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18. Oktober 2018

Zugesetzter Zucker in Babytees bald gesetzlich verboten

 
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will bis Ende 2019 zusätzlichen Zucker und andere süßende Zutaten in Säuglings- und Kindertees gesetzlich verbieten. Das kündigt sie auf dem Zuckerreduktionsgipfel der AOK Mitte Oktober an.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) lehnt eine Zuckersteuer ab. (© pag, Fiolka)
„Zusätzlicher Zucker trimmt Babys auf einen gewissen Geschmack und schadet ihnen“, sagt Julia Klöckner. Viele Produkte seien schlichtweg zu süß. Damit erfüllt sie eine langjährige Forderung von Ärzten und Ernährungsexperten. Als nächstes will sich die CDU-Politikerin die Kindermilch vornehmen und betont, dass die „gesunde Wahl zur einfachen Wahl“ werden müsse. Für viele sei eine gute und ausgewogene Ernährung keine Selbstverständlichkeit. „Vielleicht weil man sich nie Gedanken gemacht hat, weil man die Wahl nicht hat oder weil es einem der Ablauf des Alltags schwieriger macht“, erläutert sie die Ursachen. Die Zahlen seien alarmierend und „zeigen, warum sich der Staat einmischen muss“: 42 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und mehr als 15 Prozent der Kinder in Deutschland sind übergewichtig.

Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie

Fehl- und Überernährung sind für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Herz- Kreislauferkrankungen mitverantwortlich. Die Verbannung des süßen Stoffes vom Speiseplan allein reiche nicht aus: „Die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in den Produktrezepten ist ein effektives Mittel, um die gesunde Wahl einfach zu machen. Wir brauchen eine bessere Gesamtbilanz, wenn es um das Produkt geht“, sagt sie. Dies sieht der Koalitionsvertrag mit einer „Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie vor“: Das abgestimmte Konzept soll noch bis Ende 2018 fertig werden. Bis 2025 sollen die festgelegten Zielmarken erreicht werden.

Absage an Zuckersteuer

Eine Zuckersteuer lehnt Klöckner ab. Diese vermittle nicht, was einen gesundheitsförderlichen Lebensstil ausmache. „Und wenn die Zuckersteuer bewirkt, dass Zucker durch andere Stoffe ersetzt wird, ist das auch nicht zwangsläufig gesund. Was habe ich davon, wenn ein Lebensmittel weniger Zucker hat, dafür aber mehr Fett und Salz, nur um den Geschmack zu stabilisieren?“, ergänzt sie. Dies sei kein Freispruch für die Zuckerproduzenten, aber man könne auch nicht weitermachen wie bisher.

Ungebildetes Elternhaus als größter Risikofaktor

Dr. Dieter Garlichs, Berater des Vorstandes der Deutschen Diabetes Gesellschaft, fordert eine klare Lebensmittelkennzeichnung, die jeder versteht. Ein ungebildetes Elternhaus sei zudem der größte Risikofaktor für eine schlechte Ernährung. Er argumentiert: „Wenn weniger Zucker gegessen wird, geht auch automatisch der Insulin-Spiegel nach unten und damit auch der gesamte Hunger zurück.“ Günter Tissen von der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker ist naturgemäß gegen eine Zuckerregulierung. Er möchte nicht, dass Verbraucher irregeführt werden durch den Ersatz von Zucker durch andere Produkte. Die gesamte Kalorienbilanz sowie Bewegung und eine ausgewogene Ernährung seien wichtig.

Gegen Werbung für hochkalorische Kinderlebensmittel

Das neu gegründete Bündnis „Aktion weniger Zucker“ verfolgt folgende Ziele: Werbeverbot für zucker- und hochkalorische Lebensmittel, eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung, verbindliche Standards für die Kita- und Schulverpflegung sowie steuerliche Anreize für die Industrie, gesündere Rezepturen herzustellen. Das Bündnis wird getragen vom AOK-Bundesverband, der Deutschen Allianz Nicht-übertragbare Krankheiten, der Deutschen Diabetes Gesellschaft, dem Ethnomedizinischen Zentrum und der Verbraucherschutzorganisation foodwatch.
Mit der App „AOK Gesund Einkaufen“ können Zucker-, Salz- und Fettanteile in Lebensmitteln mittels Nährwert-Ampel oder einem Zuckerwürfel-Rechner schneller erkannt werden. Die App deckt auch versteckten Zucker auf, der sich hinter 70 verschiedenen Begriffen verbirgt.
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Digitalisierung im Gesundheitswesen – Status quo und Ausblick", 21.11.2018, Berlin
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Digitorial

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Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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