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Innovationen in der Gesundheit: was hat der Patient davon?

Am 5. und 6. September diskutieren auf dem Innolab-Kongress 2018 in Bochum 400 Experten aus verschiedenen Branchen wie die medizinische Versorgung von morgen aussehen könnte. Digitale Innovationen werden vorgestellt, ihre Chance auf Markteinführung diskutiert sowie die Frage erörtert, welche Vorteile Big Data, Assistenzsysteme, Telemedizin, Gesundheitstracker und Register für Patienten haben.



„Wir brauchen mehr Offenheit für Innovationen! Und diese müssen wir auch über das Stadium von Pilotprojekten hinausbekommen“, sagt Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin beim Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa). Die Initiatoren, darunter Fischer und der geschäftsführende Direktor des Instituts Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Prof. Dr. Josef Hilbert, sehen den Kongress auf dem GesundheitsCampus Bochum als Experimentierraum, der Pharmaunternehmen, IT-Firmen und anderen Akteuren aus Politik, Wissenschaft, Medizin und Pflege Einblick in Innovationsprozesse im Gesundheitswesen gibt und teilweise länger erprobte Projekte bekannter macht. Neben einem Erfahrungsaustausch über Erfolgsbedingungen und Hürden soll das künftig regelmäßig stattfindende Event die Teilnehmer zusammenführen, um bei bestimmten Projekten enger zusammenzuarbeiten und um Innovationen schneller in die Versorgung zu bringen. Ziel ist dabei eine modernere, bessere medizinische Versorgung für den Patienten.

Patientennutzen von Big Data & Co?

Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfaDoch welche Vorteile hat der Patient in der neuen digitalen Gesundheitswelt? „Die Potenziale von digitalen Anwendungen erstrecken sich über alle Phasen der Patientenversorgung, von der Prävention, über die Diagnostik bis hin zur Therapietreue“, erläutert Fischer. Ein Bereich für Innovationen sind Big-Data-Anwendungen. Dazu diskutiert unter anderem Dr. Uwe Andreas Amann, Vorsitzender der Pharma Community Detecon, in einer Podiumsrunde gleich zu Beginn des Kongresses unter dem Titel „Big Data – individuell oder solidarisch? Potenziale, Risiken und Hürden effektiver Datennutzung“. Big Data-Anwendungen ermöglichen unter anderem Fortschritte in der Forschung, wenn es um die Aufschlüsselung des menschlichen Erbguts (Genomensequenzierung) geht oder den Einsatz von diagnostischen Tests (Biomarker Identifikation), erläutern die Veranstalter. Damit helfen sie klinische Studien zu verbessern und können zu neuen Therapien zum Beispiel im Kampf gegen Krebs führen.

Register, Tracker und Telemedizin

„Es zeichnen sich auch Verbesserungen der Therapietreue und Evidenz durch Datennutzung und digitale Angebote ab“, sagt Hilbert. So könnten Gesundheitstracker und medizinische Register zur Erfassung der Versorgungssituation zusätzliche Nachweise zum Nutzen von Arzneimitteln schaffen. Außerdem würden digitale Angebote Patienten aktiv dabei unterstützen, ihre Therapietreue zu erhöhen. Auch würden die Sicherheit und Qualität der Arzneimitteltherapie durch ein medizinisches Monitoring der Behandlungsdaten weiter verbessert. Welche digitalen Health-Assistants es gibt, welches Potential sie für Arzt und Patient bieten, wird im Rahmen einer Veranstaltung mit dem Titel „Digitaler Health Assistent – für und mit Patienten“ diskutiert. Außerdem können telemedizinische Lösungen helfen, den Arztmangel und Versorgungsengpässe etwa auf dem Land zu lindern. Entsprechende Modellprojekte sind in Baden-Württemberg derzeit in der Erprobung. Dass der technisierte Arzt-Patienten-Kontakt bei der Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz Krankenhausaufenthalte reduzieren und lebensverlängernd wirken kann, damit beschäftigt sich eine weitere Veranstaltung unter dem Titel „Digitalisierung trifft Herz – Innovationen und telemedizinische Versorgung bei Herzinsuffizienz“.

Neue Rolle des Patienten?

Die Digitalisierung ermöglicht dem Patienten einen selbstbestimmteren Umgang mit seiner Gesundheit. Er hat künftig zum Beispiel über den Zugriff auf die elektronische Gesundheitskarte (eGK) seine Gesundheitsdaten mehr im Blick, kann sich über Therapiemöglichkeiten besser informieren und sich stärker in den Entscheidungsprozess über eine Therapieform beim Arzt einbringen. Welche veränderte Rolle der Versicherte in Zeiten der Digitalisierung einnimmt und ob diese Entwicklung auch zu „neuen Patienten“ führen wird, diskutiert unter anderem Dr. Ralf Brauksiepe, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, im Rahmen der Veranstaltung „Patient, Kunde oder Partner – informiert, emanzipiert & selbstbestimmt“. Wie der Versicherte durch den Einsatz von Apps, Web-Portalen und speziellen Schulungsprogrammen weiter unterstützt werden kann, um seine Versorgung zu verbessern, dazu debattieren unter anderem Jürgen Hohmann, Director Scientific Computing der Bayer AG im Rahmen der Veranstaltung „Innovative Technologien zum Empowern des Patienten“ und Dr. Christian Klaes, Gruppenleiter der Neurochirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Knappschaftskrankenhaus Bochum, unter dem Veranstaltungstitel „Smart Rehab“. Außerdem wird auf dem Kongress über neue Ansätze in der Suchtberatung informiert.

Arbeit im Gesundheitswesen gestalten

In Vorträgen, Debattenrunden und Workshops steht dieses Mal neben den Themen Digitalisierung und Versorgung auch die Frage zur Diskussion, wie die Arbeit in den Einrichtungen für Gesundheit und Pflege zukünftig gestaltet werden muss, damit Menschen gerne in dieser Branche arbeiten.

Partner, Unterstützer und Gäste aus ganz unterschiedlichen Disziplinen nehmen an dem Innolab-Kongress 2018 teil – neben namhaften Pharmafirmen und IT-Unternehmen, unter anderem der Regionalverband Ruhr, die Ruhr-Universität Bochum, das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen und die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung.

Über die einzelnen Themen, Veranstaltungen, Referenten und Podiumsgäste erfahren Sie mehr bei einem Blick in das Kongress-Programm: http://www.innolab-bochum.de/