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20. Juni 2017

Allianz

Mehr Gesundheitswissen für Deutschland

 
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat mit Vertretern von Krankenkassen, Ärzte- und Pflegeverbänden, Apothekern und Patientenorganisationen sowie der Bundesländer eine „Allianz für Gesundheitskompetenz“ gegründet. Im Zentrum der Maßnahmen steht, die kommunikativen Fähigkeiten der Beteiligten zu verbessern: „Wir müssen die Sprache derjenigen sprechen, die wir erreichen wollen“, sagt Dr. Stefan Hofmeister von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (© pag/Fiolka)
„Wir brauchen dringend mehr verständliche Gesundheitsinformationen“, erklärt Gröhe. „Denn nur wer gut informiert ist, kann Gesundheitsrisiken vermeiden und im Krankheitsfall durch eigenes Verhalten zu einer erfolgreichen Behandlung beitragen.“ Doch es sei nicht immer einfach, im Dickicht der oft unverständlichen Gesundheitsinformationen den Durchblick zu bewahren. Der Minister zitiert eine aktuelle Studie, nach der mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland (rund 54 Prozent) nur über eine „eingeschränkte Gesundheitskompetenz“ verfügten. Sie hätten Schwierigkeiten, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, sie zu bewerten und die richtigen Entscheidungen für eine gesunde Lebensweise oder zur Krankheitsbewältigung zu treffen. Insbesondere ältere Menschen, chronisch Kranke sowie Patienten mit geringem Bildungsstatus oder Migrationshintergrund seien betroffen. Eine bessere Gesundheitskompetenz zahle sich für den Einzelnen, aber auch für das Gemeinwesen aus: Nach Schätzungen der WHO würden drei bis fünf Prozent der Gesundheitsausgaben durch eine unzureichende Gesundheitskompetenz verursacht, so Gröhe weiter. Allein für Deutschland bedeute dies etwa 9 bis 15 Milliarden Euro.

Jeder übernimmt Maßnahmen in seinem Zuständigkeitsbereich

Die Partner der Allianz für Gesundheitskompetenz (© BMG/Michael Schinkel)
Die Partner der „Allianz für Gesundheitskompetenz“ verpflichten sich in der gemeinsamen Erklärung, in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitswissens zu entwickeln und umzusetzen. Die wichtigsten Handlungsfelder sind die Verbesserung der Gesundheitsbildung, gute Gesundheitsinformationen und Entscheidungshilfen, vor allem auch im Internet, sowie mehr Verständlichkeit im Arzt-Patienten-Gespräch, aber auch in allen anderen Gesundheitsberufen. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) selbst will für gute Gesundheitsinformationen im Internet sorgen und hat dazu dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) den Auftrag erteilt, ein Konzept für ein nationales Gesundheitsportal zu erarbeiten. Einen Beitrag zu einer höheren Gesundheitskompetenz leiste auch der Innovationsfonds, legt Gröhe dar, neun Projekte hätten sich diesem Ziel verschrieben. Unter ihnen auch eine Initiative des Befundübersetzers „Was hab ich“: Patienten erhalten nach einem Krankenhausaufenthalt einen laienverständlichen Entlassbrief. Bisher gebe es dazu ein Pilotprojekt mit einer Klinik, erläutert Geschäftsführer Ansgar Jonitz.

Kommunikationsfähigkeit entscheidende Voraussetzung

Georg Baum, Deutsche Krankenhausgesellschaft (© pag/Fiolka)
Viele der Allianz-Partner heben auf die Rolle der Kommunikation ab. „Die Bedeutung einer guten und patientensicheren Kommunikation im Gesundheitswesen haben wir in der Vergangenheit vielfach nicht ausreichend beachtet. Stimmt die Kommunikation nicht, dann steht die Patienteninformation und -sicherheit auf wackligen Füßen“, sagt zum Beispiel Franz Wagner, Vize-Präsident des Deutschen Pflegerats (DPR). Kommunikative Kompetenzen müssten in den Lehrplänen und Schulungen stärker verankert werden. „Informationen auf Augenhöhe in verständlicher Sprache sind Grundlage, um die Patienten in eine eigenverantwortlichere und entscheidungsfähige Situation zu versetzen", sagt auch Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Er verweist auf das Projekt „Keine Keime“: Die Hygiene-Initiative der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen verfolge das Ziel, Mitarbeiter, Patienten und die Öffentlichkeit über Keime, Krankenhaushygiene und wirksame Schutzmaßnahmen wie Handhygiene aufzuklären. Dies geschehe zum Beispiel anhand von Broschüren, Plakaten, Informationsvideos oder verschiedenen Ausstellungsformaten.

