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App hilft bei Rückverfolgung

Berlin (pag) – Großer Bahnhof für eine kleine, smarte Entwicklung: Die Rückverfolgungs-App (tracing-App) ist gestartet. Die Anwendung, die seit Wochen diskutiert wird, hat nun Marktreife und den Segen von Datenschützern. „Das ist nicht die erste Corona-App weltweit, aber ich bin überzeugt, das ist die beste“, sagt Kanzleramtsminister Prof. Helge Braun.

Vorstellung Warn-AppJens Spahn und Prof. Helge Braun stellen die neue Corona-Warn-App vor.Neben dem Chef des Kanzleramtes sind unter anderem auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bundesinnenminister Horst Seehofer und Prof. Lothar Wieler vom Robert Koch-Institut bei der Vorstellung im Bundespresseamt dabei. Alle betonen, dass die Nutzung der App freiwillig sei und einen hohen Datenschutz aufweise. Damit wollen die Verantwortlichen das Vertrauen der Nutzer gewinnen, denn die App erfüllt nur dann ihren Zweck, wenn möglichst viele sie benutzen. Nur so können die Infektionsketten des Coronavirus besser erkannt und unterbrochen werden.

Wie das funktioniert? Einfach die App auf das Smartphone laden. Das Programm kann via Bluetooth messen, ob sich andere Smartphone-Nutzer über eine längere Zeit näher als etwa zwei Meter gekommen sind. Die empfangenen Codes werden auf dem Smartphone 14 Tage gespeichert und anschließend gelöscht. Ist ein Nutzer positiv getestet worden, meldet die App den anderen Anwendern, dass sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Daraufhin kann der Betroffene sich selbst testen lassen. Wer positiv getestet ist, erhält einen behördlichen CR-Code, den er einscannen kann. Damit werden Falschmeldungen verhindert und der Infizierte bleibt anonym. Die Software-Entwickler von SAP haben die Anwendung so gebaut, dass keine Bewegungsprofile erstellt werden können.

Spahn betont, die App käme gerade zur richtigen Zeit, da jetzt die Phase der Corona-Lockerungen eingesetzt habe. In Bezug auf die Ansteckung sei jede Stunde früheres Wissen ein Gewinn. Bisher haben die Gesundheitsämter alle Hände voll zu tun, Infektionsketten nachzuverfolgen. Während durch die Gesundheitsämter bislang nur bekannte Kontakte ermittelt werden konnten, soll die App dabei helfen, auch unbekannte Kontakte zu informieren – etwa in der Bahn oder bei einer Demonstration. „Gerade in solchen Situationen macht die App einen qualitativen Unterschied“, sagt Spahn (CDU), der außerdem betont: Alles soll freiwillig sein und auch bleiben – vom Herunterladen der App übers Einschalten des Bluetooth-Signals bis hin zum Melden eines positiven Tests und der dazugehörigen Reaktion der Kontaktpersonen. Und: „Die App gibt Empfehlungen, keine Anweisungen.“ Wer über einen infizierten Kontakt informiert wird, ist also nicht gezwungen, sich testen zu lassen. Spahn spricht stattdessen lieber von einer „Einladung zum Test“. Für den Entwicklungsprozess der vergangenen Monate erhält die Bundesregierung jede Menge Lob, sogar vom oftmals kritischen Chaos Computer Club (CCC). „Die App ist das erste große öffentlich finanzierte Open Source Projekt in Deutschland. Da kann sich die Bundesregierung doch auch mal auf die Schulter klopfen“, sagt Sprecher Linus Neumann.

Dass Arbeitgeber oder Gastwirte die eigentlich freiwillige App nun zur Voraussetzung für den Zugang zu Büro oder Restaurant machen, befürchtet Justiz- und Verbraucherschutzministerin Christine Lambrecht (SPD) nicht. Sie sieht deshalb keinen Bedarf für ein neues Gesetz. Arbeitgeber könnten Beschäftigte grundsätzlich nicht dazu zwingen, ein Smartphone zu nutzen oder zu besitzen und hätten zudem alternative Möglichkeiten, Kontakte nachzuvollziehen. Auch Gastwirte hätten keinen Grund, Gäste hinsichtlich der App abzufragen, so Lambrecht. Schließlich garantiere auch die Installation der App keine endgültige Sicherheit, weil Menschen sie auch nutzen könnten, ohne Informationen zu einer Infektion weiterzugeben.