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Was sind neurodegenerative Erkrankungen?

Sie schreiten meist stetig voran und beeinträchtigen die Betroffenen massiv in ihrer Lebensqualität: Viele neurodegenerative Erkrankungen sind bisher nicht heilbar und nicht immer gelingt es, die Symptome ausreichend zu kontrollieren. Der Forschungsbedarf auf diesem Gebiet ist nach wie vor groß.

Neurodegenerative Erkrankungen sind Erkrankungen des Nervensystems, bei denen bestimmte Nervenzellen – vornehmlich im Gehirn – nach und nach absterben. Da der Körper diese in der Regel nicht neu bilden kann, ist der Prozess nicht umkehrbar und die Krankheit schreitet immer weiter voran. In der Folge kommt es zu körperlichen oder geistigen Einschränkungen, die nicht heilbar sind. Beispiele sind Morbus Parkinson, auch Schüttellähmung genannt, und Demenzerkrankungen wie Morbus Alzheimer.

Alzheimer: eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung

Alle drei Sekunden erkrankt ein Mensch an Demenz, heißt es im Welt-Alzheimer-Report 2015. Weltweit sind demnach fast 47 Millionen Personen betroffen, Tendenz steigend. Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge mehr als 1,4 Millionen Menschen mit Demenz, davon etwa zwei Drittel Frauen. Die Erkrankung geht mit einer Beeinträchtigung der kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten einher. Neben dem Kurzzeitgedächtnis leiden auch die Sprache, die Motorik und in vielen Fällen die Persönlichkeitsstruktur der Betroffenen.

Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Sie ist nach dem deutschen Arzt Alois Alzheimer benannt, der sie im Jahr 1906 erstmals beschrieb, nachdem er im Gehirn einer verstorbenen Patientin charakteristische Veränderungen festgestellt hatte. Fehlerhaft gefaltete Eiweiße lagern sich in bestimmten Hirnregionen ab und bilden dort sogenannte Plaques. Bisher ist es nicht möglich, Alzheimer zu heilen.

Auf der Suche nach wirksamen Therapien

Deutschland hat laut Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), in der Alzheimer-Therapieentwicklung eine starke Stellung. Umfassende Grundlagenforschung dazu finde insbesondere im Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen mit seinen neun Standorten statt. „Angewandte Forschung zur Wirkstofferfindung geschieht unter anderem in den deutschen Labors mehrerer internationaler Pharma-Unternehmen“, erklärt der vfa. Viele Kliniken wirkten an der Erprobung von Alzheimer-Medikamenten mit – derzeit sind sie laut Studienregister clinicaltrials.gov an 25 verschiedenen Industrie-finanzierten Studien beteiligt.

Parkinson: Die Lebensqualität leidet deutlich

Morbus Parkinson ist nach Morbus Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Weltweit sind der Deutschen Parkinson Gesellschaft zufolge rund vier Millionen Menschen betroffen. Wissenschaftler sagen voraus, dass sich diese Zahl aufgrund der alternden Bevölkerung bis 2030 auf 8,7 Millionen mehr als verdoppeln wird. Die Krankheit zeichnet sich durch den fortschreitenden Untergang Dopamin-produzierender Zellen in bestimmten Strukturen des Mittelhirns aus. Den Betroffenen mangelt es also an dem Botenstoff Dopamin, was zu charakteristischen Bewegungsstörungen führt. Sie leiden etwa an Muskelstarre (Rigor), einem typischen Zittern der Extremitäten (Tremor), Haltungsinstabilität und ihre Bewegungsabläufe sind auffällig langsam. Gelegentlich fällt es ihnen schwer, geplante Bewegungsabläufe überhaupt auszuführen. Zusätzlich können vegetative, psychische und kognitive Begleitsymptome auftreten, die gemeinsam mit den motorischen Einschränkungen zu einer deutlich verminderten Lebensqualität der Patienten beitragen.

Bisher keine Heilung möglich

Derzeit gibt es keine Behandlung für Parkinson-Patienten, mit der sich die Erkrankung heilen ließe. Die verfügbaren Therapien zielen hauptsächlich darauf ab, das Dopamin-Angebot im Gehirn zu erhöhen. Da der Dopamin-Mangel mit der Zeit zunimmt, muss die Medikation regelmäßig angepasst werden, um eine ausreichende Wirksamkeit zu erzielen und Wirkschwankungen zu vermeiden. Das macht oft eine Einnahme der Arzneimittel in immer kürzer werdenden Abständen erforderlich. Dies ermöglicht den Betroffenen zumindest in den ersten Krankheitsjahren ein nahezu beschwerdefreies Leben.

Weitere Informationen:

  • www.alzheimer-telefon.de
  • www.wegweiser-demenz.de/startseite
  • www.kompetenznetz-parkinson.de/
  • www.parkinson-gesellschaft.de/

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