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Pharmafirmen unterstützen die Selbsthilfe mit fünf Millionen Euro

Die Pharmaunternehmen, die Mitglieder des Vereins „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie“ (FSA) sind, haben im Jahr 2016 Patientenorganisationen mit rund 5 Millionen Euro unterstützt. Dies entspricht deutlich weniger als 10 Prozent der jährlichen Zuwendungen, die die Organisationen beispielsweise von den gesetzlichen Krankenkassen erhalten.

Dr. Holger Diener, Geschäftsführer des FSA„Der FSA steht für nachhaltige Transparenz. Diesen Weg gehen wir konsequent mit unseren Mitgliedern – zum Wohle der Patienten“, erklärt FSA-Geschäftsführer Dr. Holger Diener. „Die Offenlegung und Nachvollziehbarkeit der Daten schaffen Vertrauen und bekämpfen Misstrauen.“ Fünf Millionen Euro (2015: 5,8 Millionen Euro) seien ein adäquater Beitrag, mit dem die Pharmafirmen die notwendige Zusammenarbeit mit den Patientenorganisationen unterstützen, heißt es seitens des FSA. Denn oftmals könnten Veranstaltungen mit Betroffenen und ihren Angehörigen oder vergleichbare Austauschforen nur aufgrund dieser Förderung stattfinden und wären ohne die Unterstützung der Unternehmen nicht finanzierbar. Dies stärke das Verständnis und den notwendigen Austausch zwischen den Patienten mit ihrem gelebten Wissen um die Krankheit und den Unternehmen, die mit der Entwicklung neuer und innovativer Arzneimittel ihren Beitrag bei der Therapie leisten.

Verbindlicher Kodex für die Zusammenarbeit
Die Mitglieder des FSA haben bereits 2008 im FSA-Kodex Patientenorganisationen verbindliche Regeln für die Zusammenarbeit mit diesen Gruppen beschlossen. Basierend auf diesem Kodex informieren die FSA-Mitglieder seit 2009 die Öffentlichkeit jährlich über alle Zuwendungen an Selbsthilfeorganisationen in Form und Höhe. Dazu zählen etwa finanzielle Leistungen sowie die Unterstützung von Patientenveranstaltungen oder der Druck von Informationsmaterialien. Alle Zuwendungen werden von den Unternehmen schriftlich dokumentiert, so dass Einzelfälle leicht nachvollziehbar sind. Neben der Transparenzliste mit den Verlinkungen zu den Veröffentlichungen der einzelnen Unternehmen steht in diesem Jahr zum zweiten Mal zusätzlich eine Datenbank zur Verfügung, in der die Daten der Pharmaunternehmen nach Empfänger, Höhe und Zweck der Zuwendungen nutzerfreundlich durchsuchbar sind.

Patientenorganisationen begrüßen Transparenz
Dr. Martin Danner, Geschäftsführer der BAG Selbsthilfe, begrüßt die Transparenzbestimmungen des FSA auch aus Sicht der Patientenorganisation: „Die Arbeit der Selbsthilfeorganisationen chronisch kranker und behinderter Menschen wird vor allem durch das ehrenamtliche Engagement der Betroffenen getragen. Viele Unterstützungs- und Beratungsangebote könnten aber nicht ohne eine hinreichende finanzielle Grundlage realisiert werden“, sagt er. Es sei zu begrüßen, dass sich neben der öffentlichen Hand, gesetzlichen Krankenkassen und anderen Förderern auch die Pharmaunternehmen hier engagieren. Wichtig sei, dass die Zusammenarbeit auf Augenhöhe stattfindet und von außen klar nachvollziehbar ist. Die Offenlegung fördere diese Vertrauensbildung und sichert die Neutralität und Unabhängigkeit der Organisationen.

Austausch ist Win-Win-Situation
Der Austausch zwischen Industrie und Patienten ist eine Win-Win-Situation: Die Organisationen der Patienten erhalten Unterstützung und Hilfestellung, die Unternehmen wiederum bekommen Einblicke in Krankheitsbilder und Praxiserfahrungen bei der Anwendung von Arzneimitteln, welche wiederum wertvolle Erkenntnisse für die Forschung liefern. Dabei gewährleisten sowohl der Kodex des FSA als auch die entsprechenden Vorgaben der Patientenselbsthilfe, dass bei den Kooperationen neben den gesetzlichen Vorgaben wie dem Heilmittelwerberecht weitergehende klare Spielregeln eingehalten werden. Der Transparenzgedanke bestimmt seit jeher das Handeln der FSA-Mitgliedsunternehmen. Die Offenlegung der Zuwendungen an Patientenorganisationen hat sich in den vergangenen sieben Jahren in der Branche etabliert und zum Standard entwickelt.

Auch Leistungen an Ärzte veröffentlicht
Die FSA-Mitglieder sind noch einen Schritt weitergegangen und haben diese Regelungen auch auf den ärztlichen Bereich übertragen. Wie der FSA im Juni mitgeteilt hat, betrugen die Leistungen der 54 FSA-Mitgliedsunternehmen an Ärzte, Fachkreisangehörige sowie medizinische Organisationen und Einrichtungen für das Jahr 2015 rund 575 Millionen Euro. Darunter gingen 366 Millionen Euro an Ärzte, andere Fachkreisangehörige, medizinische Organisationen und Einrichtungen für die Durchführung von klinischen Studien und Anwendungsbeobachtungen im Rahmen von Forschung und Entwicklung, 119 Millionen Euro an Ärzte und andere Fachkreisangehörige für Vortragshonorare und Fortbildungen sowie 90 Millionen Euro an medizinische Organisationen und Einrichtungen für Sponsoring von Veranstaltungen, Spenden und Stiftungen. „Transparenz ist vielleicht nicht immer der einfachste Weg. Wir sind aber nachhaltig davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist. Daher werden die FSA-Mitglieder diesen Weg auch in der Zukunft konsequent weitergehen“, so Diener weiter.

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