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Corona und der Weg zurück ins normale Leben

Seit Wochen erleben wir die sogenannten Lockerungen. Ein Zurück zur Normalität war von vielen heiß ersehnt. Jedoch ist es nicht für alle so einfach.

Menschen, mit chronischen Erkrankungen oder Senioren gelten als Risikogruppen. Viele von ihnen sind seit Monaten isoliert und tun sich jetzt schwer mit dem "neuen Normal". Sie haben Angst sich anzustecken. Auf der anderen Seite erleben viele Patienten oder Senioren psychische Probleme wie Depressionen und Streit – quasi einen Lagerkoller, der in Kombination mit zu vielen Informationen Sorgen und Ängste aufkommen lässt. Dennoch ist es an der Zeit, zumindest ein Stück Leben zurück zu erobern.

Birgit Bauer, Social Media & Digital Health Expertin und JournalistinDieser Beitrag soll niemanden dazu verleiten, alle Vorsichtsmaßnahmen aufzugeben. Er soll auch niemanden überreden etwas zu tun, was er oder sie im Moment nicht tun möchte. Vielmehr beabsichtigt die Journalistin Birgit Bauer, die mit MS lebt und Expertin in Social Media & Digital Health ist, Inspiration und Tipps zu geben wie man sich nach langer häuslicher Isolation ein Stück Leben zurück erobern kann. Dabei stehen ihr zwei Expertinnen in Meditation und Veränderungen zur Seite: Coach Dr. Nadja Feddermann und Sophrologin Laurence Ranger.

Generell gilt natürlich weiterhin Abstand halten, Maske tragen oder dabei haben sowie Hände waschen und desinfizieren.

Dem Unbehagen begegnen
„Es kann sinnvoll sein, sich gezielt mit Ängsten oder Unbehagen genauer auseinander zu setzen“, so Nadja Feddermann. Angst zulassen und sich genau zu fragen, woher und wovor Angst da ist, kann ein Mittel sein, dieser zu begegnen. Wer Angstauslöser wie die Angst vor Menschenmengen kennt, kann sich fernhalten, sie gezielt umgehen und dann gelingt das Rausgehen viel besser.

Erste Schritte ins soziale Leben
„Angehörige und Nachbarn sind die erste Quelle an menschlicher Nähe“, so die Expertin. Diese Menschen unterstützen und übernehmen kleine Dienste wie Einkäufe. Wer isoliert, aber mobil ist, kann zuerst auf Ausflüge in die Natur zurückgreifen und dort hingehen, wo wenige andere Menschen anzutreffen sind.
Es kann auch sinnvoll sein, sich mit Menschen auszutauschen, denen es ähnlich geht. Zum Beispiel online über Social Media. Oft findet man Verständnis und unterstützt sich gegenseitig. Auch ein Besuch beim Psychologen oder Sophrologen kann helfen, den eigenen Weg zu finden.

Ein Plan für den Tag hilft
Wer plant fühlt sich zuversichtlicher. Durch Planung kann man die angesprochenen Angstauslöser umgehen. So lässt sich ein kurzer Einkauf oder Besuch im Café besser durchführen. Vorher anfragen, wie frequentiert ein Lokal ist oder sich nicht in ein Geschäft begeben, wenn alle einkaufen, wie zum Beispiel zum Feierabend oder am Freitag. Das hilft, so Birgit Bauer. Wichtig: Fangen Sie dort an, wo Sie sich wohl fühlen und sich auskennen. Das bringt Ruhe und lässt wenig Fragen offen.

Auch Angehörige können etwas tun
Angehörige oder Freunde kennen die Verhältnisse und können zum Beispiel bei der Planung eines Ausflugs unterstützen oder Sie begleiten. Das schafft Sicherheit. Wenn Sie alleine unterwegs sind, bitten Sie eine Vertrauensperson um telefonische Erreichbarkeit. Damit haben Sie jemanden, der zur Stelle ist, falls es nötig sein sollte.

Im Job …
Hier spielt es eine Rolle, ob der Vorgesetzte über die Erkrankung informiert ist. Vorgesetzte können nur soweit handeln, wie es ihre Kenntnisse erlauben. Daher ist es essenziell, offene Diskussionen zu führen und zu klären, wo Handlungsbedarf besteht. Überlegen Sie vor einem Gespräch, was angesprochen werden muss. Das können mehr Home-Office Stunden sein oder auch ein separates Büro auf Zeit oder vermehrte Desinfektionsmaßnahmen.

Nicht alleine mit den Ängsten bleiben
„Wer raus will hat schon fast gewonnen", so Sophrologin Laurence Ranger. Einer der wichtigsten Punkte ist das Verlangen dem Leben ein Stück Normalität zu geben. Die Lust wieder am sozialen Leben teilzunehmen ist nicht zu unterschätzen. Wer sich alleine nicht traut, kann sich mit professioneller Hilfe nach draußen wagen. „Wir Sophrologen bieten einfache und praktische Hilfe zur Selbsthilfe mit Atemübungen, Bewusstseinsschulung oder positiver Visualisierung.“ Das kann man im ersten Schritt auch mit Video-Telefonie tun. Die gelernten Übungen sind sofort praktisch anwendbar.

Entscheidend ist, dass niemand alleine mit seinen Ängsten bleibt. Der wichtigste Tipp der Expertin: „Reden Sie mit jemandem, dem sie vertrauen über ihre persönlichen Angstauslöser. Arbeiten sie gemeinsam einen individuellen Plan aus. Gemeinsam geht es leichter und sie schaffen sich einen Rückversicherungspartner.“

Damit der erste Ausflug nach der langen Zeit der Isolation neue, schöne Erinnerungen schafft und Spaß macht. Und wer sich noch nicht in der Lage fühlt? Auch kein Thema. Manchmal brauchen Dinge etwas mehr Zeit und das ist ok.