Drucken

Verhaltene Nachfrage bei digitalen Gesundheitsanwendungen

Laut einer Umfrage des aktuellen EPatient Survey mit 9700 Teilnehmern nutzen nur zwei Prozent der Befragten Online-Sprechstunden. Diejenigen, die den Arzt online konsultiert hatten, waren jedoch sehr zufrieden: Vier von fünf Nutzern würden es wieder tun.

Nutzer der Videosprechstunde sind überwiegend jünger als 40 Jahre und doppelt so oft Akademiker wie aus anderen Bildungsschichten.

„Auch Social Distancing hat der Online-Sprechstunde nicht zum erwarteten Durchbruch verholfen“, sagt Dr. Alexander Schachinger, Initiator der Umfrage, und spricht von einem ernüchternden Ergebnis. Dennoch habe sich die Nutzung der Online-Sprechstunde seit 2019 von 0,7 auf zwei Prozent verdreifacht. Regionale Unterschiede seien auf das schwache digitale Netz zurückzuführen: Jeder fünfte Nutzer der Online-Sprechstunde gab an, Übertragungsschwierigkeiten zu haben. Dies liege vor allem am stagnierenden Breitbandausbau. In strukturschwachen Regionen werden Online-Sprechstunden um den Faktor fünf stärker nachgefragt als in strukturschwachen Regionen. Nutzer der Videosprechstunde sind überwiegend jünger als 40 Jahre und doppelt so oft Akademiker wie aus anderen Bildungsschichten.

Wachstumsknick bei Gesundheitsanwendungen

Die verhaltene Nachfrage zeige sich auch bei anderen digitalen Gesundheitsanwendungen: 2020 sei hier ein Wachstumsknick zu verzeichnen. Grund dafür sei, dass der Erstnutzermarkt von bekannten digitalen Gesundheitsmarken und ihren Apps „ohne konsequente Integration in der Versorgung vor Ort“ langsam ausgeschöpft sei.

Patienten warten auf Empfehlungs-Hinweise

Zudem zeigt die Umfrage, dass 95 Prozent der Patienten von ihrem Arzt noch nie eine digitale Empfehlung erhalten haben. Auf eine mangelnde Internetaffinität zu verweisen, sei laut Schachinger falsch, denn 90 Prozent der Deutschen bewegten sich im Netz. „Jens Spahn hat einen guten Aufschlag gemacht. Nun liegt es an der Selbstverwaltung und der Ärzteschaft, die Chance zu nutzen“, sagt er. Die Umfrage zeigt, dass Versicherte und Patienten auf Empfehlungs-Hinweise von Kassen, Ärzten und Apothekern warten: 76 Prozent der Befragten wüschen sich Empfehlungen durch die Krankenversicherung, gefolgt vom Arzt mit 59 Prozent und der Apotheke vor Ort mit 23 Prozent.

App-Nutzer sind zufrieden

Potenzial für Videosprechstunden sei laut Umfrage weiter vorhanden: Für 66 Prozent wäre eine Online-Sprechstunde eine Alternative – nur 17 Prozent würden lieber auf einen Termin beim Arzt warten. Die Umfrage ergab weiterhin, dass diejenigen, die Therapie-Apps nutzen, damit überwiegend zufrieden sind. 84 Prozent gaben an, dass sie durch die App mit ihrem Medikament deutlich besser umgehen können und es regelmäßiger einnehmen. Julia Hagen, Director Regulatory & Politics beim hih – Health Innovation Hub des Bundesministeriums für Gesundheit, betont, dass Ärzte in punkto Apps begeisterungsfähig seien, solange es für sie keinen weiteren zusätzlichen Aufwand bedeutet. Wichtig sei ein niedrigschwelliger Weg für die Integration in den Praxisalltag mit Arzt und Patient.