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Netzwerk will Patientenversorgung verbessern

Berlin (pag) – Das kürzlich gegründete Nationale Netzwerk Universitätsmedizin will die Versorgung von Patienten und das Pandemiemanagement in der Coronakrise schnell durch neue Erkenntnisse der Uniklinika unterstützen. Welche weiteren Erkenntnisse es zu Covid-19 gibt und wie wichtig klinische Studien sind.

Prof. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité Universitätsmedizin Berlin

Laut Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, ist das Netzwerk eine Grundlage für „Therapieentwicklung und Forschungskooperationen“. Daten der behandelten Covid-19-Patienten würden systematisch erfasst und mithilfe der breiten Informationsbasis könnten sichere Erkenntnisse gewonnen werden, um das Pandemiemanagement in den Kliniken zu unterstützen. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité Universitätsmedizin Berlin, betont, dass durch das Netzwerk „Erkenntnisse aus der kliniknahen Forschung in die Versorgung implementiert werden“ – diese Erkenntnisse sollen durch das Netzwerk flächendeckend kommuniziert werden. Um die Ideen der einzelnen Uniklinika-Standorte zu bündeln, sei ein Ideenportal freigeschaltet worden, auf dem 280 Vorschläge eingingen. Es werde am Aufbau einer Dateninfrastruktur gearbeitet und es solle sichergestellt werden, dass keine neuen Hotspots unentdeckt bleiben. Zudem seien Tests ein zentrales Thema für das Netzwerk: Wie kann man beispielsweise in einer Großstadt in verschiedenen Gruppierungen sicherstellen, dass es keine versteckten Ausbrüche gibt?

Infektion provoziert immunologische Reaktion

„Das Netzwerk wird es erlauben, uns für die Zukunft zu wappnen“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden. Covid-19 sei keine klassische Pneumonie im Rahmen einer Atemwegsinfektion. Bei allen schweren Verläufen verursache das Virus Organschäden, die das Krankheitsgeschehen komplex machen. Die Infektion provoziere immunologische Reaktionen, die fast in allen Organen ablaufen können. Bei schweren Verläufen würden besonders viele Embolien und Thrombosen entdeckt, zudem würden Intensivpatienten gerinnungsmäßig überwacht und es würde mit gerinnungshemmenden Medikamenten experimentiert, weiß Prof. Blanche Schwappach-Pignataro, Dekanin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Der „Vorstatus“ einer Person spiele eine Rolle bei der Frage, wie schwer die Erkrankung verlaufe. Die Infektion löse einen Schalter aus und es „treten vorhandene Einstellungen des Immunsystems schlagartig zutage“, sagt sie. „Eigentlich legt das Virus eher etwas frei, als dass es eine kausal bis zum Ende durchterminierte Kette auslöst.“

Internationale klinische Studien wichtig

Wenn es um klinische Studien geht, sind sich Prof. Albrecht und Prof. Kroemer einig. „Wir plädieren dafür, dass Substanzen in klinischen Studien sorgfältig angesehen werden“, sagt Kroemer. An der Charité seien über 100 Covid-19-Patienten in klinische Studien eingeschlossen. Derzeit würden Therapiestudien laufen sowie Studien im immunologischen Bereich. Prof. Albrecht betont, dass es wichtig sei, verschiedene Medikamente für verschiedene Phasen der Erkrankung zu testen. „Das schaffen wir nur mit großen Fallzahlen und einem internationalen Verbund“, sagt er. Nur internationale Studien könnten die Zukunft sein, „weg von Spekulationen zu tatsächlich nachgewiesenen Behandlungsstrategien“.