennen. Die DDG rät zu einem Urintest alle sechs Monate: Zu viel Eiweiß im Urin weist auf mögliche Nierenschäden hin. Einmal pro Jahr sollte zudem der Kreatininwert im Blut gemessen werden. Er gibt Aufschluss über die Filterfunktion der Nieren. Jährliche Labormessungen der Blutfettwerte helfen dabei, die Gefäßgesundheit einzuschätzen.

Gute Blutzuckereinstellung verhindert Nierenschäden

Nierenerkrankungen müssten aber bei Patienten mit Diabetes nicht zwangsläufig auftreten. Mit einer frühzeitigen Diagnostik und rechtzeitigen Behandlung könne gegengesteuert werden, sagt Prof. Dieter Bach vom KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation. So trägt eine gute Blutzuckereinstellung viel dazu bei, Nierenschäden zu verhindern. Gleiches gilt auch für den Blutdruck. Denn je besser dieser eingestellt ist, desto besser werden die Nieren entlastet. „Für die rund sieben Millionen Patienten mit Diabetes in Deutschland ist es deshalb so wichtig, dass sie sich kontinuierlich haus- und fachärztlich behandeln lassen“, rät Bach. Und auch der Patient selbst könne zum Erhalt bzw. zur Stabilisierung seiner Nierenfunktion etwa mit einer ausgewogenen Ernährung und körperlicher Bewegung beitragen.
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Gesundheit und Krankheit im transkulturellen Kontext", am 18.12.2018 in Köln
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Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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