Design-Elememt

5. September 2017

Plattform leserlich.info

Design für sehbehinderte und sehende Menschen

 
Mit dem Projekt „Inklusives Design“ will der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) beweisen, dass Kommunikationsdesign sehbehindertengerecht und zugleich ansprechend für sehende Menschen sein kann.

Screenshot der Plattform leserlich.info. (© leserlich.info/Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband)
Kommunikation ist die Voraussetzung dafür, sich in der Welt zurechtzufinden und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Kommunikationsdesign hilft dabei, den Zugang zu Menschen, Wissen und der Welt zu öffnen. Freier Zugang zu Informationen ist daher auch eine zentrale Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention, die 2009 in Kraft trat. In Deutschland leben nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund eine Million sehbehinderte Menschen, die selbst mit Sehhilfen über weniger als 30 Prozent des normalen Sehvermögens verfügen. Angesichts des demografischen Wandels wird diese Zahl in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Aber auch „Normalsichtige“ profitieren bei ungünstigen Sichtverhältnissen, geringer Beleuchtung, Stress oder Leseschwächen von gut lesbarer Gestaltung. Durch inklusives Kommunikationsdesign werden Informationen für möglichst viele Menschen lesbar und verständlich gestaltet.

Arbeitsgruppe erarbeitet und testet Empfehlungen

Der DBSV hat unter Federführung von Prof. Florian Adler, Kommunikationsdesigner der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Experten für Design und Barrierefreiheit sowie Vertreter verschiedener Augenerkrankungen an einen Tisch gebracht. Am Anfang stand eine umfangreiche Literaturrecherche. Die darauf basierenden Empfehlungen sind in einem dreistufigen Verfahren überprüft worden – zunächst von Augenpatienten, sowie von einem erweiterten Kreis an Personen, die sich auf einen Aufruf im Verbandsmagazin des DBSV hin gemeldet haben. Im Anschluss wurden die Ergebnisse testweise im Verbandsmagazin „Sichtweisen“ des DBSV sowie auf der Webseite der Organisation umgesetzt.

Arbeitshilfe für Gestalter

Außerdem ist in den anderthalb Jahren Projektarbeit eine praxisnahe Arbeitshilfe für Profi-Gestalter und interessierte Laien entstanden: die Online-Plattform leserlich.info. Die Seite gibt praktische Tipps, wie Printprodukte und Webseiten gestaltet werden können, damit sie lesbar für Menschen mit einer Sehbehinderung sind. Dabei geht es um unterschiedliche Anforderungen an Schrift, Text und Bild, die Beschaffenheit von Druckträgern sowie das Design und die Bedienbarkeit von digitalen Medien. Leserlich.info gibt Empfehlungen zu Schriftarten und -größen, Abständen, Textanordnung und Kontrasten, erläutert fachliche Hintergründe und verweist auf vertiefende Quellen. Ein Schriftgrößen- und ein Kontrastrechner errechnet beispielsweise die konkreten Maße und Farbwerte für den jeweiligen Einsatz.

Das Projekt „Inklusives Design“ wurde von der Aktion Mensch gefördert und unter anderem von adlerschmidt, MSD, Santhera (Germany) und Novartis unterstützt.

Linktipps

Der Link zur Seite: www.leserlich.info

Weitere Tipps und Hinweise für die Gestaltung von Webseiten gibt es unter:
http://www.incobs.de/standards.html
http://bik-fuer-alle.de/das-projekt.html
Digitorial

Literaturtipps
Cover: "Gesundheitsselbsthilfe im Wandel"

"Gesundheitsselbsthilfe im Wandel. Themen und Kontroversen'" von Martin Danner, Rüdiger Meierjürgen
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Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Digital Health – Gesundheit neu denken" vom 26. - 27. 09. 2017 in München
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