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Innovationsfonds: grünes Licht für neue Ideen

Mithilfe eines Innovationsfonds sollen im Gesundheitswesen künftig neuartige Versorgungsformen erprobt werden. Das hat der Gesetzgeber im Versorgungsstärkungsgesetz vorgesehen. Nach einigen Vorarbeiten wird es jetzt konkret.

Das Ziel der Bundesregierung ist es, eine bedarfsgerechte, flächendeckende und
gut erreichbare medizinische Versorgung der Patienten auf hohem Niveau sicherzustellen. Doch es gibt einige Herausforderungen, vor denen das Gesundheitswesen in Deutschland gegenwärtig steht: Eine davon ist, die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten aufrechtzuerhalten. In manchen Regionen können Hausarztpraxen nicht nachbesetzt werden, trotzdem sollen die Menschen auch dort gut versorgt werden. Dazu bedarf es neuer, innovativer Ideen und Konzepte. Ein anderes Problem ergibt sich durch die demografische Entwicklung. Die Menschen werden immer älter und haben damit auch immer häufiger mehrere, oft chronische Krankheiten. Für sie werden besondere Versorgungsangebote benötigt. Dies gilt genauso für Menschen mit seltenen oder mit psychischen Erkrankungen (lesen Sie dazu auch „Seltene Erkrankungen – gar nicht so selten“ sowie „Psychische Erkrankungen nehmen zu“). Unbefriedigend ist außerdem die Versorgung an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung: Häufig klappt die Zusammenarbeit zwischen den niedergelassenen Ärzten und dem Krankenhaus nicht gut.

Neue Impulse setzen

Hermann Gröhe, BundesgesundheitsministerDer Gesetzgeber will nun Impulse geben, neue Ideen zu entwickeln und innovative Lösungen zu suchen. „Mit dem Innovationsfonds sollen gezielt Projekte gefördert werden, die neue Wege in der Versorgung beschreiten“, sagt der damalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bei der Vorstellung des Gesetzentwurfs 2015. Dafür sind 300 Millionen Euro pro Jahr von 2016 bis 2019 veranschlagt, 225 Millionen Euro für neue Versorgungsformen und 75 Millionen Euro für Versorgungsforschung. Alle Arten von Organisationen – beispielsweise medizinische Fachgesellschaften, Medizinische Versorgungszentren (MVZ), Kassenärztliche Vereinigungen, Patientenorganisationen, Pharma-Unternehmen oder Medizinproduktehersteller – können Geld für ein Projekt beantragen; in der Regel sollte allerdings eine Krankenkasse mit von der Partie sein. Die Förderung setzt voraus, dass eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung erfolgt. Aus der Evaluation soll ablesbar sein, ob das Vorhaben dafür geeignet ist, dauerhaft in die Regelversorgung übernommen zu werden.

Innovationsfonds: Was wird konkret gefördert?

In der ersten Förderrunde 2016 kamen im Bereich neue Versorgungsformen vor allem Projekte zum Zug kommen, die

  • die Versorgung in strukturschwachen oder ländlichen Gebieten verbessern,
  • die Arzneimitteltherapie sowie Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern,
  • die Telemedizin, Telematik und E-Health zur Versorgung nutzen und
  • eine bessere Versorgung für spezielle Patientengruppen beinhalten, zum Beispiel für ältere Menschen, Menschen mit psychischen oder seltenen Erkrankungen

Weitere Schwerpunkte sind:

  • der Substitution und Delegation ärztlicher Leistungen,
  • dem Ausbau der geriatrischen Versorgung,
  • Patientenbefragungen und
  • der Versorgung von Migranten

Im Bereich Versorgungsforschung wurden in der ersten Runde folgende Themen aufgerufen:

  • Qualitätssicherung und Patientensicherheit,
  • Messung von Lebensqualität,
  • arbeitsteilige Pflegekonzepte,
  • Bedarfsplanung,
  • administrative Hürden im Gesundheitswesen sowie
  • Nutzung von Routinedaten

Innovationsausschuss ist verantwortlich

Prof. Josef HeckenDie Förderung verantwortet ein beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) angesiedelter Innovationsausschuss, dem zehn Mitglieder angehören. Vorsitzender ist Prof. Josef Hecken, der zugleich unparteiischer Vorsitzender des G-BA ist. Neben Hecken sitzen in dem Gremium: drei Vertreter des GKV-Spitzenverbandes, je einer von der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung sowie der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Auch das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesforschungsministerium senden zwei bzw. einen Vertreter. Der Ausschuss ist beim Fonds die entscheidende Schaltstelle. Er legt unter anderem Förderschwerpunkte und -kriterien fest und entscheidet über die Anträge.

Projekte: keine Insellösungen

Beraten wird der Ausschuss von einem Expertenbeirat. Dessen Vorsitzender, der Versorgungsforscher Prof. Holger Pfaff, Universität zu Köln, sieht in dem Fonds eine große Chance – „aber die Qualität muss stimmen“. Der Expertenbeirat habe für Qualität zu sorgen, hebt Pfaff auf einer Veranstaltung von Monitor Versorgungsforschung hervor. Aufgabe des Beirates ist es unter anderem, Kurzgutachten zu den eingereichten Projekten zu verfassen. Für Lutz Stroppe, der damalige Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, geht es bei den geförderten Projekten darum, dass sie einen echten Fortschritt erzielen, dass sie nachhaltig und langfristig wirken sowie für alle Patienten zugänglich sind. Er legt daher Wert darauf, dass „keine Insellösungen“ gefunden werden, sondern die Projekte später in die Regelversorgung überführt werden können.

Weitere Informationen:

Der G-BA betreibt eine eigene Webseite für den Innovationsfonds. Auf ihr werden die Förderkriterien bekannt gegeben und die Liste derjenigen Projekte veröffentlicht, die den Zuschlag erhalten haben: https://innovationsfonds.g-ba.de/

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