Blickpunkt: Prävention

Was versteht man unter Prävention? Welchen Krankheiten lassen sich durch Prävention und Vorsorge vorbeugen? Und was plant die Politik zu diesem Thema?
Diese und weitere Fragen beleuchten wir in diesem Artikel.

Was versteht man unter Prävention?

Der Begriff „Prävention“ leitet sich vom lateinischen Wort „praevenire“ ab und bedeutet „zuvorkommen“. Im Gesundheitssektor meint Prävention genau das: Der Krankheit zuvorkommen. Das Bundesministerium für Gesundheit verwendet folgende Definition: „Prävention ist im Gesundheitswesen ein Oberbegriff für zielgerichtete Maßnahmen und Aktivitäten, um Krankheiten oder gesundheitliche Schädigungen zu vermeiden, das Risiko der Erkrankung zu verringern oder ihr Auftreten zu verzögern.“ Das Robert-Koch-Institut geht in dieselbe Richtung und schreibt, dass „mit Prävention […] die Erwartung verbunden (ist), durch gezielte Maßnahmen die Krankheitslast in der Bevölkerung zu verringern.“

Allgemein unterscheidet man Maßnahmen zur Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Hier kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt die Maßnahme eingesetzt wird. Die Primärprävention setzt bei gesunden Menschen an und kümmert sich vor allem um die Ursachenbekämpfung. Eine gesunde Ernährung, Bewegung oder auch Impfungen sind klassische Beispiele für eine Primärprävention. Unter Sekundärprävention versteht man die Früherkennung. Sie soll die Krankheit in einem möglichst frühen Stadium heilen oder zumindest ein Fortschreiten verhindern. Hierzu gehören beispielsweise Vorsorge-Untersuchungen und Neugeborenen-Screenings. Die Tertiärprävention dient dazu, Folge- und Langzeitschäden zu vermeiden oder zu verringern. Dazu zählen beispielsweise Rehabilitationsmaßnahmen nach einer Erkrankung.

Es gibt noch eine weitere Unterscheidung. Nämlich die zwischen Verhältnis- und Verhaltensprävention: Verhältnisprävention ist Teil der Primärprävention und betrachtet die Lebensumgebung der Menschen und wie diese für eine gesündere Lebensweise zu beeinflussen ist. Dazu gehören die Arbeitsumgebung, der Wohnort oder andere Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen können – z.B. das Einkommen oder die Bildung. Die Verhaltensprävention bezieht sich direkt auf den einzelnen Menschen und dessen persönliches Gesundheitsverhalten. Darunter versteht man Maßnahmen, die dazu dienen, die eigene Gesundheitskompetenz zu stärken. Das Ziel ist es, Risikofaktoren wie Fehl- oder Mangelernährung, Bewegungsmangel, Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum zu reduzieren.
In Deutschland gibt es aktuell zehn Nationale Gesundheitsziele, die u. a. das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung, die Zielorientierung in einem pluralistischen und stark gegliederten Gesundheitssystem und die Qualität der Versorgung stärken sollen. Zu den aktuellen Gesundheitszielen, die von Verantwortlichen im Gesundheitswesen vereinbart werden, zählen u. a. die Senkung des Erkrankungsrisikos für Diabetes, die Senkung der Mortalität bei Brustkrebs, genauso aber auch das gesunde Altern.


Zum Weiterlesen:
Prävention (Bundesgesundheitsministerium)
Themenschwerpunkt Prävention (RKI)
Prävention (AOK)
Prävention und Krankheitsprävention (BZgA)
Nationale Gesundheitsziele

Welchen Krankheiten lässt sich durch Prävention und Vorsorge vorbeugen?

