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7. September 2017

Antibiotika-Resistenzen

56 Millionen Euro für neue Medikamente

 
„Trotz der Gefahr durch weltweit zunehmende Antibiotika-Resistenzen sind in den letzten Jahrzehnten kaum neue Antibiotika auf den Markt gekommen“, kritisiert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bei einem Treffen der Geberländer für die Produktentwicklungspartnerschaft GARDP (Global Antibiotic Research and Development Partnership). Der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen soll nun mit 56,5 Millionen Euro vorangetrieben werden.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (© pag/Fiolka)
Ohne wirksame Antibiotika könnten Krebstherapien, chirurgische Eingriffe und Organtransplantationen nicht durchgeführt werden, erklärt das Bundesgesundheitsministerium. Auch die Versorgung von frühgeborenen Kindern sei auf wirksame Antibiotika angewiesen. Obwohl die weltweit zunehmenden Antibiotika-Resistenzen als eine der größten globalen Gesundheitsgefahren gelten, befänden sich kaum neue Wirkstoffe in der Entwicklung. In den letzten dreißig Jahren seien zahllose Antibiotika-Entwicklungsprogramme aufgrund der komplexen wissenschaftlichen Arbeit, unzureichender Kapitalrendite oder als Folge unternehmerischer Entscheidungen eingestellt worden. Die Folge: 700.000 Menschen würden jedes Jahr weltweit durch resistente Erreger sterben.

Große Finanzspritze für GARDP

Bereits in den Jahren 2016 und 2017 hatte die Bundesregierung die Förderung von GARDP um 1,35 Millionen Euro auf insgesamt 2,6 Millionen Euro aus dem Haushalt des Bundesgesundheitsministeriums aufgestockt. Zwischen 2018 und 2022 kommen vom Bundesforschungsministerium zusätzlich 50 Millionen Euro für die Forschung und Entwicklung von Antibiotika hinzu. Weitere Finanzspritzen erhält GARDP von den Niederlanden (5 Millionen Euro), von Großbritannien (1,1 Millionen Euro), von der Schweiz (440.000 Euro), von Südafrika (390.000 Euro), Luxemburg (100.000 Euro) und vom Wellcome Trust, der weltweit zweitreichsten Stiftung (1,1 Millionen Euro). „Wir wollen vier neue Therapien bis 2023 bereitstellen und somit zu einer Verbesserung der Lebensqualität aller Patienten beitragen, die bezahlbare und wirksame neue Antibiotika benötigen“, sagt Dr. Manica Balasegaram, Direktor der GARDP, der dankbar für die hohe Finanzhilfe ist. Die Partnerschaft zum Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen sei ein hervorragendes Beispiel dafür, was eine internationale Zusammenarbeit bewegen könne, betont CDU-Politiker Gröhe.

Dr. Manica Balasegaram, Direktor GARDP (© pag/Fiolka)
Unter deutscher Präsidentschaft haben sich die G20-Staaten im Jahr 2017 deshalb dazu verpflichtet, den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen gezielt voranzutreiben und die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapiemethoden und Impfstoffe zu verstärken. Dazu gehört auch die Unterstützung von Produktentwicklungspartnerschaften. Die finanzielle Unterstützung von GARDP sei ein weiterer wichtiger Schritt zur Umsetzung der Berliner Erklärung der G20-Gesundheitsminister, erläutert Gröhe. GARDP wurde im Mai 2016 als gemeinnützige Forschungs- und Entwicklungsinitiative auf Betreiben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Drugs for Neglected Diseases initiative (DNDi) gegründet und durch die Bundesregierung und andere Staaten gefördert.

Unterstützung für vier Programme

Mit der nun zugesagten Finanzierung werden vier Programmbereiche unterstützt:

  • Sexuell übertragbare Krankheiten:
    GARDP hat eine Roadmap zur Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten entwickelt. Im Rahmen ihrer ersten Partnerschaft mit einem Wirtschaftsunternehmen gab GARDP im Juli 2017 ihre Pläne zur gemeinsamen Erprobung von Zoliflodacin in einer globalen klinischen Phase-III-Studie bekannt. Es handelt sich um eines der wenigen in der Entwicklung befindlichen Medikamente zur Behandlung arzneimittelresistenter Gonorrhö. Laut jüngsten WHO-Daten wird eine Behandlung von Gonorrhö durch die steigende Zahl von Antibiotika-Resistenzen gegen den Erreger (Neisseria gonorrhoeae) immer schwieriger und teilweise unmöglich.


  • Wiederherstellung des Antibiotika-Gedächtnisses:
    Für dieses Programm konnten über 100 Experten mit entscheidenden Kenntnissen über aufgegebene Antibiotika-Entwicklungsprojekte gewonnen werden, die für die Entwicklung neuer Antibiotika genutzt werden können. Um den Austausch von Experten und Nachwuchsforschern zu ermöglichen, wurde für das Programm die digitale Plattform REVIVE eingerichtet.


  • Neugeborenen-Sepsis:
    Geschätzte jährliche 214.000 Todesfälle weltweit infolge von Neugeborenen-Sepsis gehen auf arzneimittelresistente Infektionen zurück. Ende 2017 wird GARDP ihre Arbeit zur Entwicklung neuer Therapien für Säuglinge mit Neugeborenen-Sepsis aufnehmen, ein globales Netzwerk aus Fachzentren einrichten und eine Evidenzbasis für die Anwendung von Antibiotika bei Infektionskrankheiten Neugeborener schaffen.


  • Pädiatrische Antibiotika-Plattform:
    Dieses noch in der Entwicklung befindliche Programm zielt auf die Verbesserung bestehender Therapien und die Beschleunigung der Entwicklung neuer Antibiotika, die speziell auf Kinder zugeschnitten sind. Voraussichtlich wird das Forschungs- und Entwicklungsprogramm ein Netzwerk aus klinischen Studien beinhalten.


Weitere Informationen unter

www.bundesgesundheitsministerium.de
www.bundesforschungsministerium.de
www.gardp.com
Digitorial

Literaturtipps
Cover Spork

"Gesundheit ist kein Zufall.'" von Peter Spork
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zum Beispiel: "11. Nationaler Qualitätskongress Gesundheit" vom 27.-28.11.2017 in Berlin
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