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Lungenembolie: Wie gelingt ambulante Versorgung?

Viele Menschen fürchten sich vor einer Lungenembolie: Sie muss sofort im Krankenhaus behandelt werden, sonst kann sie tödlich enden. Doch wie geht es weiter? Das diskutieren Experten bei der Podiumsdiskussion „Alte Zöpfe abschneiden – Lungenembolie ambulant behandeln?“ des Aktionsbündnisses Thrombose.

v.l.: Univ.-Prof. Stavros Konstantinides, Dr. Franziska Diel, Prof. Hans Martin Hoffmeister, Prof. Bertram Häussler und Lisa Braun.Eine Lungenembolie entsteht, wenn sich ein Blutgerinnsel in einer Beinvene löst und in der Lunge wichtige Gefäße blockiert. Die aktuelle Leitlinie der Europäischen Kardiologischen Fachgesellschaft zur Behandlung von Lungenembolie empfiehlt die ambulante Nachsorge für bestimmte betroffene Patienten. Die Fachärzte haben dabei die multinationale Studie „Home Treatment of Pulmonary Embolism (HoT PE)“ unter Leitung von Prof. Stavros Konstantinides, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Thrombose und Hämostase am Universitätsmedizin Mainz, berücksichtigt. Der Studienleiter fasst die Ergebnisse zusammen: Die Verweildauer im Krankenhaus für Lungenembolie-Patienten mit einem niedrigen letalen – also tödlichen Risiko – könne deutlich verkürzt werden. Dies gelte für etwa 30 Prozent aller Betroffenen. Prof. Rupert Bauersachs vom Aktionsbündnis Thrombose ergänzt, die Sterberate von Lungenembolie-Patienten sinke, so dass eine größere Zahl längerfristig zu versorgen sei.

Ambulante Nachsorge ist nicht neu

Konstantinides macht deutlich, dass die ambulante Versorgung die Nachsorge umfasse. „Für den Patienten ist die häusliche Umgebung das Beste“, betont er. Gerade bei älteren Erkrankten ließen sich so nokosomiale Infekte, Verletzungen und Langeweile vermeiden. Entscheidend sei: „Der Patient muss seine Medikamente regelmäßig nehmen“. Die ambulante Nachsorge umfasse „keine völlig neuen Leistungen“, stellt Dr. Franziska Diel, Dezernentin für Versorgungsqualität bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), fest. Um sie bestmöglich zu gewährleisten, stelle sich jedoch die Frage: „Haben wir genug Menschen, die das erledigen können?“ Es brauche Leitlinien und gute kooperative Versorgungsstrukturen. Dem stimmen ihre Diskussionspartner zu. Prof. Hans Martin Hoffmeister, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten, betont, der Verband sei bei der Behandlung dieser Diagnose bereits interdisziplinär tätig. Mit seiner Erfahrung als Chefarzt für Innere Medizin und Kardiologie am Städtischen Klinikum Solingen gibt er zu aber bedenken: „An der Umsetzbarkeit der Behandlung scheitert mehr als an der Unkenntnis der Leitlinien“. Dabei sei die Diagnose entscheidend, denn danach werde entschieden, wie lange ein Patient im Krankenhaus bleiben muss.

Der Hausarzt als Ansprechpartner

„Der Hausarzt kann das leisten“, beantwortet Konstantinides die Frage, wer bei der ambulanten Versorgung zentraler Ansprechpartner sein soll. Damit ist er auf einer Linie mit seinen Gesprächspartnern. „Kernpunkt ist das Entlassmanagement des Krankenhauses“, betont er. Das sei derzeit bundesweit unterschiedlich. Es brauche eine abgestimmte Behandlung zwischen dem Krankenhaus und dem niedergelassenen Arzt, der über den Patienten Bescheid wissen müsse. „Die Patienten müssen instruiert werden und die Praxis muss flexibel auf sie reagieren können“, ergänzt Prof. Bertram Häussler, Vorsitzender der Geschäftsführung des Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastruktur- und Gesundheitsfragen. Nicht jede Praxis könne die in den Leitlinien festgelegten Kriterien für die langfristige Nachsorge managen. Sprich: Nicht überall ist die Versorgung gleich gut. Diel verdeutlicht das anhand einer Karte zur Diagnose Lungenembolie: Sie wird in einigen Regionen wesentlich häufiger gestellt als in anderen. Wie aber lässt sich die ambulante Nachsorge im Gesundheitswesen so organisieren, dass Patienten überall bestmöglich behandelt werden können?

Was bleibt zu tun?

Die niedergelassenen Ärzte müssten für eine gute Nachsorge besser über die Patienten und deren Versorgung informiert sein, betont Konstantinides. Auch der Erkrankte müsse wissen, wohin er sich wenden kann. Die Versorgung sei „langfristig zu sichern mit einem Management und Tools“, meint der Experte. KBV-Dezernentin Diel schlägt ein Qualitätsmodul zur Nachsorge bei Thrombose im Ärztlichen Zentrum für Qualitäts- und Patienteninformation vor sowie die Stärkung des Bewusstseins für die Diagnostik von Lungenembolie über Publikationen. Beim Entlassmanagement müsse interdisziplinär verhandelt werden, was zu tun ist. Die Ergebnisse sollen den Ärzten als Information zur Verfügung gestellt werden. Hoffmeister mahnt an, bei den Verhandlungen die Ärzte direkt zu beteiligen. Er empfiehlt außerdem eine Lockerung der Sektorengrenzen. Das Nachsorgemanagement „muss elektronisch abgewickelt werden“, findet Häusler. Er setzt auf den Ausbau der elektronischen Patientenakte. Algorithmen könnten die Qualitätssicherung steuern. Sie könnten zum Beispiel Alarm schlagen, wenn der Arzt dem Patienten seine Medikamente nicht rechtzeitig verschreibt.