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Personalisierte Medizin – eine Einführung

Die Zeiten, in denen etwa der nicht-kleinzellige Lungenkrebs als eine Krankheit angesehen wurde, sind längst vorbei. Tatsächlich können bei dieser Krebsform über zehn Genmutationen eine Rolle spielen. Was bedeutet das für Patienten?

Patient ist nicht gleich Patient – diese Erkenntnis klingt banal, doch bei der personalisierten Medizin geht es genau darum: Besonderheiten, aufgrund derer Menschen verschiedene Krankheitsverläufe haben und unterschiedlich auf dieselben Medikamente reagieren, besser zu verstehen und bei der Behandlung von Krankheiten zu berücksichtigen.

Schon immer haben Ärzte versucht, ihre Entscheidung über die bestmögliche Therapie für einen konkreten Patienten nicht nur auf die Krankheitsdiagnose zu gründen, sondern auch auf Charakteristika des Patienten – etwa sein Alter, seine physische Konstitution oder ob noch ein Kinderwunsch besteht. Neu sind die Möglichkeiten der modernen Diagnostik, auch genetische und andere Besonderheiten eines Patienten zu erfassen und daraus Schlüsse zu ziehen, ob eine bestimmte Therapie in Betracht kommt. Das ist es, was die personalisierte Medizin ausmacht.

Biomarker spielen wichtige Rolle

Die genetischen, molekularen oder zellulären Besonderheiten, die durch einen diagnostischen Test vor einer Therapie untersucht werden, heißen „Biomarker“. Sie können grundsätzlich drei Arten von Prognosen liefern:

  • ob das in Betracht gezogene Medikament bei diesem Patienten voraussichtlich wirksam ist
  • ob der konkrete Patient das in Betracht gezogene Medikament voraussichtlich verträgt
  • wie das Medikament für diesen Patienten am besten dosiert wird

Das Beispiel Krebstherapie

Krebszellen zeichnen sich gegenüber gesunden Körperzellen durch eine Reihe von Mutationen (Genveränderungen) aus; doch finden sich im Tumorgewebe verschiedener Patienten mit der gleichen Krebsart (etwa Brust- oder Darmkrebs) nicht unbedingt die gleichen Mutationen. Von den Mutationen hängt jedoch ab, ob bestimmte Therapien wirksam sind. So können Medikamente mit den Wirkstoffen Cetuximab oder Panitumumab bei fortgeschrittenem Darmkrebs nur dann wirken, wenn das Gen KRAS noch nicht mutiert ist; das ist bei etwa 60 Prozent der Patienten der Fall. Mit einem (mittlerweile verpflichtenden) Gentest lässt sich bei einer Gewebeprobe aus dem Tumor feststellen, ob die Medikamente für einen bestimmten Patienten in Betracht kommen oder nicht. Falls nicht, plant der Arzt eine andere Therapie. Wichtig: Medikament und Vortest bilden jeweils gewissermaßen ein „Tandem“, das stets zusammen zum Einsatz kommt.

Stratifizierte Anwendung und personalisierte Medizin

Der Ausdruck personalisierte Medizin hat sich im Sprachgebrauch verfestigt. Fachlich korrekt müsste man von „stratifizierter Medizin“ sprechen. „Stratifizieren“ nennen Mediziner das Aufteilen einer Gruppe von Patienten mit äußerlich gleicher Erkrankung in mehrere Subgruppen anhand eines Merkmals, in dem sie sich unterscheiden. Genau das tut der Vortest des „Tandems“: Er teilt die Gesamtheit der Patienten mit einem bestimmten Leiden in zwei Subgruppen auf – die Subgruppe der Patienten, denen das Medikament verordnet werden kann, und die Subgruppe derer, denen es besser nicht verordnet werden sollte. Die personalisierte Medizin ergänzt und verfeinert also die bisherige Diagnostik – und sie kann durch Informationen über patientenindividuelle Besonderheiten wichtige Hinweise geben, ob ein Medikament im Einzelfall geeignet ist.

Zum Weiterlesen:

Der Ansatz der personalisierten Medizin kommt momentan vor allem in der Krebstherapie zum Einsatz. Eine Übersicht der in Deutschland zugelassenen personalisierten Arzneimittel finden Sie auf der Webseite des vfa: www.vfa.de/personalisiert

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