Drucken

Überlebensvorteil per App

Kann eine App Krebspatienten einen Überlebensvorteil verschaffen? "Ja", sagt Christoph Riese von der Firma Cankado. Patienten werden besser in die Therapie einbezogen: Sie dokumentieren in einem digitalen Tagebuch ihre Medikamenteneinnahme, Gefühlszustände oder Beschwerden.

Christoph Riese von Cankado.In Echtzeit werden diese Informationen an den behandelnden Arzt weitergegeben, auch können die Daten längerer Zeiträume ausgewertet werden. Nach dem Ansatz des „Patient Reported Outcome“ könne dadurch ein Überlebensvorteil von fünf Monaten möglich werden.

Cankado ist ein Medizinprodukt, das die Therapie begleiten und dem Betroffenen Verhaltenshinweise geben soll, informiert Christoph Riese. Dabei sei die Nutzung gebührenfrei. „Die Daten verbleiben zwischen dem Patienten und dem Behandlungsteam, werden nicht weitergegeben und von uns nicht ausgewertet. Das findet nur in Studien statt“, erklärt er. In diesem sensiblen Bereich sei es extrem wichtig, dass sauber gearbeitet werde. Derzeit sei Cankado in mehr als zehn klinischen Studien involviert. Tatsächliche Nutzungszahlen werden nicht erfasst, „denn wir verfolgen keine Patienten“, sagt er und weiß eines sicher: „Wir haben monatlich etwa 500.000 Bewegungen auf der Seite und Nutzer über alle Kontinente.“

Was ist sinnvoll für die Therapie?

Patienten haben durch Cankado die Möglichkeit, über jedes internetfähige Medium wie Smartphone, Tablet oder Computer ihre Symptome zu dokumentieren. Durch den niederschwelligen Eintritt werde laut Riese Barrierefreiheit garantiert. „Für viele Patienten ist der Erhalt oder die Steigerung der Lebensqualität das Essenzielle“, weiß Riese. Es gehe aber vor allem auch um Einnahme- und Therapietreue. Zudem sei psychoonkologischer Beratungsbedarf ein wichtiger Punkt. Der Arzt definiere zusammen mit seinem Patienten, was sinnvoll für die Therapiesituation sei.

Schnelle Reaktion bei auftretenden Symptomen

Die App orientiert sich am Ansatz des „Patient Reported Outcome“ – also am realen Nutzen für Patienten. Laut einer Studie um den Wissenschaftler Ethan Basch sei durch diesen Ansatz ein Überlebensvorteil von fünf Monaten für Patienten mit Chemotherapie möglich. 766 Patienten mit einer metastasierten Krebserkrankung nahmen an der Studie teil – eine Hälfte der Teilnehmer füllte mindestens einmal pro Woche einen Online-Fragebogen mit zwölf Fragen zu auftretenden Symptomen oder Nebenwirkungen aus. Automatisch wurden diese Informationen an das Behandlungszentrum weitergeleitet, welches schnell reagieren konnte. Im Vergleich zu den Patienten, die nicht über ihre Nebenwirkungen berichteten, kam es bei den Teilnehmern des Fragebogens seltener zu Komplikationen, sie mussten weniger oft in einer Notaufnahme behandelt und konnten länger therapiert werden. Außerdem stieg die Patientenzufriedenheit.

Berichte zur Visitenvorbereitung in Echtzeit

Cankado sei demnach laut Riese „die Umsetzung der dieser Ergebnisse als Medizinprodukt“. Alle Informationen fließen „in Echtzeit in Berichte zur Visitenvorbereitung“ ein, erläutert er. Das Behandlungsteam könne das Gespräch mit dem Patienten dementsprechend vorbereiten. Es sei die Hausaufgabe des Patienten, zu dokumentieren, was in der Zwischenzeit passiert sei. Ein weiterer Vorteil des digitalen Tagebuchs: Ein „besseres Vernetzen von Patient und Arzt“.

Zur Person: Christoph Riese arbeitet seit Februar 2019 als Director Business Development bei Cankado. Zuvor war er dort von Januar 2017 bis Januar 2019 Senior Project Coordinator. Eine weitere Station von Riese: Das Wissenschaftliche Institut der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen. Er studierte Politikwissenschaften und Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg.