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Unterversorgung von herzkranken Diabetikern

Bei herzkranken Diabetikern gibt es ein Versorgungsproblem, wie auf einer Veranstaltung der Stiftung Der Herzkranke Diabetiker (DHD) deutlich wird. Es fehle an interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen den behandelnden Ärzten und Betroffene würden nicht mit optimalen Therapien versorgt, sind sich Experten einig.

Die DHD kritisiert, dass es an Versorgungsallokation mangele: Obwohl es klare Handlungsempfehlungen zur Diagnostik bei Diabetespatienten mit kardialen Komplikationen gebe, würden diese nicht immer leitliniengerecht umgesetzt. Zudem bestehe bei herzkranken Diabetikern eine Unterversorgung mit optimalen medikamentösen Therapien. Prof. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg, kritisiert das hierarchische Abrechnungssystem: „Aufgrund des Fallpauschalensystems können wir der Sache nicht gerecht werden“, sagt er. „Wir unterliegen gewissen ökonomischen Zwängen.“

„Probleme der sektorenindikationsübergreifenden Steuerung“

Prof. Jürgen Wasem, Professor für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen.Gesundheitsökonom Prof. Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen erläutert, dass es in Deutschland rund 1,8 Millionen herzkranke Diabetiker gibt. Betroffene seien im Vergleich zu Patienten mit Einfacherkrankungen deutlich teurer für das Gesundheitssystem. Die Interaktion von Diabetes und Herzerkrankung erhöhe das Krankheitsrisiko, erklärt er. „Das ist aus meiner Sicht mit ein Indikator dafür, dass wir in dieser Interkation auch Versorgungsprobleme haben.“ Ein erheblicher Teil der rund 16 Milliarden Euro Kosten für Diabetiker sei kardiovaskulären Komorbiditäten zuzuschreiben. Ein Diabetiker sei in mehreren Sektoren auf unterschiedliche Spezialisten angewiesen. „Aus der ökonomischen Sicht ist der herzkranke Diabetiker ein exemplarisches Beispiel für Probleme der sektorenindikationsübergreifenden Steuerung“, sagt Wasem. „Wenn das so ist, haben wir auch ein ethisches Problem: Aus Anreizgründen tun wir nicht das, was zu tun wäre. Wir geben zu viel Geld aus für eine schlechte Versorgung“, kritisiert er. Auch Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt bestätigt Wasem: „Die gesamte Honarar- und Anreizsystematik ist überholungsbedürftig.“ Dass das Thema alle Ebenen der Ärzteschaft betrifft, betont Prof. Diethelm Tschöpe, Vorsitzender der DHD und sieht ebenfalls das Problem der Ressourcenallokation. Der Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt (CDU) kritisiert: „Der Morbi-RSA, so wie er jetzt ist, ist nahezu pervers“ und gibt Betroffenen Diabetikern den Rat, ihr „eigener Gesundheitsmanager“ zu sein. Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer.

Risikopatient herzkranker Diabetiker

Diabetes mellitus könne laut DHD gravierende Folgen für die Gesundheit haben, schlimmstenfalls drohen Erblindung, Nierenversagen, Amputation, Herzinfarkt und Schlaganfall. Probleme am Herzen oder Gehirn würden bei Diabetes am meisten unterschätzt werden. Diabetiker würden häufiger als Stoffwechselgesunde unter Herzschwäche und Vorhofflimmern leiden – bis zu drei Viertel der Menschen mit Diabetes versterben letztlich an Herzinfarkt oder Schlaganfall. An Herzinsuffizienz seien deutlich mehr Patienten mit Diabetes erkrankt als lange Zeit angenommen. Bei Diabetes ist das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen zwei- bis vierfach erhöht.
Werde ein Diabetes erst spät entdeckt, könne das schlimme Folgen für den Patienten haben, informiert die DHD. Ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall als Erstsymptom seien nicht selten. Grund dafür ist, dass die Gefäßverkalkung mit hohen Zuckerwerten schneller voranschreitet. Die Gefäßwände sind weniger elastisch, süßes Blut ist auch klebrig. So können die Blutplättchen eher verklumpen und die Gerinnungsneigung steigt. Damit wächst die Gefahr, dass Blutgerinnsel entstehen, die wie Pfropfen einen Gefäßverschluss auslösen, der letztlich zum Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann. Grundsätzlich ist das klinische Erscheinungsbild von kardialen oder zerebralen Erkrankungen bei Patienten mit Diabetes vielschichtig. Die Betroffenheit der Organe kann sehr diffus sein. In fast jedem Fall ist der Krankheitsverlauf aber schwerer und die Prognose deutlich schlechter als für Menschen ohne Diabetes.