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Strategien für dunkle Herbsttage

Der Herbst ist da und der Winter naht mit großen Schritten, dazu eine Pandemie und immer wieder neue Regeln, ein Lockdown – alles Dinge, die uns alle, egal ob Mensch mit einer Erkrankung lebend oder gesund, negativ belasten.

Alles ist im Umbruch, es herrscht oft Frustration und die üblichen „Herbstsymptome“ werden zur ausgewachsenen Depression. Bedingt durch die Einschränkungen sind wir mehr denn je an unseren Haushalt gebunden, ins Freie zu entfliehen und in der Sonne zu sitzen ist im Herbst nicht mehr so oft möglich. Gerade für Menschen, die mit einer chronischen Erkrankung leben, kann die Situation besonders schwierig und belastend werden. Sie erfordert noch mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für sich selbst. Für die Seele sowie für den Körper. Birgit Bauer, Journalistin, Bloggerin und Expertin in Social Media und Digital Health, lebt mit MS und stellt Strategien vor, wie man Haus und Leben mit einer Erkrankung gut organisiert und trotz aller Widrigkeiten auch schöne Momente erlebt. Unterstützt wird sie dabei von Coach und Sophrologin Dr. Nadja Feddermann. Bereits im Juli haben die beiden Tipps, gegeben, wie man nach Corona ins normale Leben zurückfindet.

Sich etwas Gutes tun

Belohnen Sie sich auch für kleine Dinge. Genießen Sie die sonnigen Herbsttage mit einer Extrarunde im Park, gönnen Sie sich eine kleine Nascherei oder beschenken Sie sich mit einer Kleinigkeit. Der Herbst ist die Zeit des Erntens und der einkehrenden Ruhe, unser Körper braucht jetzt Fürsorge. Hören Sie in sich und geben einfach mal nach. Geben Sie ihrem Körper das, was er braucht.

Routinen und positive Dinge geben Kraft

Denken Sie einfach mal darüber nach, ob es nicht auch positive Aspekte dieser seltsamen Zeit gibt, die Ihnen fehlen würden, falls Sie morgen in das alte Leben zurückmüssten. Vielleicht haben Sie unbewusst Routinen entwickelt, oder Dinge gemacht, auch Menschen online getroffen, die Ihnen guttun? Das kann eine Tasse Tee am Vormittag sein, das Innehalten für einen Moment am Nachmittag oder ein Ritual vor dem Schlafengehen. Halten Sie sich an diese Ressourcen, sie geben Kraft und helfen uns, Dinge positiv zu sehen.

Schaffen Sie sich Pausen

„Das klingt zunächst seltsam, aber ich sehe oft bei meinen Klienten, dass Pausen hinausgezögert werden“, berichtet Nadja Feddermann. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Pausen und Zeiten der Ruhe oft eine Herausforderung sind. Besonders für Patienten. Oft ist der Alltag hektisch und belastend, denn da sind die Sorgen in Bezug auf das Coronavirus, das oft für verschobene Arzttermine sorgt oder auch Therapiefragen aufkommen lässt. Dazu kommt: Viele von uns trauen sich nicht zu, einfach einmal „grundlos“ anzuhalten.

Birgit Bauer, Social Media & Digital Health Expertin und Journalistin„Ich arbeite oft mit meinen Klienten daran, sich selber zu erlauben, eine Pause zu machen. Pausen sind nicht dazu da, E-Mails zu checken, sondern um eben dieses nicht zu tun, das muss man üben“, so die Expertin. Es ist wichtig, sich bewusst Auszeiten und Pausen in den Terminkalender zu schreiben und diese deutlich zu kommunizieren. Gerade wenn man mit einer chronischen Erkrankung lebt, ist Zeit für sich und zum Ausruhen ein wichtiger Punkt und man erkennt, dass die Welt nicht in zehn Minuten untergehen wird.

Wenn einem die Decke auf den Kopf fällt…

Oft spielt das Wetter nicht mit, ein Spaziergang ist nicht immer drin. Aber ein Buch, ein Bildband oder eine gute Dokumentation lassen das Reisen im Kopf zu. Oder sprechen Sie online mit Freunden in der ganzen Welt über deren Umgebung. So reist es sich bequem und ohne Risiko, aber mit einer neuen Perspektive. Lässt das Wetter es zu, packen Sie sich warm ein und machen Sie einen Spaziergang im Tageslicht. Das ist auch in Corona Zeiten erlaubt und man kann, mit Abstand sogar Freunde treffen und gemeinsam einen Spaziergang machen. Das hilft eine neue Perspektive zu gewinnen und Neues in der eigenen Gegend zu entdecken.

Übrigens, auch Patientenorganisationen bieten immer wieder Chats und Diskussionsrunden online an, an denen man teilnehmen und sich austauschen kann. Auch lokale Selbsthilfegruppen können hier vermitteln.

Meditation hilft

Regelmäßige Meditationen sind nachgewiesen förderlich für die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden. Es ist erwiesen, dass durch tägliche Meditations- oder Entspannungsübungen in Kombination mit Pausen das Immunsystem gestärkt wird. Ebenso – und das ist für Menschen mit neurologischen Defiziten interessant – ist bekannt, dass Mediation kognitive und körperliche Fähigkeiten verbessern kann. Es braucht etwas Übung, kann aber sehr einfach erlernt werden. Zum Beispiel mit einer App oder in einem Onlinekurs.

Tun was glücklich macht

Was macht Sie glücklich? Tut man etwas, was einen glücklich macht, hilft das, von belastenden Konversationen in Social Media abzuschalten und sich zu entspannen. Oft sind die Diskussionen unangenehm, beleidigend und emotional belastend. Daher ist es hilfreich, regelmäßig, zum Beispiel am Wochenende, Social Media zu reduzieren, sich den Moment für sich zu nehmen und ein gutes Buch zu lesen oder etwas zu tun, was Sie glücklich macht.

Wenn es gar nicht geht…

Eine gute Hilfe kann auch Coaches oder Psychologen geben, die online für ihre Klienten da sind. „Aus Erfahrung weiß ich, dass Coachings online sehr gut klappen. Der Abstand bleibt gewahrt und Menschen, die eingeschränkt in ihrer Mobilität sind, haben uneingeschränkt Zugang und müssen keine weiten und beschwerlichen Wege zurücklegen. Generell ist es dem Coachee erlaubt, dort zu sein, wo er oder sie sich wohlfühlt“, so Nadja Feddermann. Sie empfiehlt, sich Ziele zu setzen und mit Meilensteinen zu arbeiten. Das lässt Zeit, Erreichtes zu betrachten und in eigenem Tempo vorwärts zu gehen.

Es ist an uns, vom Durchhaltemodus in eine langfristige Denke umzuschalten. Nicht mehr die Zähne zusammenzubeißen, bis Corona vorbei ist, sondern langfristige Strategien zu entwickeln, die ein einigermaßen angenehmes Leben trotz aller Widrigkeiten zulassen. Dies erlaubt uns auch neue Wege für die Zukunft ohne das Virus. Es gilt, nicht nur den Schrecken zu sehen, sondern, sich auf die eigenen Werte zu besinnen und auszuwählen, was man davon behalten will. So lässt sich das Leben verändern ohne die wirklich lieb gewordenen Dinge einfach zu verwerfen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine gute Zeit und bitte, bleiben Sie gesund!

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