Friedemann Schmidt, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), beleuchtet die Rolle der Apotheker. Sie hätten einen sehr niedrigschwelligen Zugang zu Patienten. Um ihn besser nutzen zu können, müssten sie die Ausbildung in patientengerechter Sprache weiter verbessern. Auch Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), betont, dass Ärzte soziale und kommunikative Kompetenzen bereits regelhaft im Medizinstudium lernen sollten, um Patienten die Informationen zu vermitteln, die sie benötigen. „Wir müssen die Sprache derjenigen sprechen, die wir erreichen wollen“, bringt es Dr. Stefan Hofmeister von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) auf den Punkt.

Gesundheitsunterricht für Kinder

Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (© pag/Fiolka)
Montgomery geht jedoch auch auf einen anderen Aspekt ein: die frühzeitige Kompetenzvermittlung in der Bevölkerung. „Wir müssen Gesundheit und gesundheitliche Kompetenzen im Kindes- und Jugendalter fördern, damit Kinder und Jugendliche körperliche und seelische Prozesse besser verstehen können und zu einer gesunden Lebensführung motiviert werden“, sagt er. Gesundheitsrelevante Themen sollten in die Ausbildung von Lehrern und Erziehern sowie in die schulischen Lehrpläne aufgenommen werden. Denkbar seien projektbezogener Unterricht, eigene Unterrichtseinheiten sowie ein eigenes Schulfach „Gesundheit“. „Hier ist die Kultusministerkonferenz gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagt er. Die Landesärztekammern unterstützten schon jetzt mit strukturierten Programmen mehrere Schulen beim gesundheitsbezogenen Unterricht.

Wissen über Mundgesundheit inzwischen weit verbreitet

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) macht auf die Bedeutung der Mundgesundheit aufmerksam. Informierte, aufgeklärte Patienten könnten am meisten zu ihrer Mundgesundheit beitragen. Zu einer umfassenden Aufklärung der Versicherten durch den Zahnarzt gehörten neben Erläuterungen zur richtigen Mundpflege und zu möglichen Behandlungsalternativen auch Erklärungen des zahnärztlichen Versorgungssystems, zum Beispiel zu Festzuschüssen und Eigenanteilen beim Zahnersatz. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Vermeidung frühkindlicher Karies, eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kleinkind- und Vorschulalter. „Eltern und Betreuer können für die Zahngesundheit der Kinder schon früh wichtige Weichen stellen. Daher ist es uns ein besonderes Anliegen, mit unserer Strategie in diesem wichtigen Versorgungsbereich zusätzliche Akzente zu setzen“, sagt der KZBV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Eßer. Das breit verankerte Bewusstsein der Bevölkerung für die Bedeutung der Mundgesundheit sei ein gutes Bespiel dafür, wie die Stärkung von Gesundheitskompetenz zu einem insgesamt verbesserten Gesundheitszustand beitragen kann. So zeige etwa die „Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie“, dass jedes zweite Kind und jeder dritte Erwachsene die Empfehlungen zur Mundpflege kennt.

Die 14 Partner für mehr Gesundheitskompetenz

Neben dem BMG beteiligen sich an der Allianz: die Gesundheitsministerkonferenz der Länder, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Bundesärztekammer, Bundeszahnärztekammer, Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, BAG Selbsthilfe, Deutsche Krankenhausgesellschaft, Deutscher Pflegerat, Gemeinsamer Bundesausschuss, GKV-Spitzenverband, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Verbraucherzentrale Bundesverband, Verband der Privaten Krankenversicherung.
Digitorial

Literaturtipps
Cover Selbsthilfefreundlichkeit

"Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen. Wie sich selbsthilfebezogene Patientenorientierung systematisch entwickeln und verankern lässt'" von Alf Trojan u.a.
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Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Kinderlosigkeit, Geburten und Familien – Ergebnisse des Mikrozensus 2016" am 26.7.2017 in Berlin
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