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8. Februar 2019

Offen für die Sorgen der Patienten

 
Prof. Claudia Schmidtke (CDU) ist seit Mitte Januar neue Patientenbeauftragte der Bundesregierung. Im Interview erklärt sie ihre Motivation, was sie für Patienten tun will und was sie in ihrer Amtszeit erreichen möchte.

Claudia Schmidtke (CDU), Patientenbeauftragte der Bundesregierung. (© pag, Fiolka)
Zunächst einmal gratulieren wir ganz herzlich zu Ihrem neuen Ehrenamt, das Sie zusätzlich zu Ihrem Bundestagsmandat ausüben. Wissen Sie schon, was auf Sie zukommen wird?

Schmidtke: Sie haben Recht, es ist ein Ehrenamt, denn ist mir eine große Ehre mich fortan als Patientenbeauftragte noch mehr für eine gute gesundheitliche Versorgung von Patientinnen und Patienten in Deutschland einzusetzen. Als Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Gesundheitsausschuss habe ich das bereits getan. Das ergibt sich schon aus meinem beruflichen Werdegang. Insofern gibt es hier große Überschneidungen. Als Patientenbeauftragte ist es meine Aufgabe, darauf hinzuwirken, dass die Belange von Patientinnen und Patienten im gesamten Gesundheitssystem berücksichtigt werden. So steht es im Gesetz, und genau das habe ich vor. Da, wo ich aus Sicht von Patientinnen und Patienten Handlungsbedarf sehe, werde ich mich zu Wort melden und Vorschläge machen, was verbessert werden kann. Das ist in unserem komplexen Gesundheitssystem eine große Aufgabe. Insofern lautet meine Antwort auf Ihre Frage, ob ich weiß, was da auf mich zukommen wird: Viel Arbeit, die mir große Freude bereiten wird.

Wie verschaffen Sie sich einen Überblick über die bevorstehende Arbeit?

Schmidtke: Das geht nicht ohne kompetente Unterstützung. Es gibt bereits eine Geschäftsstelle, die mich zum Beispiel über die von Patientinnen und Patienten vorgebrachten Beschwerden informiert. Die politischen Großprojekte wie das Terminservice- und Versorgungsgesetz, das neue Ausbildungsgesetz für die Psychotherapeuten, das Transplantationsgesetz sind mir aus meiner Ausschusstätigkeit natürlich genauso bekannt wie die Diskussion um Pflege, Organspende oder Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Nun sind Sie als Medizinprofessorin mit langjähriger Tätigkeit als Oberärztin zweifellos eine Kennerin des Medizinbetriebs. Aber wie gut kennen Sie die andere Sicht auf Krankenhaus & Co. – nämlich aus der Betroffenenperspektive Patient?

Schmidtke: Unabhängig von der beruflichen Tätigkeit wird jeder zum Betroffenen, sobald er krank wird und auf Hilfe angewiesen ist. Das gilt natürlich auch für mich. Das Gesundheitssystem aus Patienten- oder Angehörigensicht zu erfahren, ist eine lehrreiche Erfahrung für das Handeln als Ärztin. Aber mal ganz abgesehen von persönlichen Erfahrungen im Gesundheitssystem habe ich zwei Augen und – was in diesem Fall noch wichtiger ist – zwei Ohren, die ich im Laufe meiner beruflichen Tätigkeit immer gut genutzt habe, um den von Ihnen angesprochenen Perspektivwechsel vorzunehmen. Aus meiner Sicht ist es eigentlich eine Selbstverständlichkeit ärztlichen Handelns, dass ich meine Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen so ernst nehme, wie ich selbst im umgekehrten Fall ernst genommen werden möchte, und offen bin für ihre Sorgen und Nöte. Als Patientenbeauftragte werde ich noch stärker aus Patientensicht auf das Gesundheitssystem schauen – getreu meinem bisherigen Motto: Der Kunde ist König.

Was möchten Sie in Ihrer dreijährigen Amtszeit erreichen?

Schmidtke: Wenn ich am Ende zurückschaue, möchte ich sagen können, dass ich dazu beigetragen habe, dass die gesundheitliche Versorgung für die Menschen in Deutschland durch meine Arbeit ein bisschen besser geworden ist.

Welche Möglichkeiten gibt es für Patienten, die sich ungerecht oder falsch behandelt fühlen?

Schmidtke: Als erstes sollte man immer das Gespräch mit der- oder demjenigen suchen, von der oder dem man sich schlecht behandelt fühlt. Führt das nicht weiter, gibt es in den allermeisten Krankenhäusern ein Beschwerdemanagement und/oder einen Patientenfürsprecher, an den man sich wenden kann, das kenne ich natürlich aus meiner früheren Berufspraxis. Auch Krankenkassen sind Ansprechpartner, die weiterhelfen können. Beratung finden Patientinnen und Patienten zudem bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Die dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können mit den richtigen Tipps weiterhelfen, an wen man sich wenden kann, je nachdem, worum es geht: Behandlungsfehler, Wartezeiten, Verweigerung von Leistungen und so weiter. Bei Beschwerden über Ärztinnen oder Ärzte sind die Ansprechpartner andere als zum Beispiel bei Beschwerden über Pflegedienste, Pflegeheime oder Heil- und Hilfsmittelerbringer.

Patienten haben im Gemeinsamen Bundesausschuss ein Antrags- und Mitberatungsrecht, aber kein Stimmrecht. Wie stehen Sie zu der Forderung nach mehr Befugnissen für die Patientenvertreter im G-BA?

Schmidtke: Grundsätzlich stehe ich für eine Begegnung auf Augenhöhe. Daher finde ich es auch gut, dass Patientinnen und Patienten im G BA vertreten sind, Themen einbringen können und gehört werden müssen. Man darf nicht außer Acht lassen, dass sich auch das Bundesverfassungsgericht mit dem G-BA und seiner Legitimation als ‚kleiner Gesetzgeber‘ befasst. Hier sind dementsprechend noch viele offene Fragen zu klären.

Sie haben einen fleißigen Minister, der ein Gesetz nach dem anderen produziert. Wie werden Sie die Gesetzgebungsverfahren begleiten?

Schmidtke: Aufmerksam. Patientenbezogen. Konstruktiv.

Vielen Dank für das Interview!
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Dekade gegen den Krebs – Programm – Ideen – Konzepte", am 19.02.2019 in Berlin
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Digitorial

Literaturtipps
Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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