Prävention und Vorsorge spielen eine entscheidende Rolle bei der Verhinderung einer Vielzahl von Krankheiten. Gerade sogenannte „Volkskrankheiten“ wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können mit einer gesundheitsbewussten Lebensweise vermieden oder verzögert werden. Diese nichtübertragbaren Krankheiten (non-communicable diseases oder kurz: NCD) sind ein großes Thema. Sie kosten weltweit jedes Jahr 41 Millionen Menschen das Leben. Laut der Bundesvereinigung „Prävention und Gesundheitsförderung e.V.“ entfielen im Jahr 2018 deutschlandweit bei den Todesfällen:

  • 37 Prozent auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • 26 Prozent auf Krebs,
  • 6 Prozent auf chronische Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder COPD,
  • 3 Prozent auf Folgen der Diabetes und
  • 19 Prozent auf andere NCDs.

Präventive Maßnahmen sind beim Erkennungs- und Heilungsprozess von Krebserkrankungen besonders relevant. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) könnten 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen durch gesundes Verhalten verhindert werden, z.B. durch einen rauchfreien Lebensstil, gesunde Ernährung, genug Bewegung und Sonnenschutz. Wird der Krebs in der Sekundärprävention entdeckt, also der Krebsfrüherkennung und der Vorsorge, können bei manchen Krebsarten neun von zehn Erkrankten geheilt werden. Denn um das Wachstum von Tumorzellen einzudämmen ist entscheidend, in welchem Stadium sie entdeckt werden. In Deutschland gibt es momentan fünf Früherkennungsprogramme: Brustkrebs, Darmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hautkrebs und Prostatakrebs.

Auch wenn meist nicht ein singulärer Faktor ursächlich für die Erkrankung ist, können viele präventive Maßnahmen helfen. Rund 127.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Und über 60.000 Menschen in Deutschland sterben an einer ausschließlich auf Alkohol zurückzuführenden Todesursache. Diese beiden Beispiele zeigen, dass durch einen gesunden Lebensstil Krankheiten und Todesfälle verhindert werden könnten.


Zum Weiterlesen:
Infektionen durch Prävention und Therapie bekämpfen (vfa)
Prävention: Vorbeugen statt heilen (aerzteblatt.de)
Prävention und Ernährung (gesundheitsforschung-bmbf.de)

Welche Rolle spielen Impfungen bei der Prävention?

Impfungen sind wohl das bekannteste Beispiel für die Primärprävention. Impfprävention zählt zu den kostengünstigsten medizinischen Interventionsmaßnahmen. Sie tragen dazu bei, die Verbreitung von Krankheitserregern zu reduzieren und zu verhindern. Mittlerweile kann man sich vor rund 30 Krankheiten mit zugelassenen Impfstoffen schützen. Ein anschauliches Beispiel für den präventiven Nutzen von Impfungen ist die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Durch die MMR-Impfung können schwerwiegende Komplikationen durch die Krankheit vermieden werden. Das RKI sagt, dass die flächendeckende Anwendung von MMR-Impfungen dazu beigetragen hat, zwischen 2000 und 2017 rund 21 Millionen Todesfälle zu vermeiden. Und gegen bestimmte Krebserkrankungen kann man sich mittlerweile impfen lassen. HPV-Impfstoffe schützen gegen bestimmte Typen der sexuell übertragbaren humanen Papillomaviren (HPV), die erste Impfung gegen Krebs. Allerdings wird diese noch nicht in vollem Umfang von der Bevölkerung angenommen. Laut der Krebsgesellschaft wurden lediglich 31% der unter 15-Jährigen geimpft und nur 43% der 17-Jährigen.

Doch nicht nur die Einzelperson profitiert von funktionierenden Präventionsmechanismen. Gerade beim Impfen spielt der kollektive Impfschutz eine wesentliche Rolle. Die sogenannte „Herdenimmunität“ sorgt dafür, dass Krankheitserreger sich nicht mehr ausbreiten und hochansteckende Krankheiten gestoppt werden können. Ab wann diese Herdenimmunität greift, ist je nach Krankheit unterschiedlich. Bei Masern muss die Impfrate bei 95 Prozent der Bevölkerung liegen, bei Diphtherie kann Gemeinschaftsschutz schon ab ca. 80 Prozent erzielt werden. Die Einführung von Impfungen hat dazu beigetragen, Krankheiten wie z.B. Polio nahezu auszurotten. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die globale Polio-Impfkampagne seit den 1980er-Jahren die Zahl der Poliofälle weltweit um mehr als 99 Prozent reduziert. Die weltweite Verfügbarkeit von Impfungen trägt so dazu bei, grenzüberschreitende Gesundheitsbedrohungen einzudämmen und die internationale öffentliche Gesundheit zu schützen. Sie schützt das Individuum genauso stark, wie die Gemeinschaft.

