Drucken

Mündige Patienten übernehmen Verantwortung

Alle reden von mündigen Patienten, aber was ist damit eigentlich genau gemeint? Mehr zu Patienten, die nicht nur Empfänger medizinischer Leistungen sein wollen.

Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung dafür zu übernehmen, um ein selbstbestimmtes Handeln zu erreichen – darum geht es bei Empowerment. In einem Atemzug damit genannt wird häufig der mündige Patient. So postuliert beispielsweise das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Internetseite: „Das Gesundheitssystem braucht den und die aufgeklärten, eigenverantwortlichen und mündigen Patienten und Patientinnen.“ Dieses Bekenntnis kommt nicht von ungefähr, die Rolle von Patienten hat sich stark gewandelt. Die Zeiten, in denen sie ausschließlich vertrauende Kranke waren, sind vorbei. Heute treten sie als selbstbewusste Beitragszahler und kritische Verbraucher auf. Viele informieren sich über ihre Krankheit, organisieren sich in der Selbsthilfe und wollen aktiv in Therapieentscheidungen eingebunden werden (lesen Sie dazu auch „“ und „Shared-Decision-Making: Patient und Arzt entscheiden gemeinsam“).

Konkurrenz durch Dr. Google und Prof. Wikipedia?

Der Trend zum gut informierten Patienten ist eng mit dem Siegeszug des Internets verbunden: Seit das World Wide Web mit zahllosen medizinischen Informationen aufwartet, haben die Ärzte ihr Wissensmonopol verloren. Über die Hälfte der Bevölkerung sucht heute gezielt nach Gesundheitsthemen im Internet, hat der Digitalverband Bitkom in einer Umfrage von 2020 herausgefunden. 43 Prozent der Gesundheitssurfer haben eine chronische Erkrankung, 29 leiden an akuten Beschwerden. Doch ernsthaft Konkurrenz machen Dr. Google und Prof. Wikipedia den Medizinern nicht, denn die Online-Recherche kann das persönliche Patienten-Arzt-Gespräch nicht ersetzen.

Zwar äußern Mediziner bisweilen die Sorge, dass insbesondere die ungefilterten Informationen des Internets die Patienten eher verwirren als ihnen weiterhelfen. Setzt man jedoch eine fundierte Wissensvermittlung – beispielsweise in Form von Patientenschulungen oder Entscheidungshilfen – voraus, so können alle vom mündigen Patienten profitieren. Studien* belegen, dass eine bessere Einbeziehung von Patienten beispielsweise die Therapietreue fördern kann (lesen Sie dazu auch „Der Therapie treu bleiben“). Betroffene wissen mehr über ihre Krankheit, haben realistischere Erwartungen an die Behandlung und sind zufriedener. Auch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ist davon überzeugt, ein mündiger, aufgeklärter Patient sei in der Lage, „mitzuhelfen die Qualität in unserem Gesundheitssystem zu halten und vielleicht auch zu verbessern“.

Weitere Informationen:

  • Patienten-Arzt-Gespräch: der Verband der forschender Pharma-Unternehmer (vfa) hat einen Patientenleitfaden entwickelt: www.vfa.de/de/patienten/artikel-patienten/checkliste.html
  • Übersetzungshilfe: Medizinstudenten übersetzen auf www.washabich.de Befunde in eine für Patienten leicht verständliche Sprache.
  • Krankheitserfahrungen: Auf www.krankheitserfahrungen.de erzählen Menschen von ihren Erfahrnungen im Umgang mit einer Krankheit. Diese Bericht können Sie sich als Videos anschauen, anhören oder als Text lesen.
  • Patientenleitlinien übersetzen Behandlungsempfehlungen für Ärzte (Leitlinien) in eine für Nicht-Mediziner verständliche Sprache. Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) bietet eine systematische Übersicht: www.patienten-information.de/patientenleitlinien
  • Teilnahme an klinischen Studien: Es kann sein, dass Sie von Ihrem Arzt gefragt werden, ob Sie an einer klinischen Studie teilnehmen möchten. Auf der Seite des vfa erfahren Sie, wie Arzneimittelstudien ablaufen, wie viele Fachleute und Institutionen dabei über Ihre Sicherheit wachen, was mit Ihren Daten geschieht, welche Rechte Sie haben und vieles mehr: www.vfa.de/de/patienten/klinische-studien/klinische-studien.html

Wer mehr wissen möchte: