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Corona: Burnout durch Homeoffice

Offenburg (pag) – Mit der Corona-Pandemie steigen auch die Fälle von psychischen Erkrankungen. Die digitale Pressekonferenz der Vincera-Kliniken steht darum unter dem Motto: „Erst die Corona-Pandemie – dann die Burnout-Welle?“ Vorgestellt wird eine Umfrage von Vincera-Beirat Prof. Volker Nürnberg, die zeigt, wie Homeoffice zu Burnout beitragen kann.

Bereits vor Corona litten viele Menschen unter psychischen Problemen, berichtet Prof. Mazda Adli, der den Forschungsbereich Affektive Erkrankungen an der Charité Berlin leitet. Die Hauptstressoren sind seiner Ansicht nach der Wandel der Arbeitswelt, Urbanisierung, Einsamkeit und etwas, das Adli „unpredictable future syndrome“ nennt. Es bezeichnet die Sorge vor der Zukunft, die geopolitisch und ökologisch unsicher ist. Die Corona-Pandemie sei ein zusätzlicher akuter und zugleich chronischer Stressor. „Die Pandemie ist nicht nur eine infektiologische sondern auch eine psychologische Krise“, konstatiert Adli.

Entgrenzung zwischen privat und geschäftlich

Das studentische Team um Nürnberg hat sich mit den Auswirkungen von Homeoffice auf die psychische Gesundheit beschäftigt. Dazu sind 207 Personalverantwortliche in überwiegend mittelständischen Unternehmen befragt worden. Es zeigt sich, dass die Krise bei vielen Menschen zu einer Entgrenzung zwischen Privat- und Berufsleben führt. „Dies birgt die Gefahr von Überlastungssituationen und Burnout“, warnt Nürnberg. 71 Prozent der Personalverantwortlichen vermuten, dass die Frauen in ihrem Unternehmen eher Stress haben als die Männer, nur 22 Prozent glauben, dass eher Männer gestresst sind. Insbesondere Kinderbetreuung ist ein großes Problem für die Mitarbeiter, hier stehen insbesondere Frauen zusätzlich unter Druck.

73 Prozent der Personalverantwortlichen berichten, dass ihren Mitarbeitern die Arbeit im Homeoffice gefällt. Trotzdem sagen 64 Prozent, die Mitarbeiter fühlten sich gestresster als sonst. Dies könnte vielleicht damit zusammenhängen, dass die Arbeitszeit bzw. Erreichbarkeit der Mitarbeiter im Homeoffice bei 67 Prozent der Unternehmen nicht eingegrenzt sind und die Zahl der Termine während der Corona-Zeit bei 65 Prozent gefühlt zugenommen hat.

Finanzielle Unsicherheit als Stressfaktor

Financial Wellbeing ist bei vielen Mitarbeitern in den Mittelpunkt gerückt. In 32 Prozent der Unternehmen haben Mitarbeiter finanzielle Sorgen aufgrund von Kurzarbeit oder der unsicheren Situation allgemein. Finanzen stehen auf Platz drei der Probleme, die Mitarbeiter während der Krise belasten, auf Platz zwei liegen Arbeitsplatzängste und das Hauptproblem ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Kommunikation und Führung haben sich in der Krise verändert. In allen Unternehmen haben digitale Kommunikationstools wie Teams, Zoom und Skype Einzug gehalten. „Das erfordert für viele Menschen ein Umdenken in der Zusammenarbeit, aber auch, was Führungsfragen anbelangt“, so Nürnberg.

Der Psychologe Florian Mennigen bestätigt, dass durch die aktuelle Krise viele unserer bewährten Stressbewältigungsstrategien weggefallen sind. So könne man sich nicht mehr mit Freunden treffen und auch andere Ablenkungen wie Kultur und Sport könnten keinen Ausgleich mehr bieten. Sven Hannawald, ehemaliger Skispringer, hat selbst einen Burnout erlitten und geht offen damit um. Für die Privatklinik-Kette Vincera, die auf psychologische Reha-Behandlungen spezialisiert ist, fungiert er als Botschafter. Er berichtet, was ihm derzeit hilft Stress abzubauen: 30-minütige Läufe an der frischen Luft, dabei werde die psychische Belastung abtransportiert. Allerdings müsse jeder selbst fühlen, was einem guttut.

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