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27. April 2017

Tropenkrankheiten

Pharmaunternehmen verstärken ihr Engagement

 
Vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs) gehören zu den schmerzvollsten Krankheitsbildern und betreffen vor allem die Ärmsten der Armen. Staats- und Regierungschefs sowie große Pharmaunternehmen haben jetzt ihre Verpflichtung zur Ausrottung der NTDs bekräftigt.

(© WHO/E. Soteras Jalil)
Zu den NTDs gehört beispielsweise das Trachom, eine bakterielle Erkrankung des Auges, oder die chronische Infektionskrankheit Lepra. Viele der Betroffenen leben in großer Armut und können sich entsprechende ärztliche Behandlungen nicht leisten.

Mitte April trafen sich Regierungsvertreter, Pharmaunternehmen sowie gemeinnützige Organisationen auf einem mehrtägigen Gipfel in Genf, um das weitere Vorgehen und die Finanzierung von Projekten im Bereich NTDs zu besprechen. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, sei es das Ziel, NTDs unter Kontrolle zu bringen oder ganz auszurotten. Ein aktueller Bericht der WHO zeigt zudem auf, dass es deutliche Fortschritte bei der Behandlung und Eliminierung von NTDs gibt.

Ken Frazier, Vorsitzender und CEO von MSD:
„Wir feiern stolz den Fortschritt, der von allen Partnern auf dem fünften Jahrestag der Londoner Erklärung gemacht worden ist. MSD engagiert sich in seiner 30 Jahre langen Partnerschaft durch das Mectizan Donation Programm, damit Menschen mit Medikamenten versorgt werden, die an Flussblindheit und LF leiden und trägt somit an die globalen Eliminierungsziele bei.“


Fünf Jahre ist es her, dass sich öffentliche Sektoren gegenüber der WHO verpflichtet haben, innerhalb der „Londoner Erklärung“ Ziele zur Kontrolle, Beseitigung und gänzlichen Ausrottung von zehn NTDs festzusetzen – in dieser Zeit haben Pharmaunternehmen Milliarden von Medikamenten gespendet, die in fast 150 Länder geliefert wurden, so dass im Jahr 2015 fast eine Milliarde Menschen von den Spenden profitieren konnten.

Erkrankungen weit verbreitet
Wie Zahlen der WHO aufzeigen, sind NTDs ein weit verbreitetes und gravierendes Problem: Einer von sechs Menschen weltweit leidet an NTDs, darunter mehr als eine halbe Milliarde Kinder. „NTDs führen zu schweren Einschränkungen und Behinderungen, schwächen die Betroffenen und sind Mitursache für den ewigen Teufelskreis der Armut. Sie sind letztendlich ein Grund, dass Kinder nicht zur Schule gehen und Erwachsene nicht arbeiten können und verringern die Hoffnung auf jede Chance für wirtschaftliches Wachstum“, zählt die WHO auf.

Joe Jimenez, CEO von Novartis:
„Wir werden weiterhin Hand in Hand mit unseren Partnern zusammenarbeiten, um die Übertragung von Lepra vollkommen zu stoppen. Unser Ziel ist es, dass Lepra der Vergangenheit angehören soll.“


Wie nun der WHO-Bericht „Integrating Neglected Tropical Diseases in Global Health and Development“ aufzeigt, konnte von 2011 bis 2015 die Zahl derjenigen, die von einer gespendeten Behandlung profitieren konnten, um 36 Prozent gesteigert werden: „Da mehr Regionen, Länder und Gebiete NTDs ausrotten, ist die Anzahl der Menschen, die behandelt werden müssen, von zwei Milliarden im Jahr 2010 auf 1,6 Milliarden im Jahr 2015 gesunken“, sagt die WHO.

Krankheiten effektiv bekämpfen
(© WHO/E. Soteras Jalil)
Die WHO nennt die Krankheiten und die bislang erreichten Erfolge im Einzelnen: So haben im vergangenen Jahr acht Länder die lymphatische Filariose (LF), die auf die Infektion mit parasitischen Fadenwürmern zurück geht, eliminiert – zehn weitere Länder warten auf die Ergebnisse der Überwachung, um die Ausrottung der Krankheit zu bestätigen. Bei der afrikanischen Trypanosomiasis, auch bekannt unter „Schlafkrankheit“, gab es in 2015 mit 3.000 die geringste Zahl berichteter Fälle: Das entspricht einer Abnahme um 89 Prozent seit 2000. Bei der Infektionskrankheit viszerale Leishmaniose (VL) gab es in Indien, Nepal und Bangladesch seit 2008 einen Rückgang um 82 Prozent. Die Dracontiasis – Medinawurmerkrankung – stehe laut WHO kurz vor der Ausrottung: Im Jahr 1986 gab es schätzungsweise noch 3,5 Millionen Fälle dieser Erkrankung weltweit, 2016 konnte diese Zahl auf nur noch 25 Fälle in drei Ländern reduziert werden – das waren Tschad, Äthiopien und Südsudan.

Spendenbereitschaft ist groß
Die Spendenbereitschaft, um NTDs in den Griff zu bekommen, scheint indes hoch, so sagte die Bill & Melinda Gates Stiftung für die nächsten vier Jahre 335 Millionen US-Dollar zu, um verschiedene NTD-Programme zu unterstützen. Diese Initiativen kümmern sich um die Entwicklung und Versorgung mit Arzneimitteln oder die Überwachung der Krankheiten. Weiterhin versprach die belgische Regierung eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 27 Millionen US-Dollar. Diese Summe soll über die nächsten neun Jahre verteilt für die Ausrottung der Schlafkrankheit in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) verwendet werden. Weiterhin will die Firma Vestergaard eine erhebliche Anzahl mit Insektiziden behandelte Fliegenfallen spenden. Zugpferd für diese Spendenbereitschaft ist die britische Regierung, die sich verpflichtet hat, fast 450 Millionen US-Dollar über die nächsten fünf Jahre für die Kontrolle und Bekämpfung von NTDs zu spenden.

Olivier Brandicourt, CEO von Sanofi:
„Sanofi hat eine langjährige Verpflichtung, sich für die Verringerung der Krankheitslast von NTDs einzusetzen. Seit 2001 haben das Unternehmen und die WHO eine etablierte Partnerschaft, die die Versorgung mit Medikamenten und die Finanzierung von Überwachungsprogrammen beinhält. Sanofi wird weiterhin eine wichtige Rolle bei der Ausrottung der Schlafkrankheit spielen.“


Die Spenden von zehn Pharmaunternehmen werden in den Jahren 2012 bis 2020 auf einen Betrag von etwa 19 Milliarden Dollar geschätzt. Die Unternehmen spenden aber nicht nur Medikamente, sondern arbeiten auch mit Forschungsinstituten zusammen, um neue Wege zu entwickeln, um NTDs zu verhindern, zu diagnostizieren und zu behandeln.
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