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24. September 2018

Meningokokken: Auslöser von Hirnhautentzündung oder Sepsis

 
Berlin (pag) – Ein seltener, aber gefährlicher Auslöser für eine Sepsis sind Meningokokken. Säuglinge sind besonders gefährdet. Doch nicht alle Impfungen gegen diese Bakterien sind Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Eltern sollten mit ihrem Kinderarzt über zusätzliche Impfungen sprechen.

Es begann mit Kopfschmerzen, Erbrechen und Fieber. Später kamen kleine dunkle Einblutungen am Körper von Justina hinzu. Dann ging alles ganz schnell. Im Krankenhaus mussten ihre Unterschenkel und Fingerkuppen aufgrund einer Erkrankung entfernt werden, von der die 20-Jährige zuvor noch nie gehört hatte: Meningokokken. Acht Tage lag sie im Koma und einen Monat lang im halbwachen Zustand auf der Intensivstation. Ihre Form der Erkrankung ist sehr selten: Eine Meningokokken-Sepsis.

Wichtig ist,, dass Eltern ihren Kinderarzt früh auf mögliche Impfungen ansprechen. (© Pixabay)
Auslöser sind Meningokokken-Bakterien, die im Nasen-Rachen-Raum leben. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung trägt den Erreger in sich – ohne selbst daran zu erkranken. Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. In zwei Dritteln der Fälle lösen sie eine Meningitis (Hirnhautentzündung), in einem Drittel eine Sepsis (Blutvergiftung) aus.

Bei Verdacht sofort ins Krankenhaus

Das höchste Erkrankungsrisiko besteht für Säuglinge und Kleinkinder. Nach der Erkrankung bleiben oft Folgeschäden wie Schädigungen des Gehirns, Lernschwäche oder Hörverlust. Je nach Schwere der Krankheit müssen Gliedmaßen amputiert werden. Es ist wichtig, bei Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung sofort ins Krankenhaus zu fahren – dort wird der Patient mit einem Antibiotikum behandelt. Mit 300 Fällen pro Jahr sind die durch Meningokokken versursachten Krankheiten in Deutschland selten, können aber innerhalb weniger Stunden lebensgefährlich werden.

Erste Symptome treten nach etwa drei bis vier Tagen nach der Infektion auf. Typisch sind unspezifische und grippeähnliche Symptome – oft kombiniert mit Kreislaufversagen, Krampfanfällen, Fieber, Schüttelfrost, getrübter Bewusstseinslage, Minderdurchblutung an den Gliedmaßen, Schläfrigkeit oder schwerer Atmung. Teilweise kann es schon sehr früh zu ersten Krankheitszeichen einer Meningokokken-Sepsis kommen. Dazu zählen kalte Hände oder Füße, eine unnatürliche Hautfarbe oder starke Beinschmerzen. Säuglinge und Kleinkinder verweigern die Nahrung, sind teilnahmslos oder reizbar, berührungsempfindlich, haben einen steifen Nacken und eine vorgewölbte Fontanelle. Bei schweren Verläufen kommen punktförmige und flächige Einblutungen auf Haut und Schleimhaut hinzu sowie Blutdruckabfall und Organversagen.

Meningokokken B-Impfung noch nicht von STIKO empfohlen

Die fünf verschiedenen Meningokokken-Typen A, B, C, W und Y können Auslöser einer Meningokokken-Erkrankung sein. Die meisten Krankheitsfälle gehen auf Typ B zurück, gefolgt von C. „Anders als vor vielen anderen Ursachen einer Sepsis kann man sich vor Meningokokken schützen“, erklärt Kinder- und Jugendärztin Birgit Augustin. Wichtig sei, dass Eltern ihre Kinderärzte früh auf mögliche Impfungen ansprechen, sagt die Berliner Kinder- und Jugendärztin Birgit Augustin. Die Meningokokken C-Impfung ist in Deutschland für alle Kinder öffentlich von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen und wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Die Impfungen gegen die häufigste Meningokokken-Art B sowie die selteneren Arten A, W und Y sind bisher nicht im Standard-Impfkatalog gelistet. „Viele Krankenkassen erstatten die Kosten dieser Impfungen mittlerweile teilweise oder komplett auf Anfrage“, sagt Nadine Stryewski vom Arzneimittelhersteller GlaxoSmithKline. „Mit einigen großen Krankenkassen sind wir zudem im Gespräch.“ Die Betriebskrankenkasse Verkehrsbau Union (BKK VBU) übernimmt die Kosten für die Impfung gegen Meningokokken B. „Wenn es Impfstoffe gibt, sollten sie auch eingesetzt werden. Kein Kind sollte heutzutage an einer Infektion sterben, der man vorbeugen kann“, sagt Jens Hermes, Impf-Experte der BKK VBU.
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