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Zeckengefahr: Das sind die Risikogebiete für FSME

Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt die Risikogebiete 2019 für die durch Zecken übertragene FSME-Erkrankung (Frühsommer-Meningoenzephalitis) in Deutschland bekannt. Gefahrengebiete sind vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, das südöstliche Thüringen und Sachsen.

Oft können sich Kinder gar nicht an einen Zeckenstich erinnern und auch der für eine Borreliose-Infektion typische rote Ring auf der Haut ist nur bei wenigen Kindern erkennbar.Einzelne Risikogebiete befinden sich zudem in Mittelhessen im Landkreis Marburg-Biedenkopf, im saarländischen Landkreis Saar-Pfalz-Kreis und im
rheinland-pfälzischen Landkreis Birkenfeld. In Niedersachsen ist der Landkreis Emsland als FSME-Risikogebiet ausgewiesen, nachdem dort seit 2016 acht Infektionsfälle registriert wurden, heißt es vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Weiterhin kommen laut RKI vier neue Risikogebiete hinzu, welche alle an bekannte Risikogebiete grenzen: Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Landsberg am Lech und der Stadtkreis Kaufbeuren. Insgesamt sind aktuell 161 Kreise als Risikogebiete definiert. Auch in Bundesländern, die nicht als Risikogebiete deklariert sind, wurden laut RKI FSME-Erkrankungen beobachtet. Vereinzelt gibt es auch Fälle in Brandenburg, Berlin, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Impfempehlung für Einwohner und Urlauber

Mit der Ausweisung als Risikogebiet ist eine FSME-Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) verbunden. Diese richte sich an alle Personen, die in einem FSME-Risikogebiet mit Zecken in Kontakt kommen könnten und somit ein Risiko für Zeckenstiche haben. Die Impfempfehlung gilt sowohl für Einwohner des Landkreises als auch für Personen, die sich aus anderen Gründen dort aufhalten. Die Mehrzahl der Infektionen findet im Mai bis Oktober statt. „Eine Impfung bietet den besten Schutz gegen eine FSME-Erkrankung", betont Dr. Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes. Für Menschen, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder einen Aufenthalt dort planen, bestehe jetzt noch ausreichend Zeit, sich impfen zu lassen, bevor die Hochphase der Zeckenaktivität im Frühjahr beginne.

Schutz hält mindestens drei Jahre

Nach zwei Impfungen besteht eine Schutzwirkung, die allerdings nur etwa ein Jahr anhält. Um den Impfschutz zu komplettieren, ist eine dritte Impfung notwendig, die fünf bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung fällig ist. Der Impfschutz hält je nach Alter danach mindestens für drei Jahre an. Für Menschen, die in Risikogebieten in Deutschland wohnen oder dorthin reisen, werden die Impfkosten von den Krankenkassen getragen. Bei Reisen in FSME-Risikogebiete im europäischen Ausland müssen die Kosten für eine Schutzimpfung von den Reisenden selbst getragen werden. Einige Krankenkassen erstatten jedoch den Betrag bei Vorlage der ärztlichen Rechnung.

FSME ist ernstzunehmende Erkrankung

Die Krankheit verläuft bei einem großen Teil der Infizierten und insbesondere bei Kindern milde und ähnelt eher einer Sommergrippe. In 20 bis 30 Prozent aller Fälle kommt es nach einem symptomfreien Intervall aber zu starken Krankheitssymptomen verbunden mit hohem Fieber. „Die FSME ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die auch sehr schwer verlaufen und zu einer Entzündung der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks führen kann. Auch bleibende Schäden wie Lähmungen können nicht ausgeschlossen werden", erklärt die leitende Amtsärztin des Fachbereiches Gesundheit im Landkreis Emsland, Johanna Sievering. Es gebe keine spezifischen antiviralen Medikamente, mit denen sich eine FSME-Erkrankung behandeln lasse – auch aus diesem Grund komme der Impfung eine besondere Bedeutung zu.

Schutz vor Zeckenstichen

Neben der Impfung gibt es laut Niedersächsischem Gesundheitsministerium weitere Vorsorgemaßnahmen, um sich vor Zeckenstichen zu schützen: Insbesondere beim Durchstreifen des Unterholzes sollte möglichst den Körper bedeckende helle Kleidung – auf der man Zecken gut erkennen kann – und festes Schuhwerk getragen werden. Zudem sei es ratsam, zeckenabweisende Hautschutzmittel einzusetzen, jedoch bieten diese keinen hundertprozentigen Schutz vor Zeckenstichen. Kinder sollten nach dem Spielen oder dem Aufenthalt im Wald gründlich nach Zecken abgesucht werden. Dies gelte auch für Erwachsene, wenn sie sich dort aufgehalten haben. Generell bevorzugen Zecken dünne und warme Hautstellen, deshalb sollte man an den Armen, in den Kniekehlen, am Hals und Kopf sowie im Schritt gründlich nach Zecken suchen. Auch bei Spaziergängen mitgeführte Tiere sollten immer kontrolliert werden, da umherwandernde und noch nicht angesaugte Zecken bei engem Kontakt auf den Menschen übergehen können.

Im Notfall schnell handeln

Wenn die Zecke bereits zugestochen habe, gelte gilt immer: Zecken möglichst schnell entfernen, da sie auch andere Krankheiten übertragen können, gegen die man sich nicht impfen lassen kann, wie etwa die Borreliose. Die Entfernung der Zecke kann mit den Fingerspitzen oder einem Hilfsmittel wie einer Pinzette oder einem anderen geeigneten Zeckenentferner, beispielsweise einer Zeckenkarte, -zange, oder -schlinge geschehen. Dabei sollte die Zecke dicht an der Hautstelle, an der sie sich festgesaugt hat, gefasst und dann vorsichtig herausgezogen werden, ohne sie zu zerquetschen. Anschließend sollte die Stichstelle möglichst desinfiziert werden.

Mehr Informationen unter:
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2019/Ausgaben/07_19.pdf?__blob=publicationFile