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Junge Patienten: Krebserkrankung führt in finanzielle Notlage

Im Februar 2018 wurde bei Katharina im Alter von 25 Jahren Brustkrebs entdeckt, kurz darauf bekam sie die Diagnose der BRCA1-Mutation. Die angehende Lehrerin war am Beginn ihres Referendariats, als sie abbrechen und Hartz IV beantragen musste.

Trägt die BRCA1-Mutation in sich: Die angehende Grundschullehrerin Katharina.Katharina arbeitet erst seit fünf Tagen in einer Grundschule als Referendarin, als sie vor dem Schlafengehen einen kleinen Knoten in ihrer Brust entdeckt. Sie spürt ihn deutlich, 1,5 Zentimeter ist er schon groß. Da sie noch keinen Gynäkologen in der Stadt hat, muss sie einige Frauenärzte anrufen, um einen Termin zu bekommen. „Es war der fünfte Gynäkologe, den ich am Telefon hatte, zu dem ich kommen konnte“, sagt sie. „Bei jungen Erwachsenen wird immer gesagt: Das ist halt so, das ist nichts Bösartiges. Der Gynäkologe erklärte: Machen Sie sich keine Sorgen. Ich hatte noch nie eine Patientin in Ihrem Alter, bei der es etwas Bösartiges war.“ Er hat Unrecht. Nach der Biopsie ist klar: Es ist etwas Bösartiges und war innerhalb einer Woche um einen halben Zentimeter gewachsen. Jetzt musste schnell gehandelt werden. Die Behandlung: 16 Chemotherapien von März bis November, 25 Bestrahlungen und das beidseitige Entfernen der Brüste – die sogenannte Mastektomie. Ein Gen-Test zeigt, dass sie die BRCA1-Mutation in sich trägt und dauerhaft ein hohes Risiko hat, durch den Krebs zu sterben. Die Mastektomie soll das verhindern.

Dauerhaft Hochrisikopatientin

Doch damit ist die Gefahr nicht gebannt, denn durch die Genmutation ist auch ihr Risiko erhöht, an Eierstockkrebs zu erkranken. Alle drei Monate muss sie nun zur Kontrolle – mit Ultraschall und Krebsabstrich. „Man muss als Patient trotzdem bei allem hinterher sein“, warnt sie. Vor der Chemotherapie lässt sie sich Eierstockgewebe entfernen und einlagern. „Ich wollte immer Kinder haben und das möchte ich auch noch immer“, erzählt die angehende Lehrerin. Sich die Eierstöcke entfernen zu lassen, dafür fühlt sie sich noch zu jung. Um die Lagerungskosten der Kryokonservierung von 250 Euro im Jahr stemmen zu können, leiht sie sich Geld.

Familiär bedingter Brustkrebs

Zum ersten Mal taucht etwa ein dreiviertel Jahr vor Katharinas Diagnose ein Brustkrebsfall in ihrer Familie auf. Ihre Tante väterlicherseits ist erkrankt. Aufgrund ihres Falls lässt diese einen Gentest machen. Wie Katharina trägt sie die BRCA1-Mutation in sich. Das Gefühl, geheilt zu sein, hat Katharina nicht: „Weil ich immer weiß, dass ich diese Mutation habe. Aber jetzt ist alles erst einmal auf einem guten Stand.“ Sie resümiert: „Wäre ich nicht so aufmerksam gewesen und hätte ich mich nicht selbst abgetastet, dann wäre das ganze anders ausgegangen. So hatte ich gute Heilungschancen.“

Finanzielle Sorgen durch die Erkrankung

Doch es gibt noch eine andere Seite der Erkrankung, die für Katharina schwer zu ertragen ist: die finanziellen Probleme. Nach dem Abbruch ihres Referendariats muss sie sich sofort beim Jobcenter melden und Hartz IV beantragen. Außerdem spürt sie den Druck, etwas falsch zu machen, denn sie hat in diesen Zeiten ganz andere Sorgen, als lange Anträge auszufüllen. Finanzielle Sorgen treiben sie durch die gesamte Therapie: „Mit Hartz IV kann man überleben, aber nicht leben“, sagt sie. Während Freunde Urlaub oder Ausflüge machen, kann sie nie teilnehmen, weil ihr das Geld fehlt, „auch wenn es für die Psyche und den sozialen Kontakt absolut nötig gewesen wäre“, erzählt sie rückblickend. Durch die Therapie und Cortison legt sie auch sehr stark an Gewicht zu: „Das heißt, dass du alle paar Wochen neue Klamotten brauchst. Dann stehst du da und hast aber kein Geld. Auch Kleidung ist wichtig für die Psyche und die Psyche ist wichtig, um das alles durchzustehen. Das ist ein riesiger Kreislauf.“

Katharina wünscht sich Übergangslösungen

Seit August ist sie nun wieder im Job, jedoch brauchte sie durch Hartz IV alle Rücklagen auf. „Und da man im Referendariat nicht besonders viel verdient, bleiben die finanziellen Sorgen,“ erzählt sie. Besonders verheerend sei, dass man mit Hartz IV keine Möglichkeiten habe, über Wiedereingliederungsmodelle wie das Hamburger Modell in die Berufswelt zurückzukehren. „Das erschwert die Reintegration in ein normales Leben, denn man muss als Referendarin plötzlich wieder 100 Prozent geben.“ Was sich Katharina wünscht? Dass niemand dafür bestraft wird, wenn er lebensbedrohlich erkrankt: „Da muss die Politik etwas ändern. Und auch, dass Übergangslösungen gefunden werden für Leute wie mich und Einstiegsmodelle. Und die Zuzahlungsbefreiung fände ich auch traumhaft, das sind teilweise krasse Summen.“