Zum Weiterlesen:
Schutzimpfungen (bundesgesundheitsministerium.de)
Impfen (RKI)
Impfprävention (Bundesärztekammer)
Impfstoffe (vfa)

Was plant die Politik zum Thema Prävention?

Auch die Politik kümmert sich um das Thema Prävention. Denn je besser die Bevölkerung präventive Maßnahmen annimmt, desto mehr Krankheiten können verhindert werden. Das schützt das Gesundheitssystem vor Überlastung. Vor knapp acht Jahren hat die damalige Bundesregierung das Präventionsgesetz auf den Weg gebracht. Das Gesetz stärkt die Zusammenarbeit der Akteure in der Prävention und Gesundheitsförderung, entwickelt die Gesundheits- und Früherkennungsuntersuchungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiter und stellt Geld für gesundheitsfördernde Leistungen der Kranken- und Pflegekassen bereit.

Auch die aktuelle Bundesregierung nimmt das Thema Prävention wieder auf. Im Koalitionsvertrag wird ein eigener Schwerpunkt formuliert: „Wir entwickeln das Präventionsgesetz weiter und stärken die Primär- und Sekundärprävention. Dem Leitgedanken von Vorsorge und Prävention folgend stellen wir uns der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zielgruppenspezifisch und umfassend. Wir unterstützen die Krankenkassen und andere Akteure dabei, sich gemeinsam aktiv für die Gesunderhaltung aller einzusetzen.” Die Bundesregierung engagiert sich auch deshalb so sehr, weil es in Deutschland eine eklatante Differenz zwischen den Ausgaben im Gesundheitssektor und der Lebenserwartung gibt. Die Bundesrepublik gibt jedes Jahr 5.000 Euro pro Einwohner:in für die Gesundheit aus. Kein anderes EU-Land investiert so viel. Und trotzdem liegt die Lebenserwartung mit 80,8 Jahren nur knapp über dem EU-Durchschnitt (80,1).

Um Prävention und Gesundheitskompetenz auszubauen, soll die bisherige Bundeszentrale für Aufklärung (BZgA) zu einem Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM) weiterentwickelt werden. Die Umgestaltung der Zuständigkeiten im Präventionsbereich ist, neben der Krankenhausreform und der Digitalisierungsgesetzgebung, die dritte Reformsäule im Gesundheitssektor. Bis Anfang 2025 soll das BIPAM ausgebaut werden und einem übergeordneten Ansatz aus Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung folgen. Beispielsweise soll das Institut dann Wissenschaft, Praxis und Politik besser vernetzen oder auch gesundheitliche Bedürfnisse und Bedarfe erkennen und nicht übertragbaren Krankheiten bekämpfen.

Gesundheitskioske sollen dabei helfen, dass Menschen aus ärmeren Vierteln Zugang zu Präventionsmaßnahmen bekommen. Gesundheitskioske bieten in sozial benachteiligten Regionen eine niedrigschwellige Beratung für einkommensschwache Menschen an. Hier geht es vor allem um den Ausbau der Gesundheitskompetenz. Im Vordergrund steht die Vermittlung von Gesundheitsleistungen und die allgemeine Beratung. Am Ende soll es bundesweit insgesamt 1000 dieser Kioske geben.

Zum Weiterlesen:
Eindämmung von sexuell übertragbaren Infektionen (bundesgesundheitsministerium.de)
Präventionsgesetz (bundesgesundheitsministerium.de)
Präventions-Institut im Aufbau (bundesgesundheitsministerium.de)
Lauterbach will Gesundheitskioske in ärmeren Stadtteilen (pharmazeutische-zeitung.de)