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Schmerzpatienten: Defizite beim Entlassmanagement

Zum heutigen „Aktionstag gegen den Schmerz“, den die Deutsche Schmerzgesellschaft zusammen mit weiteren Partnern veranstaltet, weist der Deutsche Berufsverband der Pflegeberufe (DBfK) auf Defizite beim Entlass-Management von Patienten hin, die Betäubungsmittel benötigen.

Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband der Pflegeberufe, Prof. Claudia Sommer, Präsidentin der Deutschen Schmerzgesellschaft und Thomas ISenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft (v.l.).Die Fehl- und Unterversorgung der Schmerzpatienten in Deutschland kritisiert Prof. Claudia Sommer, Präsidentin der Deutschen Schmerzgesellschaft heute auf einer Pressekonferenz in Berlin: „Es gibt sehr lange Wartezeiten und wir appellieren an die Bundesregierung: Schmerztherapeut muss ein attraktiver Beruf sein, was Karrierechancen und Vergütung angeht, sonst bekommen wir ein massives Nachwuchs- und Versorgungsproblem.“

Wo finde ich einen guten Schmerztherapeuten?

Etwa 300 Einrichtungen bundesweit beteiligen sich am heutigen Aktionstag mit Patientenseminaren, einem Tag der offenen Tür oder Schmerzcafés, um über die jeweiligen Therapienagebote zu informieren. Unter der Hotline 0800 – 18 18 18 120 können sich Betroffene und Interessierte von Experten beraten lassen. „Wo finde ich einen guten Therapeuten für meine Schmerzen? Hier wollen wir Lotse sein“, sagt Sommer. Ein wichtiges Anliegen ist ihr die Prävention. „Wenn der Schmerz erst chronisch ist, wird man ihn schwer wieder los“ – genau hier setze das Projekt PAIN2020 an: „Wir wollen Menschen erreichen, die schon einige Wochen Schmerzen haben, die aber noch nicht chronisch sind“, erklärt die Medizinerin das Konzept. Die Teilnehmer sollen durch ein interdisziplinäres Assessment aus Arzt, Psychologe und Physiotherapeut beurteilt werden und in verschiedene „Therapiearme“ gelangen, angepasst an die Bedürfnisse des Patienten. „Unser Ziel ist, dass das später in die Regelversorgung kommt, damit die Schmerzpatienten, die es brauchen, frühzeitig in so eine angepasste interdisziplinäre Therapie kommen“, so Sommer.

Dramatische Lage beim Entlassmanagement

Johanna Knüppel vom DBfK geht auf das Thema Entlassmanagement ein: Wie verläuft der Übergang von Schmerzpatienten, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen werden, in die weitere Betreuung? Dramatisch sei die Lage für Patienten, die in der Klinik mit starken Schmerzmedikamenten behandelt werden. Da solche Arzneien der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) unterliegen, dürfen sie nicht einfach über den stationären Behandlungstag hinaus mit nach Hause gegeben werden. Nur ein Facharzt darf die Rezepte für Betäubungsmittel ausstellen, zudem müssen diese Verordnungen besonders dokumentiert werden, erklärt Knüppel. In der Praxis könne dies folgende Konsequenzen haben: Am Tag der Entlassung wird von einem stark wirkenden Betäubungsmittel auf ein schwächer wirkendes Schmerzmedikament umgestellt. Der Patient erlebt dadurch nach der Entlassung stärkere Schmerzen. Oder das Betäubungsmittel wird durch ein opoidhaltiges Schmerzpflaster ersetzt, das etwa 12 Stunden braucht, um schmerzhemmend zu wirken. „Für Pflegefachpersonen ergibt sich mitunter eine Situation, in der sie etwas tun, was sie nicht tun dürfen: Sie geben ein Betäubungsmittel aus dem Stationsbestand mit – im Interesse des Patienten, aber gesetzlich unzulässig“, berichtet Knüppel. Dies sei ein unhaltbarer Zustand. Der Verband fordert deshalb: „Das darf so nicht bleiben und da muss es praktikable Lösungen geben, die auch rechtssicher sind“, sagt Johanna Knüppel.

Die Teilnehmerliste des Aktionstages gegen den Schmerz ist hier zu finden: https://www.dgss.org/fileadmin/pdf/Teilnehmerliste_v2_8_Aktionstag_04062019.pdf Weitere Patienteninformationen sind ab Seite 17 hier zu finden: https://www.dgss.org/fileadmin/pdf/Pressemappe_Aktionstag_gegen_den_Schmerz_2019_digital.pdf
Weiterführende Informationen zum Projekt PAIN2020 gibt es hier: http://www.pain2020.de/