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Chronische Schmerzpatienten: Neue Ansätze in der Forschung

Grünenthal und die Uniklinik RWTH Aachen sind eine Forschungskooperation eingegangen, um neue Behandlungsansätze für Patienten mit neuropathischen Schmerzen zu entwickeln.

Etwa jeder sechste Deutsche leidet unter langanhaltenden, chronischen Schmerzen.
Das Projekt Bio2Treat – Biometrische und biologische Daten für die Diagnose und Therapie bei Schmerzpatienten – koordiniert Prof. Angelika Lampert aus dem Institut für Physiologie der Uniklinik RWTH Aachen zusammen mit Grünenthal. Im Rahmen des Projekts werden Patientendaten aus unterschiedlichen Quellen gewonnen und zusammengeführt, um neue Therapieansätze zu ermöglichen. Hierbei verbinden sich Stammzellenforschung, künstliche Intelligenz, innovative Methoden zur Schmerzerfassung und konventionelle klinische Untersuchungen: Patienten dokumentieren mit einer Smartwatch bzw. einem Smartphone subjektive Daten wie etwa Schmerzempfinden, Stress oder Schlafstörungen. Gleichzeitig erfasst die Smart Watch stetig biometrische Patientendaten, unter anderem Herzrate und körperliche Aktivität sowie Temperatur, Wetterbedingungen und weitere Umwelteinflüsse. Diese Daten werden durch konventionelle klinische Untersuchungen wie Fragebögen und sensorische Tests ergänzt. Parallel werden aus dem Blut der Patienten induzierte pluripotente Stammzellen gewonnen und zu sensorischen Nervenzellen weiterentwickelt, um im Laborumfeld die Reaktion der Nervenzellen auf verschiedene Reize und Impulse zu dokumentieren und das Antwortverhalten von Zelle und Patient zu vergleichen. Alle gewonnenen Daten werden in einer speziellen Software zusammengeführt und von selbstlernenden Algorithmen analysiert, um Therapieempfehlungen abzuleiten.
„Dieses Projekt trägt in entscheidender Weise dazu bei, den Patienten in den Fokus zu stellen. Patientendaten aus verschiedenen Quellen werden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz zusammengeführt“, sagt Dr. Jan Adams, Chief Scientific Officer bei Grünenthal. „Durch diese ganzheitliche Betrachtung von Schmerzpatienten wollen wir Hinweise auf Biomarker erhalten und neue Therapieansätze für neuropathische Schmerzen identifizieren.“ Das Projekt läuft über drei Jahre. Es wird als Teil des Aktionsfelds „Gesundheitswirtschaft im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 1,52 Millionen gefördert.
Etwa jeder sechste Deutsche leidet laut Grünenthal unter langanhaltenden, chronischen Schmerzen. Zu den bedeutsamsten Formen zählt neuropathischer Schmerz – Nervenschmerzen. Bei dem chronischen Schmerzsyndrom der „Small fiber neuropathy“ (SFN) sterben kleine Nervenendigungen in der Haut ab und verursachen so intensive, brennende Schmerzen. Therapeutisch ist SFN eine Herausforderung: Die Behandlung erfolgt zurzeit mit Medikamenten zur Beruhigung der Nervenfunktion, sogenannte Antikonvulsiva oder Antidepressiva, die erhebliche Nebenwirkungen wie starke Müdigkeit oder Schwindel auslösen. Der Therapieerfolg variiert stark.