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7. Mai 2018

Big Data und Co. – digitale Wege zu mehr Sicherheit?

 
Findet die Sprechstunde demnächst nicht mehr in der Arztpraxis, sondern im Internet statt? Und gehen wir zukünftig viel seltener zum Arzt, weil uns Apps sagen, woran wir leiden? Die vielen Fragen rund um das Thema Digitalisierung diskutiert das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) auf seiner Jahrestagung.

APS-Vorsitzende Hedwig François-Kettner (© pag / Fiolka)
„Die fortschreitende Digitalisierung beeinflusst die Gesundheitsversorgung stark“, sagt Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des APS. „Momentan werden beispielsweise im telemedizinischen Bereich viele verschiedene Projekte erprobt und Anwendungen auf den Weg gebracht – das ist eine große Chance für den Ausbau der Patientensicherheit.“ Digitale Anwendungen könnten beispielsweise die Vernetzung von Gesundheitseinrichtungen und -leistungen sowie den Therapieverlauf von Patienten unterstützen.

„Neben den technologischen Entwicklungen sind auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend für den erfolgreichen Einsatz der digitalen Produkte“, betont die APS-Vorsitzende. „Deshalb sollten sich einzelne Akteure wie Gesundheitseinrichtungen und Medizinproduktehersteller klar zu ethischen, rechtlichen und sozialen Fragen positionieren, die durch die Digitalisierung aufgeworfen werden.“ Nur wer sich auch damit auseinandersetze, könne Lösungen für das Gesundheitssystem erreichen – und somit einen Beitrag zu mehr Patientensicherheit leisten.

Wird Behandlung der Patienten durch Digitalisierung sicherer?

Hardy Müller, Geschäftsführer des APS (© pag/Fiolka)
Von der elektronischen Gesundheitskarte bis zur digitalen Vernetzung von Praxen – der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wolle die Digitalisierung im Gesundheitswesen rasch vorantreiben, sagt Hardy Müller, Geschäftsführer des APS. Ein Großteil der Bürger würde eine elektronische Patientenakte nutzen, wie Umfragen zeigen. Doch was Patienten tatsächlich von dieser Akte und von der elektronischen Gesundheitskarte erwarten dürften und wie es mit dem Datenschutz aussehe, ist aus Sicht des APS momentan noch nicht ausreichend geklärt. „Ob die Behandlung für Patienten durch die elektronische Patientenakte und mobile Anwendungen wirklich sicherer und besser wird, muss begleitend untersucht werden“, meint Marcel Weigand, Vorstandsmitglied des APS. „Es ist wichtig, dass wir bei den digitalen Entwicklungen Fragen zur Sicherheit der Patienten im Auge behalten, damit im Endeffekt nicht nur die Wirtschaft etwas davon hat.“

Obwohl der digitale Wandel im Gesundheitswesen rasch voranschreitet, gebe es bisher keine zentralen Anlaufstellen zur Förderung digitaler Projekte, bemängeln die Vertreter des APS. Auch einheitliche Kriterien dafür fehlten. „Es darf nicht vom Zufall oder von der finanziellen Stärke der Anbieter abhängen, ob digitale Angebote in den Versorgungsalltag einziehen“, so Weigand. „Wir fordern im Gesundheitswesen einen konsentierten Bewertungsmaßstab für digitale Angebote, bei dem der Nutzen und die Sicherheit der Anwendungen für Patienten eine zentrale Rolle spielen.“

Digitalisierung braucht klaren Fahrplan

Nach Ansicht des APS benötigt Deutschland einen „klaren Fahrplan“, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen in der richtigen Richtung voranzutreiben – und die Patientensicherheit weiter zu stärken. Andere Länder, wie zum Beispiel Dänemark, nähmen hier eine Vorreiterrolle ein. „Wir müssen uns ansehen, wie diese Herausforderungen international angenommen und erfolgreich gelöst werden, um daraus zu lernen“, so Müller weiter.

Checkliste für Gesundheits-Apps

(© APS/Screenshot pag)
Schon jetzt nutze über die Hälfte der Patienten in Deutschland Gesundheits- Apps. Doch deren Sicherheit sei umstritten – und allgemeine Kriterien zur Orientierung fehlen häufig. „Wir haben hier Handlungsbedarf gesehen und eine Checkliste zu Gesundheits-Apps erstellt, mit der Patienten prüfen können, welche digitalen Angebote sicher sind und welche weniger“, sagt Hardy Müller, Geschäftsführer des APS. Er stellt die Checkliste auf der Jahrestagung des Bündnisses vor.

Auszeichnungen für Projekte für mehr Patientensicherheit

Neben der fortschreitenden Digitalisierung im Gesundheitswesen gebe es weitere wichtige Themenfelder, deren Entwicklungen nach Ansicht des APS für die Patientensicherheit noch nicht abgeschlossen sind. Obwohl in den letzten Jahren schon viel passiert sei, will das APS Projekte mit Vorbildcharakter bekannt machen. „Wir prämieren besonders erfolgreiche Konzepte und Ideen mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit“, so Dr. Ruth Hecker, stellvertretende Vorsitzende des APS. „Anhand von diesen Projekten wollen wir zeigen, dass Kreativität, kritisches Denken und das gemeinsame Arbeiten an einem Ziel für die Patientensicherheit lohnenswert sind.“

Den mit 10.000 Euro dotierten 1. Preis erhält das „Kompetenzzentrum Mikrobiologie und Hygiene“ der St. Franziskus-Stiftung Münster, das seit 2014 ein Gesamtkonzept zur Vermeidung von Infektionen verfolgt. Ein 22-köpfiges Team mit fünf Fachärzten für Hygiene unterstützt die 15 Krankenhäuser in ihrem Infektionsmanagement. Erkrankte werden schnellstmöglich identifiziert und therapiert. Dazu steht dem Team ein hauseigenes mikrobiologisches Labor zur Verfügung, das in kürzester Zeit Ergebnisse liefert. „Das Kompetenzzentrum trägt zu einer verbesserten Behandlungsqualität und Patientensicherheit bei“, lobt Hecker. Der zweite Platz mit 6.000 Euro Preisgeld geht an Dr. Dorothea Strobach von der Apotheke des Klinikums der Uni München für ein Projekt der Arzneimitteltherapiesicherheit, bei dem ein Apotheker die Arzneimittelanamnese vor einer Operation durchführt und mögliche Wechselwirkungen überprüft. Auf den mit 3.500 Euro dotierten 3. Platz wählte die Jury einen Film der Deutschen Atemwegsliga zur richtigen Einnahme von inhalativen Medikamenten.

Weitere Informationen:

Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: BKK-Selbsthilfetag 2018 am 27.09.2018 in Düsseldorf
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Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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