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4. Januar 2018

Mehr als 900 Masernfälle im Jahr 2017

 
Bis zum 6. Dezember 2017 zählten die zuständigen Behörden im vergangenen Jahr 904 Masernfälle in Deutschland. Das erklärt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag. Demnach wird zudem die Anzahl der jährlichen masernassoziierten Todesfälle deutlich unterschätzt – vor allem bei Kindern.

(© shutterstock / Elvira Koneva)
Besonders häufig sei die Infektion unter Migranten aus der Europäischen Union gemeldet worden, die in ihren Heimatländern keine Schutzimpfung erhalten hatten. Auch die hohe Bevölkerungszahl und -dichte in Deutschland, der ausgeprägte Grenzverkehr sowie die vergleichsweise späte Masernimpfung bei Kindern gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission führten zu der hohen Anzahl an Masernfällen.

In den vergangenen zehn Jahren registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) der Bundesregierung zufolge insgesamt 10.524 Neuerkrankungen. Das RKI gehe jedoch davon aus, dass die Zahl der tatsächlich aufgetretenen Masernfälle höher liege, heißt es. Drei Personen seien an den Folgen der Infektion gestorben, 16 Patienten erlitten eine Gehirnentzündung, die statistisch in 20 bis 30 Prozent der Fälle zu bleibenden Schäden führe. Bei 664 Betroffenen habe es sich um Kinder gehandelt, die zum Zeitpunkt der Erkrankung jünger als zwölf Monate waren.

Zwar sei keiner der Säuglinge unmittelbar zu Tode gekommen, die Statistik berücksichtige jedoch nicht jene Kinder, die an einer masernassoziierten subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) verstarben. Hierbei handelt es sich der Regierung zufolge um eine Erkrankung des Gehirns, die Jahre nach der Maserninfektion vor allem bei solchen Kindern auftritt, die zum Zeitpunkt der Erkrankung besonders jung waren. Die SSPE verlaufe immer tödlich.

Masern: viele Todesfälle durch Impfung vermeidbar

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden zwischen 2007 und 2015 insgesamt 280 SSPE-Fälle diagnostiziert. „Unter Berücksichtigung weiterer Daten aus Deutschland und internationalen Studien geht das RKI von einer deutlichen Untererfassung der masernassoziierten jährlichen Todesfälle aus“, schreibt der Bund. Zwischen 2007 und 2017 seien nach Schätzungen des RKI rund 190.000 Menschen in Deutschland an Erkrankungen gestorben, gegen die eine wirksame Schutzimpfung verfügbar ist.

Eine Impfpflicht lehnt die Regierung dennoch weiterhin ab und verweist auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit gemäß Grundgesetz. Eine Schutzimpfung dürfe nur dann vorgenommen werden, wenn die zu impfende Person vorher in den medizinischen Eingriff eingewilligt habe. Im Infektionsschutzgesetz seien insbesondere für die Impfprävention eine Reihe von Instrumenten verankert, die dazu dienten, die Fähigkeit der Menschen zur eigenverantwortlichen Entscheidung zu stärken.

Impfbereitschaft grundsätzlich positiv

Die Impfbereitschaft in der Bevölkerung bewertet die Bundesregierung grundsätzlich positiv. Bestehende Impflücken führt sie vor allem auf Nichtwissen, Vergesslichkeit oder Angst vor möglichen Nebenwirkungen zurück. Zumindest was Impfschäden betrifft, scheinen die Bedenken wenig begründet: Zwischen 2005 und 2009 seien lediglich 169 Anträge auf Anerkennung eines Impfschadens bewilligt worden. Darunter fallen jedoch neben vorübergehenden Impfschäden und Impfkomplikationen mit bleibender Beeinträchtigung auch nur mittelbar mit der Immunisierung zusammenhängende Ereignisse wie etwa Wegeunfälle, stellt die Regierung klar. Rückschlüsse auf die Schwere der Schädigung ließe die formale Anerkennung eines Impfschadens ebenfalls nicht zu.
Digitorial

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