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Weltsepsistag: Prävention kann Tausende Todesfälle vermeiden

An Sepsis, auch Blutvergiftung genannt, erkranken nach Angaben der Deutschen Sepsis-Gesellschaft (DSG) weltweit mehr Menschen als an Darmkrebs, Brustkrebs oder AIDS zusammen. Gute Prävention kann tausende Todesfälle vermeiden.

Bei einer Sepsis müssen Ärzte schnell handeln.In Deutschland werden nach Angaben der Sepsis-Stiftung jährlich rund 320.000 Sepsis-Fälle von den Krankenhäusern gemeldet. Daraus resultieren über 70.000 Todesfälle, von denen bis zu 20.000 vermieden werden könnten. „Die Hauptgründe hierfür sind die Unkenntnis der Bürger über Möglichkeiten der Vorbeugung und die Frühsymptome einer Sepsis sowie die mangelnde Schulung des ärztlichen und pflegerischen Personals bei der Erkennung und Behandlung von Notfällen“, sagt Konrad Reinhart, Vorstandsvorsitzender der Stiftung.

Warnzeichen ernst nehmen
Sepsis-Erkrankungen können sowohl aus Krankenhausinfektionen als auch aus ambulant behandelten Infektionen entstehen. Alarmsignale seien laut Deutscher Sepsis-Hilfe Fieber oder Untertemperatur, hoher Puls, niedriger Blutdruck, beschleunigte Atmung und plötzliche Verwirrtheit. Erkrankte sehen zudem häufig blass oder fahl aus. Treten nur einige solche Symptome während oder nach einer Infektion gemeinsam auf, raten Experten dazu, sofort den Notarzt zu rufen. In Krankenhäusern sollen regelmäßige Bluttests klären, ob eine Infektion außer Kontrolle zu geraten droht. Labortests erkennen Warnzeichen wie etwa erhöhte Entzündungswerte. Eine Blutkultur sei unerlässlich, um die Erreger zu identifizieren und zügig das richtige Antibiotikum zu verabreichen.

Unverzichtbare Laboruntersuchungen
Besonders gefährdet seien Frühgeborene und ältere Patienten, informiert das Infozentrum für Prävention und Früherkennung (IPF). Werde die Infektion des gesamten Organismus frühzeitig erkannt und behandelt, verbessern sich die Überlebenschancen um 50 Prozent. Auch die Gefahr für Langzeitfolgen sinke, wenn die Behandlung so früh wie möglich einsetze. Laboruntersuchungen seien laut IPF sowohl bei der Erstdiagnose als auch bei der Diagnose von Spätfolgen unverzichtbar. Viele Patienten leben nach einer Sepsis mit schweren Behinderungen oder sterben sogar daran, wenn die Symptome nicht schnell genug erkannt werden, erklärt der BVMed.

Präventive Maßnahmen wichtig
Sepsis gilt als die Nummer eins bei den vermeidbaren Todesursachen, heißt es seitens der Sepsis-Stiftung. Um die Todesfälle zu vermeiden, müssten präventive Maßnahmen ergriffen werden, Impfempfehlungen für Risikogruppen seien umzusetzen, Früherkennung („an Sepsis denken“) sei zu verbessern sowie eine zeitnahe Behandlung als akuter Notfall bei entsprechender Ausstattung sicherzustellen, ergänzt der BVMed. Anlässlich des Welt-Sepsis-Tages fordert der Verband eine angemessene Prävention in Krankenhäusern, Pflege- und allen anderen medizinischen Einrichtungen, um durch Infektionen bedingte Sepsis-Fälle zu verhindern.

Einschlägige Empfehlungen flächendeckend umsetzen
Von entscheidender Bedeutung sei laut BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll, einschlägige Empfehlungen zur Verhinderung von Infektionen wie die der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut, in allen Bundesländern verbindlich und vollständig umzusetzen. Der BVMed-Fachbereich weist im Zusammenhang mit Sepsis darauf hin, dass das bewusste Handeln aller Beteiligten gefördert werden müsse. Um dies zu erreichen, sei eine ausreichende und spezifische Schulung der Beschäftigten im Gesundheitswesen genauso wichtig wie die Aufklärung der Bevölkerung. Neben der Kenntnis, was Sepsis ist, welche Ursachen sie hat und welche Symptome auftreten können, müsse vermittelt werden, wie bei Verdacht auf Sepsis schnell und gezielt gehandelt werden kann.

Sepsis erhöht Epilepsie-Risiko
Studien zeigen: Nach einer überstandenen Sepsis erleiden Betroffene bis zu 7,5-fach häufiger epileptische Anfälle als Menschen, die nie eine Sepsis hatten. Ärzte sollten Patienten, die plötzlich unter epileptischen Anfällen leiden, nach einer Sepsis in der Krankengeschichte fragen. Betroffene sollten Ärzte auf eine überstandene Sepsis hinweisen. Labortests unterstützen die Suche nach dem wahren Auslöser: Analysen der Rückenmarksflüssigkeit und des Blutserums auf Antikörper klären, ob Erkrankungen des Zentralnervensystems oder Autoimmunreaktionen die Anfälle auslösen. Blutbild und Hormonwertbestimmung von Schilddrüse und Nebennieren geben Aufschluss darüber, ob Stoffwechselstörungen vorliegen.

Weitere Informationen zum Thema Infektionsprävention finden Sie hier.
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