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Elektronische Patientenakte: Erste Phase beginnt

Anfang des Jahres ist die elektronische Patientenakte (ePA) an den Start gegangen. Durch sie sollen zukünftig alle medizinischen Dokumente an einem Ort digital abrufbar sein. Allerdings startet die ePA zunächst mit einer abgespeckten Version.

Die neue Patientenakte steht als App für Android- oder Apple-Geräte zur Verfügung. Hier sollen einmal Befunde, Arztberichte, Röntgenbilder, U-Heft, Mutterpass, Zahn-Bonusheft und Impfausweis digitalisiert werden. Patienten sollen bestimmen, was in die ePA kommt und welche Dokumente sie für welche Leistungserbringer freigeben wollen. Für Versicherte ist die ePA freiwillig, Ärzte sind verpflichtet, die Akte auf Wunsch zu befüllen.

So weit ist es aber noch nicht. Zwar müssen die Krankenkassen ihre Apps seit Beginn des Jahres zum Download zur Verfügung stellen, in den ersten sechs Monaten durchläuft die ePA jedoch zunächst eine Testphase. Etwa 200 Praxen in den Regionen Westfalen-Lippe, Nordrhein, Bayern und Berlin nehmen daran teil. Zunächst werden also nur wenige Versicherte die ePA richtig nutzen können. Für alle anderen bleibt vorerst nur die Möglichkeit selbst Dokumente hochzuladen und Informationen (z. B. Medikationsplan) einzugeben.

ePA soll schrittweise erweitert werden

Ab Juli 2021 können dann alle Versicherten die ePA von ihren Ärzten mit Befunden, Arztberichten und ähnlichem befüllen lassen. U-Heft, Mutterpass, Impfpass und das zahnärztliche Bonusheft kommen erst 2022 dazu. Ab diesem Zeitpunkt können Patienten ebenfalls den Zugriff dokumentenspezifisch freigeben, vorher bleibt nur die Möglichkeit einzelnen Leistungserbringern (zeitlich begrenzten) Zugriff zu gewähren, die dann jedoch alle Dokumente in der ePA einsehen können.

Die meisten Krankenkassen haben ihre eigene ePA-App. Insgesamt gibt es 100 Apps, wie die für die Einführung verantwortliche Gematik mitteilt. Darauf gibt es zwei Bereiche, einmal die eigentliche Patientenakte und zusätzlich einen Bereich, den die Krankenkassen spezifisch gestalten können. Bei der App Barmer eCare soll ein integrierter Medikationsplaner helfen, die Gefahren bei der Einnahme mehrerer Medikamente zu reduzieren. In der AOK App Mein Leben können die Versicherten einen Notfallpass ausfüllen.

ePA ist datenschutzkonform

Die nationalen Regelungen zur ePA sind im Patienten-Datenschutz-Gesetz (PDSG) verankert. Ein Gutachten im Auftrag des Health Innovation Hub kommt zu dem Ergebnis, dass diese im Einklang mit dem höherrangigen europäischen Datenschutzrecht stehen, wie das Ärzteblatt berichtet. Auch die Tatsache, dass Versicherte bei der Freigabe zunächst nicht dokumentenspezifisch auswählen können, verstößt nicht gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Genau dies hat der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Ulrich Kelber, zuvor kritisiert.

Schwachstelle: Telematik-Infrastruktur

Für die ePA wurde in den vergangenen Jahren ein Datennetzwerk aufgebaut, das Praxen, Apotheken und Krankenhäuser vernetzen soll – die sogenannte Telematik-Infrastruktur (TI). Um das gesicherte Netz zu nutzen, brauchen Leistungserbringer Geräte namens Konnektoren. Bis Ende vergangenen Jahres verfügte jedoch nur sehr wenige Arztpraxen über solche Konnektoren. Bis Ende Juni haben die Praxen jetzt noch Zeit, die nötige Hard- und Software zu beschaffen, denn ab Juli müssen alle niedergelassenen Ärzte in der Lage sein die ePA zu befüllen. Apotheken und Krankenhäuser haben noch etwas länger Zeit, bis Ende 2021.

Die Testphase ist auch eine Bewährungsprobe für die TI in Sachen Sicherheit. Im vergangenen Juli wiesen IT-Sicherheitsexperten die Gematik darauf hin, dass 200 Konnektoren offen über das Internet erreichbar waren. NDR und BR berichteten zuerst darüber. Den Berichten zufolge forderte die Gematik die IT-Dienstleister zum Nachbessern auf, trotzdem seien im Dezember immer noch einzelne Konnektoren online erreichbar gewesen. Zum Januar 2021 ist die IT-Sicherheitsrichtlinie in Kraft getreten, die unter anderem eine Zertifizierung von IT-Dienstleistern vorsieht.

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